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Lamborghini Urus (2018): Infos, Preis, Test Lambo-SUV mit 650 PS

— 22.11.2017

Lambo-SUV mit 650 PS

Der Lamborghini Urus kommt im Frühjahr 2018 mit 650 PS auf den Markt. AUTO BILD hat Infos zu Preis, Beschleunigung und Marktstart und ist einen Prototyp gefahren.

Vorstellung: Ein SUV für die Rennstrecke

Die eckig designten Radhausausschnitte des Erlkönigs erinnern an den Lamborghini Diablo.

Am 4. Dezember 2017 wird der Lamborghini Urus präsentiert. Der Urus ist der geistige Nachfolger des LM002 von 1986 – im Gegensatz dazu aber kein waschechter Geländewagen. Die Italiener sprechen stattdessen von einem sogenannten “Super Sports Utility Vehicle” – um diesem Ausdruck gerecht zu werden, kommt der Urus mit 650 PS und 850 Nm Drehmoment und wurde bereits ausgiebig auf dem Nürburgring getestet. Dort haben die AUTO BILD-Erlkönigjäger einen getarnten Urus erwischt. Auch wenn Lamborghini vorab gesagt hat, der Urus sei nicht auf den Nürburgring-Rekord für SUVs ausgelegt, wird das Lambo-SUV natürlich auf der Rennstrecke getestet. Die typische Lamborghini-Formensprache ist deutlich erkennbar. Die eckige Front verfügt über einen Wabengrill, und die Motorhaube hat dieselbe mittige Aussparung für das Wappen wie beim Aventador und Huracán. Die Radhausausschnitte scheinen auch beim Urus leicht eckig designt, am Heck gibt es eine doppelte Spoilerkante und vier Auspuffrohre. Der Urus kommt mit adaptiver Luftfederung, mechanischem Sperrdifferenzial hinten, vom 48-Volt-System gespeister Wankstabilisierung, Carbon-Keramik-Bremsen und Hinterradlenkung. Der Marktstart ist für das Frühjahr 2018 geplant.

Interieur: Leder und Carbon im Übermaß

Im Fahrmodus Corsa rückt der Drehzahlmesser in den Mittelpunkt, die Anzeigen färben sich rot.

Innen dominiert wieder das typische mit Rauten gefüllte Sechseck. Die Cockpit-Welt ist eine Orgie aus Leder satt und Carbon im Übermaß. Drinnen gibt es einen Mix aus Head-up-Display und Digitalanzeigen, die je nach Fahrmodus die Farbe wechseln und passende Informationen in den Mittelpunkt stellen. Bei der Sitzprobe stelle AUTO BILD fest: Die Standardsitze taugen leider nicht viel, die Sicht nach hinten durch den schmalen Sehschlitz lohnt keinen zweiten Blick. Die vorwitzigen Spoiler und Diffusoren sind ebenso verwundbar wie die ausladenden Räder.

Fahren: Der Urus beschleunigt brutal

AUTO BILD ist bereits einen Prototypen des Urus gefahren. Wir drücken den Startknopf und der Lambo erwacht fauchend. Auf dem 6,2 Kilometer langen Handlingkurs von Nardò erreicht er am Ende der Geraden mal eben 255 km/h, knallt mit bis zu 1,5 g durch die Kurven, drückt einem bei Vollgas im kleinen Gang tiefe Dellen in die Wangen. Wenn sich 650 PS und 850 Nm entfalten, erlebt man das wie die Synthese aus Lachgaseinspritzung, Nachbrenner und einem brutalen Tritt in den Hintern. Mit Launch Control messen wir 3,35 Sekunden auf Tempo 100! Dieses Auto soll 2,2 Tonnen wiegen? Beim Fahren merkt man davon nichts. Nach kurzer Eingewöhnung kommt in jeder Kurve das Heck, wird der Lastwechsel zum Freund, zieht uns der V8 mit Drehmoment-Macht wiederholt gerade.

Der Urus soll 2,2 Tonnen wiegen? Beim Fahren merkt man davon nichts.

Die Fahreinstellungen werden über zwei halbrunde Ehrhebungen links und rechts der Start-Stopp-Taste getroffen. Lamborghini nennt die Schalter Tamburo, italienisch für Trommel, an die erinnern die beiden halbrunden Erhebungen. Die linke Trommel heißt Anima und definiert den Fahrmodus in sechs Stufen: Strada, Sport, Corsa (Rennstrecke), Terra, Sabbia (Sand) und Neve (Schnee). Das Gegenüber heißt Ego und regelt Antrieb, Lenkung und Dämpfer. Wir haben uns vom Start weg in Corsa verliebt und waren nur offroad in Terra unterwegs. Corsa schärft alle Systeme von der Schlupfregelung über das Stabilitätsprogramm bis zum Ansprechverhalten von Lenkung, Bremse und Fahrwerk. Das Ergebnis ist ein Cocktail aus definiertem Rutschen, leichtem Unter- bis Übersteuern, zackigen Richtungswechseln und schneller Verzögerung. Also alles perfekt? Na ja, die Achtstufen-Wandlerautomatik packt die Gangwechsel zu sehr in Watte, das Ansprechverhalten des doppelt aufgeladenen V8 ist mehr Audi als Lambo, in sehr schnellen Kurven kommt schon mal leichte Unruhe in den Vorderwagen, während die Lenkung im Slalom leicht verhärtet. Wie der Fahrmodus “Terra”, funktioniert, zeigt dieses Lambo-Video:

Motoren und Preis: V8 und Plug-in-Hybrid

Für die Leistung von 650 PS hat Lamborghini den Vierliter-V8-Biturbo von Audi überarbeitet. Zum ersten Mal in der Lambo-Firmengeschichte wird somit ein Turbomotor in einem Serienfahrzeug angeboten. Auch in anderen Bereichen bedient man sich bei der (hauseigenen) Konkurrenz: Der lange Radstand stammt vom Bentayga, der Allradantrieb vom Q7 und der 2019 nachgereichte Plug-in-Hybrid vom Cayenne. Der Preis dürfte bei etwa 180.000 Euro für die Basis liegen.

Autoren: Jan Götze, Elias Holdenried, Georg Kacher