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Kommentar: Glasfaser für alle: Kein Unfug, sondern alternativlos!

Telekom Glasfaser-Netz

Ohne den flächendeckenden Ausbau von Glasfaserleitungen geht es nicht, kommentiert Dr. Stephan Albers vom BREKO. Mittelständische Betriebe sind weitgehend unterversorgt und auch bei anderen Verbrauchern steigt die Nachfrage stetig.

Der Ausbau mit der leistungsfähigsten und zukunftssichersten digitalen Infrastruktur ist eine der zentralen Herausforderungen, vor denen unser Land in den kommenden Jahren steht. Für die kommende Gigabit-Gesellschaft mit einer digitalisierten Wirtschaft benötigen Bürger und Unternehmen Breitbandanschlüsse mit besonders hoher Kapazität.

Ein Kommentar von Dr. Stephan Albers (BREKO)

Ein Kommentar von Dr. Stephan Albers (BREKO)

Dr. Stephan Albers ist Geschäftsführer des Bundesverbands Breitbandkommunikation e.V. (BREKO).

Die fast 300 Mitgliedsunternehmen des BREKO – darunter mehr als 170 überwiegend regional und lokal tätige Netzbetreiber sowie Stadtwerke und Zweckverbände – versorgen in ganz Deutschland nicht nur Ballungszentren, sondern insbesondere auch ländliche und unterversorgte Gebiete mit Glasfaseranschlüssen.

Reine Glasfaseranschlüsse bis in alle Gebäude Deutschlands – und damit zu allen Bürgern und Unternehmen – sind schon bald so wichtig wie ein Wasser- oder Stromanschluss. Sie bilden einen zentralen Grundstein für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand für die heutige Gesellschaft sowie kommende Generationen. Wir brauchen jetzt den Mut und den Willen aller Beteiligten, um heute die digitale Infrastruktur von morgen zu bauen.

Kupferbasierte Übergangstechnologien wie VDSL2-Vectoring oder das angekündigte Super-Vectoring, aber auch die vorhandenen Kabelnetze, können die künftigen Bandbreiten- und Qualitätsanforderungen (zum Beispiel extrem geringe Latenz, hohe Upload-Geschwindigkeiten, hohe Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse) schon in wenigen Jahren nicht mehr befriedigen. Daher müssen wir den Ausbau mit reiner Glasfaser schon heute entschieden vorantreiben, bevor es dafür zu spät ist.

Liegt die heutige Standard-Downstream-Bandbreite noch zwischen 10 und 30 MBit/s, erwarten wir allein bis 2025 eine durchschnittliche Privatkunden-Nachfrage von 600 MBit/s im Down- und 350 MBit/s im Upstream – Tendenz weiter stark steigend. Dabei gilt zudem: Bislang hat die tatsächliche Nachfrage selbst die optimistischsten Vorhersagen stets übertroffen.

Breitbandversorgung

Debatte: Breitband-Ausbau in Deutschland

Glasfaser-Internet ist in Deutschland ein Ladenhüter. Kein Wunder, denn Vectoring sei wirtschaftlich meist sinnvoller: Glasfaser für Alle? Welch ein Unfug!, kommentierte Ernst Ahlers – und löste damit eine heftige Debatte aus, nicht nur im Diskussionsforum. Einige Reaktionen Pro und Contra veröffentlichen wir in diesen Tagen.

Viel gravierender ist die Situation bei den Unternehmen: Bereits jetzt fehlt es zahlreichen mittelständischen Betrieben insbesondere abseits der Metropolen an einem ausreichend leistungsfähigen Breitbandanschluss. Dabei bilden aber gerade die mittelständischen Unternehmen mit rund 30 Millionen Arbeitsplätzen das Rückgrat der deutschen Wirtschaft!

Gemeinsam mit dem Mittelstandsverband BVMW sind wir uns daher einig: Der digitale Fortschritt ist nicht aufzuhalten, sondern zwingend notwendig, um sich im internationalen Wettbewerb behaupten zu können. Glasfaseranschlüsse bis in alle Unternehmen Deutschlands sichern vorhandene und schaffen das Potenzial für neue Arbeitsplätze. Unser Land braucht die leistungsfähigste digitale Infrastruktur in Europa, um Wirtschaftswachstum – und damit Wohlstand – zu sichern und auszubauen.

Der Politik muss klar sein: Glasfasernetze bis in alle Gebäude sind die alternativlose Grundlage der künftigen Gigabit-Gesellschaft und damit auch für Smart Cities und Smart Countries. Daher muss die neue Bundesregierung anstelle des bisherigen, wenig ambitionierten 50-MBit/s-Ausbauziels ein weitsichtiges Glasfaser-Infrastrukturziel bis zum Jahr 2025 setzen. Auf diese Weise bringen wir Deutschland in den kommenden zehn Jahren vom Standstreifen wieder auf die Überholspur – und haben darüber hinaus die optimale Grundlage für den in einigen Jahren anstehenden 5G-Rollout.
(Dr. Stephan Albers) /


(kbe)