/Kim Jong Un meldet erfolgreichen Test von H-Bombe

Kim Jong Un meldet erfolgreichen Test von H-Bombe

Nordkorea hat nach eigenen Angaben erneut eine Wasserstoffbombe gezündet. Der Test am Sonntag sei erfolgreich gewesen, berichtete laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap das nordkoreanische Staatsfernsehen. Mit der Bombe könne auch eine neue Interkontinentalrakete (ICBM) des Landes bestückt werden.

Nordkorea meldet: Wasserstoffbombe erfolgreich getestet

Es wäre der sechste Atomtest Nordkoreas, den ersten hatte das diplomatisch isolierte Land 2006 durchgeführt. Nordkorea hatte auch nach dem Test im Januar des vergangenen Jahres von einem Wasserstoffbombentest gesprochen. Experten hatten die Angaben allerdings stark bezweifelt. Der neue Test wurde nach Angaben des südkoreanischen Militärs in der Provinz Nord-Hamgyong im Nordosten durchgeführt, wo das Land bereits die früheren Nuklearversuche unternommen hatte. Die Erschütterungen seien künstlich herbeigeführt worden. Das Beben errichte nach chinesischen Messungen eine Stärke von 6,3.

Provokation mit Atomtest – Wie reagiert Donald Trump?

Der neue Test ist eine massive Provokation des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un in den stark gewachsenen Spannungen mit den USA und den Ländern in der Region. US-Präsident Donald Trump hat “militärische Optionen” nicht ausgeschlossen, um Nordkorea daran zu hindern, sein Atom- und Raketenprogramm weiter zu entwickeln. Auch hatte der US-Präsident mit “Feuer und Wut” gedroht, was Sorgen vor einem verheerenden bewaffneten Konflikt anfachte.

6. Atomtest Nordkoreas

Nach den seismischen Messungen könnte der befürchtete sechste nordkoreanische Atomtest der bisher stärkste gewesen sein. Unmittelbar davor hatte Kim Jong Un vorgegeben, jetzt auch eine Wasserstoffbombe zu besitzen, die auf eine Interkontinentalrakete montiert werden könne. Ob bei dem neuen Versuch eine Wasserstoffbombe getestet worden ist, die eine weit höhere Explosionskraft als ein herkömmlicher Atomsprengsatz hat, war zunächst unklar.

Atombombe vs. Wasserstoffbombe

In den 1940er und 1950er Jahren haben vor allem amerikanische Forscher Massenvernichtungswaffen mit bis dahin unbekannter Sprengkraft entwickelt. Diese Technologien nutzt jetzt nach eigenen Angaben auch Nordkorea.

Atombombe: Als ihr wichtigster “Vater” gilt der Amerikaner Robert Oppenheimer. Die ersten Atombombenabwürfe am 6. und 9. August 1945 auf Hiroshima und Nagasaki beendeten den Zweiten Weltkrieg in Asien. Atomwaffen werden mit radioaktivem Plutonium oder Uran hergestellt. Ihre Zerstörungskraft erhält sie aus der Energie, die bei der Spaltung der Atomkerne freigesetzt wird. Dazu muss das spaltbare Material bei der Zündung mit konventionellem Sprengstoff so zusammengepresst werden, dass eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Die Zerstörung erfolgt über Hitze, Druck und radioaktive Strahlung. In kurzer Zeit können Hunderttausende getötet und ganze Landstriche verwüstet werden. Die radioaktive Strahlung verursacht gesundheitliche Langzeitschäden.

Wasserstoffbombe: Die erste Wasserstoffbombe, auch H-Bombe genannt, wurde unter Leitung von Edward Teller in den USA entwickelt und 1952 auf einem Atoll im Pazifik gezündet. Ihre Sprengkraft war rund 800 Mal so groß wie die der ersten Atombombe. Die Wasserstoffbombe setzt Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen frei. Bei dieser Fusion verschmelzen unter anderem die Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium zu Helium. Zur Zündung des Gemisches sind mehr als 100 Millionen Grad erforderlich. Deshalb enthält eine H-Bombe als Zünder eine Atombombe. Wegen ihrer übergroßen Vernichtungskraft und der unkontrollierbar freigesetzten Strahlung gilt die Wasserstoffbombe bei vielen Militärexperten als kaum noch einsatzbar.

Auch Japan geht von Atomtest aus

Auch die japanische Regierung geht von einem Atomtest aus, wie der japanische Außenminister Taro Kono berichtete. Die Regierung in Tokio berief den nationalen Sicherheitsrat ein. Ministerpräsident Shinzo Abe hatte zuvor erklärt, sollte es sich bei dem kurz zuvor gemessenen Erdbeben in Nordkorea tatsächlich um einen Atomtest gehandelt haben, sei dies absolut inakzeptabel. Man werde aufs Schärfste protestieren.

Die Vereinten Nationen untersuchten die unüblichen seismischen Aktivitäten. Wie die Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) in Wien mitteilte, hätten die Messstationen Erschütterungen ermittelt, die mit einem sechsten unterirdischen Atomversuch Nordkoreas erklärt werden könnten.

Der befürchtete Atomversuch folgte auf den Test vergangene Woche mit einer Rakete, die über Japan geflogen war. Die USA beraten gerade mit Japan oder auch den Mitgliedern im Weltsicherheitsrat über neue Sanktionen und Gegenmaßnahmen. Peking spielt hier eine wichtige Rolle, weil rund 90 Prozent des Handels mit dem isolierten Land über China läuft.

Brics-Gipfel in Xiamen mit Wladimir Putin

Die Nordkorea-Krise überschattet auch den Sonntag beginnenden jährlichen Gipfel der Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika in der südostchinesischen Stadt Xiamen. Dazu wird auch Russlands Präsident Wladimir Putin in China erwartet. Vor allem in den bilateralen Gesprächen von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping mit Putin und den anderen Staats- und Regierungschefs dürften Nordkoreas Atomtests eine Rolle spielen.

Besitzt Nordkorea wirklich eine H-Bombe?

Nur Stunden vor dem befürchteten Atomversuch hatte Nordkoreas Machthaber verkündet, sein Land habe jetzt auch eine Wasserstoffbombe entwickelt, mit der eine Interkontinentalrakete (ICBM) bestückt werden könne. Kim Jong Un habe bei einem Besuch im staatlichen Atomwaffeninstitut eine H-Bombe inspiziert, die auf eine ICBM montiert werden sollte, berichteten die Staatsmedien am Sonntag.

Das Institut habe damit den Vorgaben der herrschenden Arbeiterpartei entsprochen, einen Durchbruch bei der atomaren Bewaffnung zu erzielen. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Es hieß, der Fortschritt basiere auf dem Erfolg, den das Land mit seinem ersten Wasserstoffbombentest im Januar des vergangenen Jahres erzielt habe. Ob es damals tatsächlich ein Test mit einer Wasserstoffbombe war, konnte bislang nicht unabhängig bestätigt werden.