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Kommentar: Das Überleben von Intel steht auf dem Spiel

Kommentar: Das Überleben von Intel steht auf dem Spiel

(Bild: Intel)

Intel hat sich trotz Milliardengewinnen jahrelang auf der Schwäche der Konkurrenten ausgeruht und nun keine Antworten auf die Zukunftsmärkte parat, kommentiert Martin Fischer.

Dass Intel einen Kombiprozessor mit AMD-Grafik baut, offenbart, wie angeschlagen der einstige Quasi-Prozessormonopolist mittlerweile ist – und wie schlecht die Firma für die Zukunft aufgestellt ist. Die einst hochinnovative Prozessorschmiede hat sich jahrelang auf der Schwäche ihrer Mitbewerber ausgeruht und hat nun keine überzeugenden Rezepte für die Zukunftsmärkte mehr anzubieten.

Im beständig schrumpfenden PC-Markt wird Intel hart von AMDs Ryzen-Prozessoren attackiert, die viele Kerne und eine hohe Rechenleistung zu attraktiven Preisen bieten. Mehr und mehr Leute interessieren sich – erstmals seit Jahren – wieder für ein AMD-System. Im Notebook-Markt wird AMD mit seinen jüngst angekündigten Raven-Ridge-Prozessoren, die eine moderne Vega-Grafikeinheit enthalten, in den kommenden Monaten viel Druck auf Intel ausüben. AMD stößt damit in Segmente vor, die Intel einst selbst definiert hat, etwa Ultrabooks.

Ein Kommentar von Martin Fischer

Ein Kommentar von Martin Fischer

Martin Fischer arbeitet seit 2008 als Redakteur für c’t und heise online. Er berichtet hauptsächlich über Grafik-Hardware, Computergrafik, Spiele-Engines und 3D-Effekte, befasst sich aber auch mit der Wirkung von Massenmedien und Social Media.

Trotz Milliardengewinnen hat es Intel noch immer nicht geschafft, eine attrative integrierte Prozessorgrafik zu entwickeln – und das 20 Jahre nach der Übernahme von Chips & Technologies. Besonders die Firma Apple braucht für ihre kommenden Macbooks leistungsfähige Prozessorgrafik, die Intel schlichtweg nicht im Angebot hat. Außerdem will Apple traditionell die Hoheit über die Treiber für sein macOS-Betriebssystem – das geht mit AMD, aber nicht mit dem auf proprietäre Treiber eingeschworenen Nvidia.

Im hochprofitablen Tablet- und Smartphone-Markt spielt Intel überhaupt keine Rolle – den beherrschen Samsung, Apple, Qualcomm und Co. Das gleiche gilt für Chips in SmartTVs, Smartwatches, Streaming-Sticks und eBook-Reader. Im Spielkonsolenmarkt liefert AMD die Semi-Custom-Chips für Playstation 4, Playstation 4 Pro, Xbox One und Xbox One X; Nintendo setzt auf Nvidia. Intel? Fehlanzeige!

Im Boom-Markt Deep Learning und K.I. trumpft Nvidia mit hocheffizienten und rechenstarken Grafikchips auf – der Rechenkraft von Pascal, Volta und wohl auch dem künftigen Ampere hat Intel nichts entgegenzusetzen. Im Supercomputing greift Nvidia über die enorme Energieeffizienz seiner GPUs an, wie auch ein Blick auf die Top500-Liste der stärksten Supercomputer offenbart. Der Tianhe-2 (Platz 2) ist zwar dank Intels Xeon-Phi-Karten gut 20 Prozent leistungsfähiger als der Drittplatzierte Piz Daint mit Nvidia Tesla 100, allerdings ist die Energieeffizienz des Nvidia-Supercomputers um das Fünffache höher. Im Server-Markt lassen Epyc-Prozessoren von AMD grüßen.

Intel brechen die Geschäftsfelder in atemberaubender Geschwindigkeit weg. Die Firma hatte also gar keine Wahl, sich für den einstigen Erzkonkurrenten AMD zu öffnen – und sich mit ihm im x86-Bereich als quasi letzter Mohikaner zu verbünden. Doch das wird für das Überleben von Intel in der derzeitigen Form nicht reichen.


(mfi)