/Internetsucht: Chinesischer Teenager stirbt in Bootcamp

Internetsucht: Chinesischer Teenager stirbt in Bootcamp

Internetsucht: Chinesischer Teenager stirbt in Bootcamp


Olivia von Westernhagen

Ratlose Eltern schickten ihren Sohn in ein Bootcamp im chinesischen Fuyang, um seine Internetabhängigkeit zu kurieren. Dort starb er – vermutlich an Misshandlungen, die laut Kritikern zum normalen Erziehungs-Repertoire solcher Einrichtungen zählen.

In Fuyang in der chinesischen Provinz Anhui ist ein Teenager in einem Bootcamp für internetsüchtige Jugendliche gestorben. Wie die BBC berichtet, verstarb er bereits zwei Tage nach seiner Ankunft – die genaue Ursache ist bislang unklar. Allerdings hätten Ärzte insgesamt 20 äußerliche sowie mehrere innere Verletzungen festgestellt. Auch die Mutter des 18-Jährigen, die ihren Sohn im Leichenschauhaus sah, berichtete von Narben, die seinen gesamten Körper bedeckten.

Laut BBC befinden sich der Leiter des Bootcamps sowie vier Mitarbeiter in Polizeigewahrsam. Die zuständigen Behörden haben Ermittlungen eingeleitet und das Zentrum bis auf Weiteres geschlossen.

Bootcamps wie das in Fuyang erfreuen sich dem Bericht zufolge bei Eltern internet- und gamingsüchtiger Jugendlicher wachsender Beliebtheit. Sie werben mit einer Kombination aus psychologischer Beratung und körperlichem Training. Tatsächlich geraten sie aber wegen militärischem Drill, körperlichen Misshandlungen und Elektroschock-Therapie des Öfteren in die Schlagzeilen.

Kritik an Betreibern, aber auch an Eltern

Der aktuelle Fall hat demnach die – in der Vergangenheit immer wieder aufflammende – Kritik an den “Erziehungsmethoden” in den Bootcamps neu entfacht. Chinesische Journalisten forderten eine strengere Regulierung und Kontrolle der Einrichtungen. Sie beklagen aber auch, dass viele Eltern die Verantwortung für ihre Kinder auf der Suche nach einfachen Lösungen allzu leichtfertig abgeben.

Der chinesische Staatsrat hat Anfang dieses Jahres einen neuen Verordnungsentwurf vorgelegt, berichtete die Global Times. Sollte dieser tatsächlich in Kraft treten, so würde zumindest die Elektroschock-Therapie als legale Behandlungsmethode gegen Internetsucht der Vergangenheit angehören.


(ovw)