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Initial Coin Offerings: China verbietet Investmentform mit Kryptogeldtokens

Initial Coin Offerings: China verbietet Investmentform mit Kryptogeldtokens


Torsten Kleinz

Eins der Rekord-ICOs der vergangenen Monate: das Blockchainprojekt Tezos.

Während immer mehr Anleger immer mehr Geld in die spekulativen Plattformen der Initial Coin Offerings stecken, zieht China den neuen Märkten den Stecker.

Dämpfer für den boomenden Markt der Schwarmfinanzierung auf Blockchain-Basis: Die chinesische Zentralbank hat am Montag die so genannten Initial Coin Offerings (ICOs) verboten, bei denen Unternehmen eigene Kryptogeld-Tokens schaffen und an die Öffentlichkeit verkaufen. Der Kurs von Bitcoin und Ethereum brach ein. Wurde ein Bitcoin am 1. September noch zum Gegenwert von fast 5000 Dollar gehandelt, sank er inzwischen zeitweise auf knapp über 4000 Dollar ab.

Auch alte ICOs für illegal erklärt

Nachdem die chinesischen Behörden Anleger bereits vor Monaten davor gewarnt hatten, dass die neue Anlageform illegal sein könnte, hat die Zentralbank nun ihre Untersuchungen abgeschlossen. Laut ihrer Mitteilung sind alle neuen Initial Coin Offerings ab sofort verboten. Mehr noch: Bereits abgeschlossene Verkäufe sollen rückgängig gemacht werden. Zudem wurde die Umwandlung der neuen Krypto-Tokens gegen herkömmliche Währungen verboten. Mehrere in China angesiedelte ICO-Plattformen haben ihren Betrieb inzwischen eingestellt.

Nach Medienberichten sehen die chinesischen Behörden in den ICOs zum einen eine erhebliche Gefahr für Investoren, und vergleichen die Anlageform mit einem Schneeballsystem, bei dem Anleger mit stark überhöhten Gewinnaussichten geködert werden. Zum anderen sehen sie den boomenden Markt als eine neue Methode der Geldwäsche. Auch die amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde SEC hatte Ende Juli davor gewarnt, dass auch bei ICOs die Gesetze zum Anlegerschutz beachtet werden müssten. Südkorea und Kanada haben ebenfalls Regulierungen in diesem Bereich angekündigt

Crowdfunding ohne Produkte

Ein ICO vereint Elemente eines Börsengangs mit dem eines Crowdfundings: Die Projektmacher geben Kryptowährungstokens aus, oft auf Basis der Plattform Ethereum und ihrem ERC20-Standard für Tokens. Diese verkaufen sie dann meist gegen anderes Kryptogeld an ihre Investoren. Der Erlöse aus dem Verkauf sollen dann in die Entwicklung eines Dienstes oder einer Geschäftsidee fließen; die Tokens dienen dabei entweder als Währung innerhalb des neuen Dienstes, Anteilschein mit Stimmrecht oder auch als schlichtes Spekulationsvehikel. Bislang ist die Investmentform gänzlich unreguliert, so dass die Macher eines ICOs dessen Bedingungen praktisch nach Gutdünken formulieren konnten.

Inzwischen fluten viele Unternehmen den Markt mit der neuen Anlageform: Nach Markterhebungen haben in diesem Jahr insgesamt 135 Unternehmen mit ICOs über 1,5 Milliarden Euro eingenommen, mehr als ein Fünftel davon in China. Der Boom zieht aber auch Abzocker und Kriminelle an: So wurden laut einer Schätzung von Chainalys bis August bereits umgerechnet 190 Millionen Euro von Kriminellen gestohlen.

Erste und zweite Chancen

Die Kryptotokens sind oft hoch spekulativ. So hatte es das Unternehmen Brave von Ex-Mozilla-Chef Brendan Eich zum Beispiel trotz großzügiger Startfinanzierung durch herkömmliche Investoren nicht geschafft, einen Werbemarkt zu etablieren, bei denen Nutzer für das Betrachten von dezenter Werbung bezahlt werden. Im Sommer startete das Unternehmen nun einen ICO – und nahm innerhalb von nur 30 Sekunden umgerechnet knapp 30 Millionen Euro ein.

Ob werbende Unternehmen tatsächlich in den Handel mit den “Basic Attention Tokens” einsteigen und der neuen Kryptowährung damit einen Gegenwert verleihen, steht allerdings in den Sternen. Dennoch ist der Hype enorm. Auch Promis wie Hotelerbin Paris Hilton und der Boxer Floyd Mayweather sind in ICOs involviert. Viele der ICO-Anbieter können noch kein existierendes Geschäft vorweisen, sondern beschreiben lediglich in so genannten Whitepapers ihre Unternehmenspläne, die sie insbesondere über soziale Medien verbreiten.


(axk)