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Kia Stinger (2017): Infos und Tests Alles Wissenswerte zum Kia Stinger

— 06.09.2017

Alles Wissenswerte zum Kia Stinger

Kia macht mit dem Stinger auf sportlich. Die imposante Limousine leistet bis zu 370 PS und sieht dank coupéhafter Linie edel aus. Alle Infos plus Preis!

Vorstellung: Ein Auto, das es von Kia noch nicht gegeben hat

Kia kann auch sportlich – das beweist der koreanische Hersteller mit diesem neuen Auto: Stinger heißt die beeindruckende Sport-Limousine, Kia selbst spricht gern von einem Gran Turismo. Ein Auto, das es so von Kia noch nicht gegeben hat. Stattliche 4,83 Meter lang, 1,87 Meter breit und 1,40 Meter flach. Vorn mit dem inzwischen Kia-typischen “Tiger-Nose”-Grill, hier in einer besonders breiten, flachen Variante, großen Lufteinlässen und auffälligen LED-Scheinwerfern. Dann folgen eine laaange Motorhaube, eine eingezogene Flanke mit Luft-Auslässen, 19-Zoll-Räder und ein flacher, Coupé-artiger Aufbau mit großer Heckklappe. Hinten gibt es einen erstaunlich langen Überhang und ein wuchtiges Heck mit zwei fetten Doppel-Endrohren – ein imposanter Auftritt. Der stärkste Stinger ist gleichzeitig der schnellste Serien-Kia: Der 370 PS starke V6 soll die Limousine in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und bis zu 270 km/h schaffen.

Stinger kommt vom englischen Sting und bedeutet Stachel.

Auf der IAA 2011 hatte Kia den GT gezeigt, eine sehr ähnlich aussehende Studie. “Auf den GT haben wir unglaublich viel positive Resonanz bekommen”, sagt Kia-Designchef Peter Schreyer, “für die Serie wollten wir so nah wie möglich am Showcar bleiben.” Gut, die gegenläufig öffnenden Türen sind weg, aber sonst: Gelungen! Stinger kommt von Sting, englisch für Stachel. Und zum Stachel im Fleisch der Etablierten, wie Audi A5 Sportback und BMW 4er Gran Coupé, könnte er in dieser Form tatsächlich werden.

Interieur: Man soll sich wie in einem Kokon fühlen

Das hohe Armaturenbrett verläuft streng horizontal und wird nur vom mittigen Touchscreen unterbrochen.

Die Idee hinter der Gestaltung des tiefliegenden Innenraums ist, dass man sich wie in einem Kokon fühlen soll. Das hohe Armaturenbrett verläuft streng horizontal und wird nur vom mittigen Touchscreen unterbrochen. Das schmale Dreispeichen-Lenkrad mit Schaltwippen greift wieder den sportlichen Aspekt auf, für den Komfort ist es allerdings mit verschiedenen Funktionstasten belegt. Die Mittelkonsole teilt sich in zwei Bereiche: Der obere Teil dient der Steuerung des Infotainments, darunter sind die Knöpfe für die Klimaanlage und die Lüftungseinstellung angebracht.

Fahren: Kraftvoller Antritt, ausgewogene Balance

Video: Kia Stinger Nordschleife (2017)

Sportlimousine im Nordschleifen-Test

Warum findet die erste Fahrt auf der Nordschleife statt? Ganz einfach, der sportlichste Kia hat hier das Schnellfahren gelernt. Schließlich teilen sich Hyundai und Kia ein Entwicklungszentrum direkt am Nürburgring. Also starten wir zu einer Runde Nordschleife, die viel über den Stinger verrät. Beim ersten kurzen Sprint aus der Boxengasse am alten Fahrerlager macht der Stinger deutlich, dass die angegebenen 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h realistisch sind. Die Kraftentfaltung des 370 PS starken V6-Biturbos ist gleichmäßig, der Antritt kraftvoll, aber vergleichsweise unspektakulär – der Stinger schnellt dank Allrad effizient nach vorne. Erstes Kurvengeschlängel am Hatzenbach: Der Stinger lenkt präzise ein. Auffällig ist, wie gut ausbalanciert der Stinger die Wechselkurven in Angriff nimmt, obwohl die Federung im “Comfort”-Modus deutliche Karosseriebewegungen zulässt. Das ist aber auch schon alles, ins Taumeln gerät die 4,83-Meter-Limo auch bei schneller Kurvenfahrt nicht.

Der V6 klingt kernig und sonor und macht mächtig Betrieb. Das Auto fühlt sich agil, aber nicht nervös an.

Weiter geht es im “Sport”-Modus. Das Gefühl, einen harten Sportwagen zu fahren, kommt auch hier nicht auf. Der Restkomfort ist hoch – trifft man die Rattersteine am Streckenrand, werden selbst diese groben Stöße weitestgehend weggedämpft. Langsam ist der Stinger dennoch nicht. Tiefster Punkt der Strecke und die Reifeprüfung für jede Bremsanlage: Breitscheid. Die Brembo-Bremse des Stinger kommt hier nicht an die Belastungsgrenze – es muss jedoch erwähnt werden, dass unser Führungsfahrzeug nicht aufs Ganze geht. Wir schrauben uns in Richtung Karussell – das Torque Vectoring des Allradantriebs lässt den Stinger am Limit um Kurven carven, regelt hier, schiebt Drehmoment zwischen den Rädern hin und her, zieht den Viertürer förmlich in die Kurven und zaubert dem Fahrer ein Grinsen ins Gesicht.

Hinterm Karussell geht’s runter zum Streckenabschnitt Schwalbenschwanz. Im kurvigen Geläuf ums Brünnchen vermittelt der Stinger Gelassenheit. Der mechanische Grip ist tadellos, so eilt der Stinger auf unserer Testfahrt jederzeit berechenbar durch die Grüne Hölle. Letzter Sprint auf die Döttinger Höhe: Die Achtgang-Automatik lädt die Gänge rasant durch, im Head-up-Display stehen 220 km/h – dann bremst uns der vorausfahrende Instruktor ein. 250 km/h wären hier allemal drin gewesen. Résumé: Der Stinger wird auf der Rennstrecke keine Rekorde einfahren, dafür wurde er aber auch nicht entwickelt. Aber: Die Testfahrt auf der Nordschleife zeigt, dass der Stinger stets die Contenance wahrt und sich problemlos an die Grenzen führen lässt. 

Ausstattung: Automatik ist serienmäßig

Hinterradantrieb ist serienmäßig, auf Wunsch gibt es den Kia Stinger sogar mit Allradantrieb.

Die Technik des Stinger stammt dabei in den Grundzügen vom G80 – einer bei uns nicht verkauften Luxuslimousine der Hyundai-Edelmarke Genesis. Dazu gehört der längs eingebaute Frontmotor, Hinterradantrieb und ein Fahrwerk mit Mc-Pherson-Federbeinen vorn und Mehrlenkerachse hinten. Beim Stinger wird es auf Wunsch auch Allradantrieb (von Magna) mit elektronisch gesteuertem Torque Vectoring geben und erstmalig bei Kia auch elektronisch verstellbare Dämpfer – bei dem sich die Dämpfer vorn und hinten getrennt abstimmen lassen. Das geschieht über die verschiedenen Fahrmodi Eco, Sport, Sport+, Komfort und Smart. Die regeln auch das Ansprechverhalten der Lenkung und die serienmäßige Achtgang-Automatik-Schaltung mit Schaltwippen am Lenkrad. Bei der Topmotorisierung, dem V6, kommen die Bremsen von Brembo, je nach Leistung steht der Stinger auf 17-, 18- oder 19-Zoll-Rädern. 

Serienmäßig kommt der Stinger mit Stabilitätskontrolle, optional hat Kia noch einiges an Assistenten im Angebot: einen Kollisionswarner mit Notbremssystem und Fußgängererkennung, einen Geschwindigkeitsregler, einen Spurthalteassistent, einen Querverkehrassistent, Fernlichtassistent und einen Toter-Winkel-Assistent, außerdem lässt sich bei langsamen Tempo die Umgebung überwachen. Zum ersten Mal bietet Kia in dem Coupé einen Müdigkeitswarner an.

Das Head-up-Display zeigt neben der Geschwindigkeit noch verschiedene weitere Informationen wie die Lautstärke des Infotainments oder die Navigationsanweisungen an. Per Bluetooth lässt sich das Smartphone koppeln und während der Fahrt induktiv in der Mittelkonsole aufladen.

Motoren und Preis: Mindestens 44.000 Euro für den kleinen Benziner

Für Europa hat Kia bereits drei Motoren bestätigt. Der einzige Diesel im Angebot hat 2,2 Liter Hubraum, leistet 200 PS und 440 Nm maximales Drehmoment. 8,5 Sekunden soll der Stinger-Diesel für den Sprint auf Tempo 100 brauchen, bei 225 km/h ist Schluss. Außerdem gibt es zwei Benziner: einen turbogeladenen Zweiliter-Vierzylinder mit 225 PS und 353 Nm maximalem Drehmoment, der zum Marktstart Ende Oktober 2017 für 43.990 Euro in der Preisliste steht. Darüber rangiert der 3,3-Liter-Twinturbo, der es auf 370 PS und 510 Nm maximales Drehmoment bringt. Der stärkste Stinger ist gleichzeitig das schnellste Serienmodell von Kia: Er soll in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 sprinten und bis zu 270 km/h schnell sein. Achtgangautomatik und Allradantrieb sind serienmäßig. In Zukunft will Kia die Motorenpalette auch um einen Plug-in-Hybrid erweitern. Eine vollelektrische Variante ist auf der neuen Plattform zwar umsetzbar, aktuell aber nicht in Planung. Schon eher denkbar ist ein potenzieller BMW M3-Gegner.

Technische Daten: Bis zu 370 PS im Stinger

Kia Stinger 2.2 CRDiMotor: 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit Turbolader ● Hubraum: 2199 ccm ● Leistung: 147 kW (200 PS) bei 3800 U/min ● max. Drehmoment: 440 Nm bei 1750 bis 2750 U/min ● Beschleunigung: 0-100 km/h in 8,5 s

Kia Stinger 2.0 T-GDI ● Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Turbolader ● Hubraum: 1998 ccm ● Leistung: 188 kW (255 PS) bei 6200 U/min ● max. Drehmoment: 353 Nm bei 1400 bis 4000 U/min ● Preis: ab 43.990 Euro

Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 ● Motor: 3,3-Liter-V6-Benziner mit Twin-Turbolader ● Hubraum: 3342 ccm ● Leistung: 276 kW (370 PS) bei 600 U/min ● max. Drehmoment: 510 Nm bei 1300 bis 4500 U/min ● Beschleunigung: 0-100 km/h in 4,9 s 

Autoren: Peter R. Fischer, Katharina Berndt