/Intel bringt 18-Kerner Core i9-7980XE

Intel bringt 18-Kerner Core i9-7980XE

Intel bringt 18-Kerner Core i9-7980XE


Christof Windeck


Intel Core i9-7980XE und Core i9-7960X

Wie im Juni versprochen, bringt Intel nun den ersten Desktop-PC-Prozessor mit 18 Kernen auf den Markt, der auch die Leistungsspitze erobert.

Solche Leistungssprünge gab es bei Prozessoren schon lange nicht mehr: Mit 3141 Punkten im Rendering-Benchmark Cinebench R15 übertrifft der Core i9-7980XE mit 18 Kernen seinen 10-kernigen Vorgänger Core i7-6950X um rund 80 Prozent. Letzteren hatte Intel erst Mitte 2016 vorgestellt. Auch wenn Intel den Einfluss von AMD Ryzen 7 und Ryzen Threadripper kleinredet: Die plötzliche Performance-Explosion bei Intel ist sicherlich der neuen Konkurrenz geschuldet.

Im Cinebench R15 kommt Intels 2000-Euro-Bolide nur knapp am halb so teuren AMD Ryzen Threadripper 1950X mit 16 Kernen vorbei (3004 Punkte), der Vorsprung beträgt lediglich 5 Prozent. In Blender rendert der 18-Kerner immerhin um 10 Prozent flinker. Doch sein wahres Potenzial entfaltet der Intel Core i9-7980XE erst mit seinen AVX512-Erweiterungen: Mit hoch optimiertem Code im Linpack ist er um den Faktor 2,7 schneller und erreicht 1,3 TFlops in Dual Precision.

Schnell mit AVX512

Zu Intels Leidwesen ist AVX512-Code abseits von Benchmarks und Supercomputern aber noch sehr selten. Mit real existierender Desktop-PC-Software ist der Vorsprung des 18-kernigen Skylake-X-Prozessors gegenüber der weitaus günstigeren Konkurrenz also meistens gering. Der ebenfalls vorgestellte 16-Kerner Intel Core i9-7960X für rund 1700 Euro wiederum kommt nicht in allen Benchmarks am Threadripper vorbei: In Blender ist er 7 Prozent schneller, im Cinebench R15 minimal langsamer.

Sowohl Skylake-X als auch der Herausforderer AMD Ryzen Threadripper 1950X sind nur für Software attraktiv, die viele Kerne voll auslastet. Für Gaming-Rechner sind sie die falsche Wahl, hier steckt man das Geld besser in die Grafikkarte.

Prozessorfamilie Intel Core X für LGA2066-Mainboards
Prozessor Kerne / Threads Takt nom. / max. Turbo TDP Typ PCIe 3.0 / DDR4 Preis
Core i9-7980XE 18 / 36 2,6 / 4,4 GHz 165 W SKL-X 44 / 4 1999 US-$
Core i9-7960X 16 / 32 2,8 / 4,4 GHz 165 W SKL-X 44 / 4 1699 US-$
Core i9-7940X 14 / 28 3,1 / 4,4 GHz 165 W SKL-X 44 / 4 1399 US-$
Core i9-7920X 12 / 24 2,9 / 4,4 GHz 140 W SKL-X 44 / 4 1199 US-$
Core i9-7900X 10 / 20 3,3 / 4,5 GHz 140 W SKL-X 44 / 4 999 US-$
Core i7-7820X 8 / 16 3,6 / 4,5 GHz 140 W SKL-X 28 / 4 599 US-$
Core i7-7800X 6 / 12 3,5 / 4,0 GHz 140 W SKL-X 28 / 4 389 US-$
Core i7-7740X 4 / 8 4,3 / 4,5 GHz 112 W KBL-X 16 / 2 339 US-$
Core i5-7640X 4 / 4 4,0 / 4,2 GHz 112 W KBL-X 16 / 2 242 US-$
SKL-X: Skylake-X mit AVX512 wie Xeon Skylake-SP, KBL-X: Kaby Lake-X, ähnlich LGA1151-CPU

Benchmark-Schwankungen

Benchmark-Ergebnisse solcher Multi-Cores können erheblich schwanken, weil sie je nach Rechenlast und Kühlung mit unterschiedlichen Frequenzen takten, also ihre Multiplikatoren umschalten. Bei manchen Mainboards stellt das BIOS außerdem sogar in den Default-Einstellungen Werte ein, die den Prozessor übertakten, etwa zu hohe Turbo-Leistungslimits.



Lädt man beim Asus Prime X299-A das XMP-Profil der DDR4-2666-DIMMs, ändert das BIOS auch die Begrenzungen für "Turbo Boost Short Power" und das "Processor Current Limit" (rechtes Bild)

Lädt man beim Asus Prime X299-A das XMP-Profil der DDR4-2666-DIMMs, ändert das BIOS auch die Begrenzungen für “Turbo Boost Short Power” und das “Processor Current Limit” (rechtes Bild)

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Intel verspricht 3400 Cinebench-R15-Punkte für den i9-7980XE, die er aber nur erreicht, wenn man das “Extreme Memory Profile” (XMP) von DDR4-2666-Speichermodulen lädt. Das BIOS unseres Test-Mainboards Asus Prime X299-A ändert dann aber auch den Stromgrenzwert, wodurch der Prozessor letztlich jenseits der Spezifikation läuft und auch deutlich mehr Strom zieht.

Ohne Übertaktung ist ein System mit Core i9-7980XE unter Last etwas sparsamer als ein X399-Mainboard mit ebenfalls nicht übertaktetem Ryzen Threadripper 1950X (266 statt 276 Watt). Diese Leistungsaufnahme reicht auch für AVX512-Code: Beim Linpack-Numbercrunching ist der Core i-7980XE also wesentlich effizienter als der Threadripper, weil bei ähnlichem Stromdurst weitaus schneller.

Plattform LGA2066

Core i9-7980XE und Core i9-7960X gehören zur CPU-Familie Core X, die Intel auf der Computex angekündigt hat. Die Prozessoren stecken in Gehäusen für die Fassung LGA2066 auf Mainboards mit dem Chipsatz X299.

Mehr Testergebnisse zum Core i9-7980XE und Core i9-7960X erscheinen in c’t 21/2017; sie liegt ab Samstag am Kiosk liegt oder ist in heise select direkt im Browser lesbar.


(ciw)