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Internet Archive in Indien blockiert: Filmstudios erwirkten Sperre

Internet Archive in Indien blockiert: Filmstudios erwirkten Sperre


Martin Holland

Ein Gericht steckt hinter der Sperrung des Internet Archive in Indien: Die URL der Seite stand in einer Liste von Anbietern, die Piraterie von zwei Filmen ermöglichen könnten. Statt die Macher zu kontaktieren, wurde die Seite einfach komplett gesperrt.

Das Internet Archive wurde in Indien gesperrt, weil darüber zwei Bollywood-Filme verfügbar gemacht werden könnten. Das haben die Macher der Seite inzwischen mitgeteilt und damit auch öffentlich gemacht, dass hinter der Sperrung eine gerichtliche Verfügung steht, die mehrere tausend Seiten blockieren lässt. Verantwortlich sind dem Nachrichtenportal Medianama zufolge die Filmstudios Red Chillies Entertainment und Prakash Jha Productions. Die hätten insgesamt 2650 URLs vorgelegt, die von dem Madras High Court temporär blockiert wurden, um gegen eine illegale Verbreitung der Filme “Jab Harry Met Sejal” und “Lipstick Under My Burkha” vorzugehen.

Beim Internet Archive weiß man offenbar auch noch nicht mehr, als aus den gerichtlichen Verfügungen hervorgeht. So weisen die Macher darauf hin, dass es ein Standardvorgehen gebe, um beanstandete Inhalte aus der Wayback Machine zu löschen. Dort werden verschiedene Internetseiten mehr oder weniger regelmäßig archiviert, was durchaus auch für illegal dort vorgehaltene Inhalte gelten kann. Red Chillies Entertainments etwa habe vergangenes Jahr mehrmals auf solche Fälle hingewiesen und alle derartigen Anträge seien zügig beantwortet und bearbeitet worden, so Chris Butler für das Internet Archive. Deswegen sei es umso fragwürdiger, dass nun einfach die komplette Seite archive.org gesperrt werden sollte und das Gericht dem folgte.

Tendenz zu weitreichenderen Sperrungen

Aus den gerichtlichen Verfügungen geht laut Medianama auch hervor, dass beide Sperrverfügungen nur temporär gewesen und jeweils schon wieder ausgelaufen seien. Die Seite weist außerdem daraufhin, dass die gerichtlichen Entscheidungen einen Richtungswechsel andeuteten. Sie richte sich auch gegen Provider und Diensteanbieter, die bislang erst gegen Urheberrechtsverletzungen durch ihre Nutzer tätig erden mussten, wenn sie darauf aufmerksam gemacht wurden. Das Internet Archive etwa stand nur in der Liste jener Anbieter, die möglicherweise Urheberrechtsverletzungen der beiden Filme ermöglichen könnten, wurde aber trotzdem komplett gesperrt.


(mho)