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Kommentar: Sch…-Verpackungen

Kommentar: Sch…-Verpackungen


Hans-Peter Schüler

Geräteverpackungen sind keine Reklame-Werkzeuge, sondern haben eine Funktion, die nicht nur aus “Lifestyle vermitteln” besteht, findet Peter Schüler.

Elektrische Geräte sollten in ihren Verpackungen in erster Linie vor Beschädigungen geschützt sein. Bei Waschmaschinen, Monitoren und Server-Towers ist das in der Regel gewährleistet, auch wenn dabei viel Polstermaterial mitverpackt wird. Bei kleinen Gerätschaften wie Tablets oder Smartphones haben viele Hersteller aber anscheinend andere Ziele im Sinn. Da gilt nicht mehr “Form follows Function”, sondern “Form is everything”. Leider!

Ein Kommentar von Hans-Peter Schüler

Ein Kommentar von Hans-Peter Schüler

Als Chemiker (Umweltanalytik und -simulationen) habe ich auch Qualitätssicherung im Labor gelernt und an Firmen vermittelt. Dafür relevantes IT-Wissen fand ich nur in der c’t mit ihrem breiten Spektrum und freue mich, nun selbst daran mitzuarbeiten.

Muss etwa eine Logitech-Maus mit ihrem bisschen Elektronik (so wie vor einiger Zeit) gleich ein Beipack aus Elektronik-Schrott mitbekommen, nur damit die Schachtel im Ladenregal permanent blinkt? Mir wäre das Produkt viel sympathischer gewesen, wenn ich nicht noch für eine Wegwerf-Platine mit Leuchtdiode und Knopfzelle draufzahlen gemusst hätte, die dann völlig unnötigerweise nur die Umwelt belastet hat.

Ich ärgere mich auch über iPhone-Verpackungen, die so knapp bemessen sind, dass man den Inhalt zwar entnehmen, aber kaum je wieder darin verstauen kann. Ich arbeite beruflich mit solchen Geräten, da wäre die Originalpackung ein durchaus hilfreiches Aufbewahrungsmittel, aber diese Funktion haben die Designer schicker Verkaufsschachteln (nicht nur bei Apple) offenbar nicht im Sinn.

Microsoft Surface Pro: Vorsicht beim Auspacken!

Sogar die Annahme, man könnte ein Gerät ohne Verrenkungen auspacken und in die Hand nehmen, entpuppt sich mitunter als Illusion – man betrachte das Video zu Microsofts erstem Surface-Tablet. Das kann man nur aus der Umhüllung herausfallen lassen und dann hoffentlich unbeschadet auffangen. Dann fällt einem zwar auch der Stift an den Händen vorbei, nicht aber das benötigte Stromversorgungskabel. Das versteckt sich nämlich unter der Pappmatrix – leichte Beute für Spürnasen – und lässt sich dort nur mühsam wieder verstauen, wenn man die Packung noch einmal verwenden möchte.

Besonders hübsch finde ich die Original-Schachtel, in der mir eine Kollegin ihre ausrangierte Bluetooth-Freisprecheinrichtung übergeben hat. Vielen Dank, Suse, für Deine liebevolle Tüftelarbeit. Die Verpackung taugt nämlich locker zum Vexierspiel und wird von den provozierten Verpackungs-Fehlversuchen nicht besser, doch immerhin hat sich bestimmt irgendwer beim Entwurf dieser Papp-Konstruktion selbst verwirklicht.

Mancher Gerätekarton ist in Wirklichkeit ein Geduldsspiel.

Ein Beispiel, wie man Design und Funktion sehr wohl miteinander vereinbaren kann, hat Amazon mit dem Kindle Fire geliefert. Dessen Schachtel ist durchaus ansehnlich, und trotzdem kann man sie mit einem Griff öffnen, das Gerät entnehmen und auch wieder darin einpacken.

Aber es geht auch besser: Amazons Kindle Fire

Liebe Gebrauchs-Designer, ich räume gern ein, dass auch bei einer Verpackung Stil und Kreativität gefragt sind, um die Qualität des Inhalts zu vermitteln. Wer aber dabei jeden funktionalen Wert aus dem Auge verliert und nur noch selbstverliebt auf ein modisches Erscheinungsbild achtet, läuft Gefahr, dass der Verbraucher nach genau diesen Kriterien auch den verpackten Inhalt bewertet.


(hps)