/Jugendangebot “funk” wird ein Jahr – “Wir haben eine Riesenfreiheit”

Jugendangebot “funk” wird ein Jahr – “Wir haben eine Riesenfreiheit”

Das Angebot hat so viele Freiheiten, dass es nicht nur das Format “Fickt euch!”, sondern auch “Auf Klo” gibt. Fickt euch beschäftigt sich mit Fragen zur Sexualität, Auf Klo soll Themen aufgreifen, die Mädels auf ihren gemeinsamen Toilettengängen besprechen.

(Bild: funk)

Zum ersten Geburtstag legt “funk”, das Jugendangebot von ARD und ZDF, Zahlen vor. Zum Start gab es auch skeptische Stimmen. Die Macher ziehen Bilanz und sagen, was sie vorhaben.

Mit Fernsehen hat das, was Florian Hager und Sophie Burkhardt machen, kaum noch etwas zu tun: Sie sind das Programmgeschäftsführer-Duo des ARD/ZDF-Jugendangebots “funk”, das sich an 14- bis 29-Jährige im Internet richtet. funk feiert am 1. Oktober ersten Geburtstag. Es ist ein Projekt, das auch von Skepsis begleitet wurde. Die Zahlen zeigen, dass der Funke offensichtlich überspringt: Fast 350 Millionen Aufrufe gab es zwischen 1. Oktober 2016 und 31. August 2017 für die verschiedenen Formate – das Ergebnis der Halbjahresbilanz wurde damit mehr als verdoppelt.

“Wir sind mit 40 Formaten gestartet, jetzt haben wir über 60”, sagt Florian Hager. “Die Leute haben mitgekriegt, dass wir keine Katzenvideos machen.” Das Jugendangebot hat sich in diesem Jahr Respekt erworben: Die Mysteryserie “Wishlist” wurde mit dem Grimme-Preis und dem Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises ausgezeichnet, das Satireformat “Datteltäter” bekam den Grimme Online Award und die Teams von “Kliemannsland” und “Y-Kollektiv” erhielten den Webvideopreis.


"Wir haben eine Riesenfreiheit": Jugendangebot "funk" wird ein Jahr

Die Namen mancher Formate sind tatsächlich recht abwechslungsreich…

(Bild: funk
)

Für SWR-Intendant Peter Boudgoust zeigt funk, “dass die Öffentlich-Rechtlichen sehr wohl im Leben von jungen Menschen relevant sind”. Nach Ansicht von ZDF-Intendant Thomas Bellut hat funk mit innovativen Ansätzen und dem Mut, Neues auszuprobieren, einen erfreulichen Weg eingeschlagen. “Das Content-Netzwerk hat jungen Menschen einen neuen Zugang zu öffentlich-rechtlichen Inhalten verschafft.”

Hager sagt über den Erfolg: “Das ist schön, aber darauf können wir uns nicht ausruhen.” Seine Stellvertreterin Sophie Burkhardt betont: “Wir sind weiter gekommen, als wir gedacht hatten. Wir sind aber noch nicht an dem Punkt, dass wir sagen, wir haben es geschafft.” Auch Info-Formate hätten viel Aufmerksamkeit erzielt – das hat sie überrascht.

funk bietet bei YouTube, Facebook, Instagram und Snapchat Unterhaltung sowie Information und Orientierung. 45 Millionen Euro stehen im Jahr zur Verfügung. Es gibt eine App und verschiedene Kanäle. Bekannte Gesichter der Webvideo-Szene wie Rayk Anders machen ebenso mit wie Newcomer, die gefördert werden. Größte Zugpferde sind zum Beispiel bei Facebook die Satire-Seite “Bohemian Browser Ballett” mit über 24 Millionen Abrufen und bei YouTube ein Video aus dem Kanal “Offen un’ ehrlich” mit über drei Millionen Abrufen. Der Wortschatz ist schon mal freizügig: So heißt ein Kanal “Fickt Euch!”


funk

(Bild: funk
)

Gemacht wird funk in Mainz in Zusammenarbeit mit den jungen ARD-Radiowellen und dem ZDF. Im 22. Stock eines Mainzer Hochhauses wird schon für das zweite Jahr geplant: Die Mysteryserie “Wishlist” soll eine zweite Staffel bekommen. Ganz neu soll die deutsche Version der norwegischen Serie “Skam” über das Leben an einer Schule sein.

Geplant ist, Darsteller und Themen in deutschen Schulen zu suchen. Der Auftrag ist klar: 14- bis 29-Jährige in großer Zahl mit öffentlich-rechtlichen Inhalten zu erreichen. Zugleich ist es eine Art Labor für ARD und ZDF. Die Macher sind im engen Austausch mit den Rundfunkanstalten. “Wir haben eine Riesenfreiheit bei der Entwicklung von Formaten”, sagt Hager. Burkhardt betont: “Wir haben Möglichkeiten, die ARD und ZDF sonst nicht haben.” Manche Formate werden auch eingestellt – etwa, wenn ein Liveshow-Konzept bei Facebook doch das Richtige war oder in einem Fall jemand nicht darauf verzichten wollte, ein bestimmtes Produkt vor Kameras zu zeigen.

Ist funk das Fernsehen der Zukunft? “Wir sind nicht angetreten, um das Fernsehen abzuschaffen”, betont Hager. “Ich persönlich würde dafür plädieren, dass der Fernsehbegriff erweitert wird. Ihn auf die klassische Verbindung zwischen Inhalt, Verbreitungsweg und einem spezifischen Endgerät zu reduzieren, halte ich für nicht mehr zeitgemäß.”


(kbe)