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Kaufprämie für Elektroautos: Infos und Antragsformular E-Autos profitieren von Diesel-Skepsis

— 04.08.2017

E-Autos profitieren von Diesel-Skepsis

Die Kaufprämie für Elektroautos und Hybride ist noch immer kein Renner, doch der Zuspruch wächst. Bei den Modellen gibt es eine Überraschung. Alle Infos zum Umweltbonus!




‘Welchen Antrieb hat Ihr nächstes Auto?’

(dpa/cj/cr) Die wachsende Skepsis gegenüber dem Diesel lässt das Interesse an Elektromobilität steigen. Während im Juli 2017 die Zulassungszahlen für Selbstzünder laut Kraftfahrt Bundesamt (KBA) um 12,7 Prozent zurückgingen, legten die alternativen Antriebe im Vergleich zum Vorjahresmonat um 103,7 Prozent zu. Die Tendenz zeigt sich auch – wenn auch in überschaubarem Rahmen – beim Umweltbonus für den Kauf von E-Autos und Hybriden. Laut Bilanz des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) wurden im Juli 2017 genau 3565 Anträge für die Elektro-Kaufprämie gestellt. In den ersten zwölf Monaten seit Einführung des Kaufzuschusses waren es im Schnitt nur jeweils knapp 2000. Insgesamt wuchs die Zahl auf 26.589. Davon waren rund 15.853 Anträge für reine Elektroautos, 11.002 für Plug-in-Hybride und vier für Fahrzeuge mit Brennstoffzellen. 11.327 Anträge entfielen auf Privatpersonen, 14.773 auf Unternehmen.

Post-Mobil fährt in die Top Ten der Modelle

Der Deutsche Post DHL Streetscooter preschte vor auf Platz neun der beliebtesten Modelle.

In der Top Ten der gefragtesten Modelle bei der Elektroauto-Prämie liegt der Renault Zoe mit 3960 Anträgen weiter in Führung. Hinter dem Kleinwagen gab es jedoch einen Wechsel: Der Audi A3 Sportback e-tron (Plug-in-Hybrid) löste auf Platz zwei mit 3373 Anträgen haarscharf den Stromer BMW i3 (3370) ab. Erstmals in Top Ten ist der Elektro-Transporter Streetscooter Work der Deutschen Post (768 Anträge) gefahren. In der Hersteller-Rangliste insgesamt führt weiter BMW (6441 Anträge) vor Renault (4134 Anträge) und Audi (3373 Anträge). Die Förderung gibt es seit Juli 2016, sie gilt rückwirkend für Fahrzeuge, die seit dem 18. Mai 2016 gekauft wurden.

Dauer der Steuerbefreiung verdoppelt

Neue Erleichterungen bei der Kfz-Steuer sollen den Verkauf von Elektroautos hierzulande ebenfalls voranbringen. Der Bundestag verlängerte rückwirkend zum 1. Januar 2016 die Steuerbefreiung für Kunden von fünf auf zehn Jahre. Diese Regelung gilt für neue wie auch für umgerüstete E-Fahrzeuge. Außerdem sollen Unternehmen laut Bundestagsbeschluss durch Steuererleichterungen angeregt werden, ihre Ladeinfrastruktur für Mitarbeiter zu verbessern. Die Steuervorteile sind Teil eines  Maßnahmenpakets der Bundesregierung, zu dem neben der Kaufprämie auch ein geplanter Aufbau von 15.000 neuen Strom-Ladestellen im Finanzvolumen von 300 Millionen Euro gehört. AUTO BILD beantwortet alle wichtigen Fragen zur Kaufprämie:

Was sind die wichtigsten Fakten?

Die 4000 Euro gibt es, wenn man sich für ein reines E-Auto entscheidet. Wer ein Hybridfahrzeug (Elektro- und Verbrennungsmotor) kauft, der erhält eine als “Umweltbonus” umschriebene Prämie von 3000 Euro. Die Kosten des Förderprogramms von 1,2 Milliarden Euro, das der E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen soll, teilen sich Bund und Autohersteller je zur Hälfte. Die Bundesregierung erhoffte sich zum Start, dass der Kauf von “mindestens 300.000 Fahrzeugen” angeschoben werde, die Prämie reicht für 300.000 bis 400.000 Fahrzeuge.

Wo wird die Kaufprämie beantragt?

Wie schon die Abwrackprämie für Altautos 2009 verwaltet das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Auszahlung der Prämie.

Wer darf einen Antrag stellen?

Antragsberechtigt sind Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine, auf die ein Neufahrzeug zugelassen wird. Die Zulassung muss nach dem 18. Mai 2016 erfolgt sein.

Wird der Kauf aller Elektroautos gefördert?

Nicht nach den Plänen der Regierung. Danach sind Prämien nur für Modelle mit einem Listenpreis von maximal 60.000 Euro fürs Basismodell möglich. Eine Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge gibt es hier, sie wird bei Bedarf erweitert.

Wie kommt man als Autokäufer an die Prämie?

Anträge für die Prämien können online beim BAFA gestellt werden. “Schnell, voll elektronisch und sicher” soll die Abwicklung laut BAFA-Chef Arnold Wallraff gehen. Ein schriftliches Verfahren wie bei der Abwrackprämie gibt es nicht.

Welche Unterlagen sind nötig? 

Video: Kommentar Kaufprämie für E-Autos (2016)

Mutloser Schritt zur Förderung

Wer die Prämie bekommen will, muss eine Rechnungskopie vom Autohändler sowie den Zulassungsnachweis auf den Antragsteller (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief) vorlegen. Dafür hat man einen Monat Zeit nach Eingang des Antrags beim BAFA. Achtung: Um die 2000 Euro Bonus vom Staat für einen reinen Stromer oder 1500 Euro für einen Hybrid-Wagen zu bekommen, muss auf der Rechnung vom Autohändler stehen, dass der Hersteller eine Prämie in selber Höhe vom Netto-Kaufpreis bereits abgezogen hat. Die Dokumente können beim Antrag als Kopie hochgeladen werden.

Wie lange wird die Bearbeitung eines Antrags dauern?

Nach Angaben Wallraffs soll die Bearbeitung schneller gehen als die “vier bis fünf Wochen”, die damals bei der Abwrackprämie durchschnittlich vom Antrag bis zur Auszahlung vergingen. Dafür wurden 20 bis 30 neue Mitarbeiter befristet eingestellt. Die Personalkosten werden aber nicht vom Prämienvolumen von 600 Millionen Euro auf staatlicher Seite abgezogen.

Gebrauchtwagensuche: Hybridfahrzeuge

Wie lange läuft das Programm?

Die Förderung hat eine befristete Laufzeit bis maximal 30. Juni 2019. Es gilt: Wer zuerst kommt, kassiert zuerst. Sind die geplanten 1,2 Milliarden Euro abgerufen, ist das Programm vorbei. Vermutlich reicht das Geld für 300.000 bis 400.000 E-Autos und Hybride.

Welche Hersteller beteiligen sich?

Die deutschen Autobauer wie Volkswagen, Daimler und BMW sind dabei, aber auch viele ausländische Hersteller. So beteiligen sich nach Angaben ihres Branchenverbandes VDIK Citroen, Hyundai, Kia, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Renault, Toyota und Volvo. Einzelne Anbieter wollen sogar auf die Prämien noch einen Zuschlag drauflegen, um E-Auto-Kunden anzulocken.

Woher kommt das Fördergeld?

Finanziert wird der Stromer-Anschub über den Energie- und Klimafonds. Das ist ein Sondertopf beim Bundesfinanzministerium, der im Zusammenhang mit der Energiewende eingerichtet worden war. 

Für wen lohnt sich ein Elektroauto?

Stromer sind vor allem eine Alternative für Autofahrer, die relativ viel Kurzstrecke fahren und über eine Lademöglichkeit verfügen – idealerweise eine eigene Garage mit Wallbox oder zumindest eine Ladestation um die Ecke. Und: Sie sollten Idealisten sein, denn auch mit Prämie sind Elektroautos meist teurer als vergleichbare konventionell angetriebene Modelle. Und auch wenn eine Auswertung der Management-Consultants Horváth&Partner besagt, dass die Energiekosten je Kilometer bei einem Verbrenner trotz niedriger Ölpreise um den Faktor 2,4 höher sind als bei einem reinen E-Auto, muss man wirklich viel fahren, um das wieder reinzuholen: Selbst mit 4000 Euro Höchstprämie bleibe ein Großteil der E-Modelle bei den Kosten pro Kilometer deutlich teurer als Benziner oder Diesel, heißt es skeptisch beim ADAC. Sollten die Spritpreise dagegen deutlich anziehen, ist es denkbar, dass sich der höhere Anschaffungspreis im Laufe eines Autolebens amortisiert.

Neben dem vermutlich steigenden Ölpreis gibt es aber noch einen weiteren Aspekt, der E-Autos in naher Zukunft finanziell attraktiver machen dürfte: Laut einer Studie von deutschen Ingenieuren der Beratungsfirma P3 Automotive aus 2015 wird der Preis für die Auto-Akkus in Zukunft drastisch zurückgehen und sich bis 2020 sogar mehr als halbieren. Demzufolge sollen rein batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge im Jahr 2018 ohne Rabatte oder sonstige Kaufanreize im Preis zwar noch über einem vergleichbaren Auto mit Benzinmotor liegen, die niedrigeren Kraftstoff- und Wartungskosten würden dies jedoch ausgleichen – mit Prämie wären die E-Autos ab 2018 sogar günstiger als Diesel und Benziner! Und dann, bei einer bis dahin verbesserten Lade-Infrastruktur, auch durchaus eine attraktive Alternative.

Warum hilft der Staat den Autokonzernen?

Die Autoindustrie ist eine deutsche Schlüsselbranche mit 800.000 Arbeitsplätzen und 370 Milliarden Euro Jahresumsatz. Daher unterstützt der Staat die Autobauer, damit sie den Anschluss an Zukunftstechnologien wie E-Mobilität oder autonomes Fahren verpassen.

AUTO BILD zeigt, wie viel E-Autos und Hybride abzüglich einer Kaufprämie kosten würden (Stand April 2017).

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Die Bundesregierung hat eine staatliche Förderung von Elektroautos auf den Weg gebracht. Endlich. Doch so löblich die Einigung auch ist, zeigt sie, wie orientierungs- und mutlos die Regierung agiert. Denn was wohl nicht besprochen wird, ist der gleichzeitig notwendige Abbau der Dieselsubventionen. Es ist unsinnig gleichzeitig beides zu fördern – das ist so, als wolle man gleichzeitig nach rechts und links abbiegen. Die Diskussion über die blaue Umweltplakette hat doch gezeigt: Der Diesel in seiner jetzigen Form hat seine besten Tage hinter sich. Um ihn nicht nur auf dem Prüfstand sauber zu bekommen, ist eine teure und aufwendige Abgasnachbehandlung notwendig. Für die meisten Dieselkäufer dürfte der Selbstzünder so zu teuer werden – und damit unattraktiv.

USA zeigen, wie es geht

Ein Blick in die USA könnte Minister Dobrindt zeigen, wie man so etwas richtig macht. Denn die Amerikaner fördern Elektroautos in starkem Umfang, in Kalifornien ist gefühlt jedes zweite Fahrzeug ein Tesla. Aber die Amis haben auch verstanden, das es richtig cool ist, zumindest lokal emissionsfrei unterwegs zu sein. Ein Tesla ist längst ein Statussymbol, eine Marke, die einen Hype auslöst wie Apple zu seinen besten Zeiten.

Dieselsubvention schrittweise herunterfahren

Größter Bremser für die E-Auto-Kaufprämie war Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Aber warum? Eigentlich ist es doch ganz einfach: Die Dieselsubventionen werden schrittweise runtergefahren und im gleichen Maß Elektroautos und sparsame Plug-In-Hybride für die Langstreckenfahrer gefördert. Das dürfte für den Bundeshaushalt kostenneutral sein – und die Nation zum Kauf von Elektroautos bewegen.

Orientierungs- und visionslos

So wie die Förderung beschlossen wurde, ist sie nur ein erster Schritt. Doch die Regierung hat gezeigt, dass sie orientierungslos agiert – und keine Vision hat für die sich immer rasanter verändernde Mobilität von morgen. Es fehlt der große Wurf. Und so läuft die deutsche Autoindustrie Gefahr, den Anschluss an die Tesla, Apple und Google dieser Welt zu verlieren.