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In Davos ist die Weltelite optimistisch

Die Reichen und Mächtigen schubsen, schieben und halten ihre teuren Handys, um ein Foto des Mannes zu machen, der gerade das Kongresszentrum in Davos, wo das Weltwirtschaftsforum stattfand, betreten hat: US-Präsident Donald Trump.

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Kurz zuvor beschwerten sie sich über verschärfte Sicherheitsvorkehrungen, endlose Staus auf den engen Straßen von Davos und die Sperrung einiger Bürgersteige. All dies wegen Donald Trump, grummelte viele Teilnehmer. Aber jetzt wollten sie ein Bild des Präsidenten.

“Man glaubt nicht, dass er es verdient, diese Aufmerksamkeit”, sagte eine Frau, die dennoch auf einen Schnappschuss hoffte. Ein anderer Teilnehmer fügte hinzu: “Meine Familie in Saudi-Arabien möchte unbedingt ein Foto.”

Ein Schwimmbad und Donald Trump

Endlich kommt der amerikanische Präsident. Ja, es ist wirklich er.

Sichtlich erfreut geht Donald Trump den Gang entlang, bleibt feierlich stehen, schüttelt Hände, chattet und verschwindet zusammen mit mehreren Ministern in einem der Hinterzimmer des Davoser Kongresszentrums.

Es ist schwer vorstellbar, dass unter normalen Umständen normalerweise ein öffentliches Schwimmbad hier ist; aber jetzt ist es gekonnt mit Brettern und einem weichen Teppich bedeckt.

Die Organisatoren des World Economic Forum hatten beschlossen, dem amerikanischen Präsidenten am letzten Tag der Veranstaltung einen Platz zu geben, um wichtigen Themen wie der Zukunft Europas, der Lage der Weltwirtschaft, der Fragilen Raum und Aufmerksamkeit zu geben politische Situation in der arabischen Welt oder Diskussionen über Afrika. Dennoch war Donald Trump bei den weltweiten “Twitter-Erwähnungen” vom Donnerstag zum Weltwirtschaftsforum bereits in Führung.

Seine Rede am Freitag war jedoch eine große Enttäuschung. Es war alles Plattitüden über die Größe Amerikas und hatte wenig Substanz . Offensichtlich hielt Donald Trump die Veranstaltung in Davos für eine wichtige Werbeveranstaltung. Fragen aus dem Publikum waren nicht erlaubt.

“Er ist sehr langweilig, wenn er sich selbst benimmt”, sagte ein Publikumsmitglied, das genau auf das Wesentliche einging. Aber als Trump eine Frage vom Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab beantwortete und erneut die Medien attackierte, gab es laute Buhrufe vom Publikum.

Schneechaos und logistische Herausforderungen

Mehr als 70 Staats- und Regierungschefs kamen dieses Jahr nach Davos. Nur rund 3.000 Teilnehmer wurden zugelassen. Für diese Veranstaltung können Sie sich nicht nur anmelden und eine Gebühr bezahlen. Um am World Economic Forum teilzunehmen, müssen Sie eingeladen werden.

World Economic Forum in Davos (picture-alliance/D.Keyton)

Das schneebedeckte Davos einen Tag vor Beginn des 48. Weltwirtschaftsforums

Es ist eine folgenschwere logistische Aufgabe, die Tausenden von Teilnehmern und ihren Mitarbeitern in dem kleinen Schweizer Dorf unterzubringen. Viele Teilnehmer mussten lange Fahrzeiten akzeptieren; es schneite so sehr, dass eine 20 Kilometer lange Fahrt vom benachbarten Klosters 7 Stunden dauern konnte. Busse und Züge wurden abgesagt. Teilnehmer, die in einem Berghotel übernachteten, blieben auf einer steilen Zahnradbahn stecken. Zusätzliche Hilfe musste geholt werden, um die Strecke frei zu machen.

Wer auf dem World Economic Forum nach Komfort sucht, ist am falschen Ort. Alles ist eng und teuer. Eine kleine Tomatensuppe kostet 28 Schweizer Franken (24 €, 30 $) und mehr. In den Hotels ist jeder verfügbare Platz vermietet. Sogar Badezimmer wurden in Besprechungsräume verwandelt; Diejenigen, die in der Lage waren, einen kleinen, staubigen Raum zu mieten, um ihn als Büro zu benutzen, hatten Glück. CEOs von Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen wurden gezwungen, auf winzigen Hockern in überfüllten, düsteren Hotellobbys zu sitzen, um E-Mails zu beantworten.

Nur B Da ist alles

“Nein, es macht keinen Spaß, aber wo sonst treffe ich in so kurzer Zeit so viele Geschäftspartner aus der ganzen Welt”, sagt ein CEO, der seit vielen Jahren nach Davos kommt. Er versteht schnell, was in der Welt vor sich geht, denn nicht nur Geschäftsleute und Politiker kommen zum Weltwirtschaftsforum. Die Konferenz lockt auch Vertreter von NGOs, Flüchtlingsorganisationen, Wissenschaftlern und Technologiepionieren.

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Die Stimmung bezüglich der Verfassung der Weltwirtschaft war überraschend gut. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, erwartet für die nächsten Jahre ein weltweites Wirtschaftswachstum. Eine große Finanzkrise ist nicht in Sicht, solange es keine größeren politischen Krisen gibt.

Aber da zu viel Optimismus auch nicht gut ist, warnte Lagarde auch davor, sich auf Lorbeeren auszuruhen. Beispielsweise werden Investitionen in die Digitalisierung benötigt; eine Forderung, die auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt wird.

Weiße Männer und neue Themen

Die Folgen des Klimawandels wurden auf vielen Podien in Davos diskutiert und als großes Risiko für die Weltwirtschaft eingestuft. In den ersten Tagen der Konferenz dominierte ein anderes Thema die Debatte: die sexuelle und wirtschaftliche Diskriminierung von Frauen und die aktuelle #MeToo-Debatte. Und zum ersten Mal in der Geschichte des World Economic Forums waren die Co-Vorsitzenden, die die großen Debatten anführten, alle Frauen – darunter die norwegische Premierministerin Erna Stolberg und Ginni Rometty, die CEO von IBM.

Diskussionen über ungleiche Bezahlung für Frauen oder sexuelle Diskriminierung waren gut besucht. Immerhin 21 Prozent der Konferenzteilnehmer waren weiblich, was nur zeigt, dass die Führungselite der Welt hauptsächlich männlich und weiß ist. Das nächste Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 wird kaum anders aussehen.