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Hackercamp SHA: weiter hacken, egal was passiert

Hackercamp SHA: weiter hacken, egal was passiert


Detlef Borchers

Im niederländischen Zeewolde startete am Freitagabend das fünftägige Hackercamp “Still Hacking Anyway”. Die Keynote zur Eröffnung lieferte PGP-Urahn Phil Zimmermann.

Rund 3700 Hacker, Häcksen und Freunde des gepflegten Bebrütens von Gesellschaftsfragen mit IT-Bezug sind in Zeewolde bei erfrischenden Temperaturen und recht stürmischen Böen zur Still Hacking Anyway zusammengekommen. Wie Elger Jonker von der Camp-Organisation erklärte, ist Hacken wichtig für den Fortschritt. “Was immer jetzt auch passiert, hackt weiter!” Mutlos oder gar eingeschüchtert die Hände von der Tastatur nehmen, das sei kein guter Hacker-Stil.

Das niederländische Camp wechselt sich turnusmäßig mit dem deutschen Chaos Camp ab und so entwickeln sich die Ideen weiter, wie Jonker erklärte. Aus der Kritik an den dieselschluckenden und laut brummenden Stromgeneratoren des Chaos Communication Camps 2015 entstand etwa die die Idee des Microgrid-Projektes AltPwr, natürlich mit 42 Volt. Ohnehin gibt es dort, wo sich Hacker treffen, immer mehr Transformatoren als Hacker.

Mit der Eröffnungs-Keynote von Philip Zimmermann zeigte man sich doppelt traditionsbewusst: das allererste Freiluftvergnügen dieser Art war 1993 das Hacking at the Universe in Lelystad auf derselben Insel, nur an der Westküste. Dann kam 1997 Hacking in Progress, HIP abgekürzt, mit einer bemerkenswerten Aktion. Damals wurde PGP aus einem “Buch” von 80 Hackern unter freien Himmeln abgetippt und damit vom US-amerikanischen Exportverbot befreit. Zimmermann, der zehn Jahre lang in der Schweiz lebte und dort Silent Circle mit entwickelte, nun aber begeisterter Freund der Niederlande ist, hielt eine kurze Rede und stellte sich alsdann den Fragen der Zuhörer, in denen er sein Anliegen näher erläuterte. So müsse es jetzt vor allem darum gehen, den in der EU existierenden Datenschutzbeauftragten den Rücken zu stärken.

Gesichtserkennung abwehren ist keine technische Frage

Auf die Frage, wie und mit welcher Software man sich gegen die nunmehr aufs Tapet gebrachte Gesichtserkennung wappnen soll, erklärte Zimmermann, dass dies keine technische Frage sei. “Klar kann man sich das Gesicht bemalen oder lustige Brillen nutzen oder Infrarot-LEDs, die die Kameras anblitzen. Doch eine Antwort muss von der Zivilgesellschaft kommen und für alle Bürger gelten, nicht nur für Hacker. Das ist eine politische, keine technische Frage.” Gefragt, ob er mit PGP zufrieden sei, antwortete Zimmermann, dass sein Ansatz es immerhin geschafft habe, Kryptografie auf breiter Front verfügbar zu machen. Wer heute verschlüsselt, würde nicht mehr als Terrorist angesehen werden. Seine eigene Programmierleistung, etwa die Entwicklung einer Blockchiffre, sei frühzeitig von professionellen Kryptologen kritisiert worden, was ihn davon überzeugt habe, von selbst entwickelten Verfahren die Finger zu lassen. Für PGP sei es jetzt nötig, ein neues Vertrauensmodell für den Austausch öffentlicher Schlüssel zu entwickeln.

Zum Schluss gab Zimmermann seinen Zuhörern unter großem Beifall mit Verweis auf Edward Snowden den Satz mit auf den Weg: “Wer nichts zu sagen hat, kümmert sich auch nicht um die Freiheit der Rede.”


(uk)