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Kia Picanto/Mitsubishi Space Star/VW Up: Test Dieser Kia ist ein kleiner König

— 04.07.2017

Dieser Kia ist ein kleiner König

Der Kia Picanto muss im Dreier-Vergleich gegen Mitsubishi Space Star und VW Up ran. Und will die Krone aus dem letzten Test verteidigen.

Kia kommt. Und zwar gewaltig. Zuletzt vernaschte der Picanto bei uns den Seat Mii jetzt warten mit VW Up und Mitsubishi Space Star neue Gegner. Spannend auch wegen der unterschiedlichen Motoren: Dreizylinder-Turbo im VW, Dreizylinder-Sauger im Mitsubishi, Vierzylinder-Sauger im Kia.

Bei der Optik liegt der Picanto vorne

Video: Kia Picanto (Genf 2017)

Mehr Power für den Picanto

Beim neuen Picanto hat Kia die Außenmaße fast unverändert gelassen, der Radstand wuchs aber um 1,5 Zentimeter auf 2,40 Meter. Kia kann ja Design, und der Picanto macht keine Ausnahme, wirkt freundlich, unangestrengt und modern. Besondere Mühe gegeben haben sich die Formgestalter offenbar beim Cockpit, das sich wirklich sehen lassen kann. Bedienen lässt es sich auch prima. Wie bei VW und Mitsubishi ist das Lenkrad allerdings nur höhenverstellbar, nicht längs. Der Kia ist mit 1,60 Meter Breite schmaler geschnitten als Up (1,64 m) und Space Star (1,67 m), beim Raumangebot lässt sich davon wenig spüren. Vorn gibt es bei allen ordentlich Platz, nur der VW baut etwas luftiger. Im Fond ist dagegen der Picanto der Größte. Wobei man, genau wie bei VW und Mitsubishi, keine Wunder erwarten sollte.

Für seine Größe ist der Up erstaunlich geräumig

Vorteil Kastenform: Auf seinen 3,6 Metern Länge macht der VW Up ein ganz ordentliches Platzangebot.

Wir reden hier über Kleinstwagen. Für Erwachsene wird es in der zweiten Reihe schon ganz schön eng, die müssen den Kopf einziehen und die Knie irgendwie sortieren. Nächster Pluspunkt für den Kia: der Kofferraum. Der schluckt jetzt mit 255 Litern 55 mehr als der Vorgänger. Da kommt auch der VW nicht ganz ran, bei dem passen 251 Liter in das Gepäckabteil. Der Up profitiert von seiner typischen Kastenform, die für ein erstaunlich geräumiges Platzangebot sorgt – vorn noch etwas größer als im Kia, hinten einen Hauch knapper. Dazu gibt es ein wunderbar luftiges Raumgefühl. Das betont fröhliche Design wird durch farbenfrohe Polster noch betont, und auch das nackte Blech hier und dort stört uns überhaupt nicht. Wohl aber die unverkleidete Ladekante am Kofferraum – da sind Kratzer vorhersehbar.

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Mitsubishi Space Star – war da nicht mal was? Es war. Von 1998 bis 2005 bauten die Japaner schon mal ein Auto mit diesem Namen. Damals war es ein schlauer kleiner Van. Der aktuelle Space Star ist jetzt ein in Thailand gefertigter Mini. Wobei, mit 3,80 Meter Länge baut er immerhin 20 Zentimeter länger als Kia und VW. Was sich aber weder im Platzangebot noch beim Kofferraum entscheidend niederschlägt.

Im Space Star geht es am engsten zu

Von wegen Nomen est Omen: Der Mitsubishi Space Star ist ist in Sachen Raum hier nur Nebendarsteller.

Der Space Star bietet insgesamt am wenigsten Platz, vorn und hinten fällt besonders die vergleichsweise knappe Innenhöhe auf, es gibt nicht viel Luft über dem Scheitel. Und das Gepäckabteil schluckt mit 209 Litern zwei Sporttaschen weniger als VW (251 Liter) und Kia (255 Liter). Angetrieben wird der Mitsubishi von einem 1,2-Liter-Dreizylinder mit 80 PS. Ein munteres Kerlchen mit typisch kernig-heiserem Dreizylinderklang. Dabei gibt er sich alles andere als leise, aber drehfreudig und lebhaft. Größeren Fahrspaß verhindern leider eine indirekte, teigige Lenkung und eine unausgewogene Abstimmung: Mit dem schwammig weich ausgelegten Fahrwerk fährt sich der Space Star bei Weitem nicht so handlich wie VW oder Kia, untersteuert stur.

Beim Antrieb setzt Kia auf klassischen Maschinenbau

Vier Zylinder, keine Aufladung: Der Motor des Kia holt aus 1,25 Litern 84 PS und 122 Nm Drehmoment.

Im Picanto hat Kia den bekannten 1,25-Liter-Vierzylinder mit 84 PS verbaut. Traditioneller Maschinenbau ohne Direkteinspritzung und Turbo. Und so fährt er sich denn auch, ein bisschen alte Schule. Mit verhaltenem Antritt und dann etwas mehr Schwung bei höheren Drehzahlen. Das wirkt im Vergleich mit den lebhafteren Mitsubishi und VW etwas matt, wir könnten aber auch sagen: brav und unaufgeregt. Und wer vielleicht etwas mehr Fahrspaß möchte, braucht sich nur bis zum Ende des Jahres gedulden, dann kommt der zum Beispiel aus dem Rio bekannte 1,0-Liter-Turbo. Genau so etwas – einen Dreizylinder-Turbo-Direkteinspritzer – hat der VW unter der Haube. Und dieser Motor ist im Vergleich das beste Pferd im Stall. Der 90-PS-TSI dreht leicht und locker, klingt angenehm heiser, bleibt dabei stets leise. Dank des fülligeren Drehmoments (160 Nm bei 1500 Touren, Kia 122 Nm und Mitsubishi 106 Nm, jeweils bei 4000 Umdrehungen) lässt er sich bei Bedarf auch äußerst gelassen bewegen. Einfach im hohen Gang durch den Verkehr surfen.

Weitere Details zu den drei Kleinstwagen finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fahrzeugdaten Kia Mitsubishi VW
Modell Picanto 1.2 Space Star 1.2 Up 1.0 TSI BMT
Motor Vierzylinder Dreizylinder Dreizylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette Zahnriemen
Hubraum 1248 cm³ 1193 cm³ 999 cm³
kW (PS) bei 1/min 62 (84)/6000 59 (80)/6000 66 (90)/5000
Nm bei 1/min 122/4000 106/4000 160/1500
Vmax 173 km/h 180 km/h 185 km/h
Getriebe Fünfgang manuell Fünfgang manuell Fünfgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Trommel Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung 185/55 R 15 H 175/55 R 15 V 195/40 R 17 V
Reifentyp Continental EcoContact 5 Yokohama BluEarth A34 Goodyear EfficientGrip
Radgröße 6 x 15″ 5 x 15″ 6,5 x 17″
Abgas CO2 104 g/km 100 g/km 101 g/km
Verbrauch* 5,8/3,7/4,5 l 5,1/3,9/4,3 l 5,5/3,8/4,4 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 7,9 l/100 km 7,8 l/100 km 7,6 l/100 km
Testrunde*** 5,5 l/100 km 5,2 l/100 km 5,2 l/100 km
Sparverbrauch**** 4,3 l/100 km 4,1 l/100 km 4,0 l/100 km
Tankinhalt 35 l/Super 35 l/Super 35 l/Super
Kältemittel R1234yf R1234yf R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 71 dB(A) 70 dB(A) 72 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr. 200/100 kg
Kofferraumvolumen 255–1010 l 209–881 l 251–959 l
Länge/Breite/Höhe 3595/1595–1880/1485 mm 3795/1665–1966/1505 mm 3600/1641–1910/1504 mm
Testwagenpreis 15.280 Euro 11.990 Euro 15.345 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Kia Mitsubishi VW
Beschleunigung
0–50 km/h 3,6 s 3,5 s 3,2 s
0–100 km/h 11,2 s 11,1 s 10,4 s
0–130 19,6 s 20,2 s 18,1 s
0–160 km/h 45,0 s 43,1 s 36,2 s
Elastizität
60–100 km/h (4./5. Gang) 13,1/18,7 s 12,6/17,3 s 9,9/15,2 s
80–120 km/h (5. Gang) 21,0 s 20,8 s 17,2 s
Leergewicht/Zuladung 987/413 kg 910/430 kg 1007/353 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 61/39 % 61/39 % 62/38 %
Wendekreis links/rechts 10,2/10,1 m 10,0/10,1 m 10,0/10,1 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,7 m 37,3 m 37,3 m
aus 100 km/h warm 36,5 m 37,4 m 35,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 61 dB(A) 62 dB(A) 61 dB(A)
bei 100 km/h 69 dB(A) 70 dB(A) 69 dB(A)
bei 130 km/h 72 dB(A) 75 dB(A) 73 dB(A)
Testverbrauch – CO2 5,5 l S – 131 g/km 5,2 l S – 124 g/km 5,2 l S – 124 g/km
Reichweite 635 km 670 km 670 km
Dirk Branke

Dirk Branke

Fazit

Der neue Picanto gewinnt auch diesen Vergleich. Er steht für ein schlüssiges Konzept mit verbesserten Fahreigenschaften, ordentlich Platz auf kleinem Raum, sauberer Verarbeitung und Multimedia auf dem Stand der Technik. Der schon seit sechs Jahren gebaute VW Up ist immer noch gut in Form, hat den besten Antrieb. Und der Mitsubishi verblüfft mit einem günstigen Preis und kompletter Ausstattung.

Autoren: Berend Sanders, Dirk Branke