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GPS-Tracker fürs Auto: Test GPS-Tracker im Test

— 28.08.2017

GPS-Tracker im Test

Wie gut hilft moderne Ortungstechnik, gestohlene Fahrzeuge wiederzufinden? AUTO BILD KLASSIK hat acht GPS-Tracker getestet.

Plötzlich ist das Auto weg: Autodiebstahl ist in Deutschland kein seltenes Ereignis – laut Versicherungswirtschaft wurden im Jahr 2015 fast 19.000 kaskoversicherte Autos gestohlen. Ein Gesamtschaden von fast 300 Millionen Euro. Auch für Oldtimer-Besitzer ist Diebstahl zunehmend ein Thema: Um satte 32 Prozent ist die Zahl der geklauten Klassiker nach einer Erhebung des Oldie-Versicherers OCC im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Für die Polizei ist jeder Fall ein Aktenzeichen, für die Versicherung ein Regulierungsfall, für den Besitzer aber eine Katastrophe. Sein Verlust geht weit über den Wiederbeschaffungswert hinaus. Den ideellen Wert eines Klassikers ersetzt keine Versicherung. Er will sein Auto zurück, und zwar schnell,  bevor Diebe es in Einzelteile zerlegen. Immer häufiger kommen daher verdeckt eingebaute GPS-Tracker zum Einsatz, die helfen, wenn alle anderen Diebstahlvorkehrungen versagt haben: Sie können mithilfe von Satelliten- und oft auch Mobilfunksignalen aus ihrem Versteck heraus den Standort des Autos ermitteln und über das Mobilfunknetz heimlich an den Besitzer senden.

Getestet: Ortung, Bedienung, Alarmfunktionen und Kosten

Elektronik­-Experte Frank Rusche beim Einbau der Testgeräte in den Dauertest-­Mercedes.

In einem großen Test ermittelt AUTO BILD KLASSIK, welche Modelle zuverlässig funktionieren und welche den Besitzer in falscher Sicherheit wiegen. Acht Geräte von sehr unterschiedlichen Herstellern installieren wir dazu in unserem Klassik-Dauertestwagen, einem Mercedes 230.4. Ampire, Ebi-Tec und Pekatronic sind bewährte Anbieter, die auf jahrelange Erfahrung und permanente Weiterentwicklung ihrer Geräte verweisen können. Blaupunkt, Bornemann und Yellowfox kommen aus dem Telematikbereich und produzieren in großen Stückzahlen für gewerbliche Nutzer wie Speditionen. Autoskope und Dantracker sind relativ junge Anbieter und legen ihren Schwerpunkt auf benutzerfreundliche Anwendung. Ins Auto eingebaut werden die Geräte von Frank Rusche, einem Hamburger Fachmann für Alarmanlagen. Mit einem Brett verlängert er die Hutablage unseres Mercedes. So offen würden sie in der Realität nie eingebaut werden, wir schaffen so aber einheitliche Testbedingungen für alle GPS-Tracker. Dann testen wir Ortungsqualität (40 Prozent der Gesamtbewertung), Bedienungsfreundlichkeit, Alarmfunktionen und Kosten (je 20 Prozent).

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Wie gut orten die GPS-Tracker unter verschiedenen Bedingungen?

Aluminium hat eine geringere Dichte als Stahl. Deshalb können einige Tracker auch aus dem geschlossenen Trailer mit Alu­-Aufbau ihre Position senden.

Bei fünf Positionsabfragen unter freiem Himmel arbeiten alle GPS-Tracker sehr genau. Aber was passiert, wenn ein gestohlenes Auto im Trailer mit Alu-Aufbau, in einer Tiefgarage, Einzelgarage oder einer Halle verschwindet? Und was, wenn die Batterie abgeklemmt wird? In der Wertung gibt es ein “sehr gut” für exakte oder aussagekräftige Positionen wie Tiefgaragen-Einfahrten. Ein “gut” heißt maximal 50 Meter Abweichung. Nach 20 erschwerten Positionsabfragen liefert der Autoskope die besten Ergebnisse (16-mal sehr gut, 4-mal gut, keine schlechte Ortung, siehe Bildergalerie). Ähnlich gut orten das Modell 1120 von Bornemann und der Blaupunkt 1500+. Pekasat Easy IV von Pekatronic, Yellowfox mobile Xtreme und der GPS-Alarm 4.0 Professional Eco Flex II von Ebi-Tec sind im Mittelfeld. Der Ampire Loc 200 fällt ab, weil er mangels Akku keine Position sendet, wenn Diebe die Autobatterie abklemmen. Er sollte nur mit Notstromakku bestellt werden. Schlusslicht ist der DanTracker, der nur bei gutem Empfang zufriedenstellend funktioniert. Ohne “freie Sicht” nach oben sendet er nur die letzte ermittelte Position. Wegen seines Fünf-Minuten-Ortungsintervalls ist diese aber oft weit entfernt von der aktuellen Position und damit wenig aussagekräftig. Außerdem deaktiviert sich der DanTracker während des Tests und lässt sich erst nach mehreren Versuchen wieder aktivieren. Laut Hersteller ein Einzelfall. Ein Ersatzgerät arbeitet zuverlässiger, liefert aber keine besseren Ortungen.

Welche Alarmfunktionen können überzeugen?

Neben der Ortung kommt es bei GPS-Trackern auf die Alarmfunktionen an. Sehr effektiv sind Erschütterungsmelder, wie sie Ebi-Tec, Blaupunkt und Autoskope haben. Sinnvoll ist auch ein Geofence: Beim Verlassen eines Gebietes oder der Fahrt in ein Gebiet gibt es einen Alarm. Bei Blaupunkt heißt er Parkfence, kostet extra und lässt sich vor Fahrtbeginn per Knopfdruck deaktivieren. Weitere hilfreiche Alarmfunktionen überwachen Bordspannung, Akkuladung, GPS-Signalstärke, Zündung oder Geschwindigkeit. Experten empfehlen eine zusätzliche Alarmanlage. Alle Geräte bis auf DanTracker, Ebi-Tec und Yellowfox haben dafür Ein- und Ausgänge.

Wo sollte der GPS-Tracker eingebaut werden?

Problem aller GPS-Tracker: Professionelle Diebe sind oft darauf vorbereitet und arbeiten mit Störsendern, auch Jammer genannt, die das Mobilfunknetz um das Auto herum stören und damit das Absetzen des Alarmsignals verhindern. So können Diebe das Fahrzeug in Ruhe nach Ortungstechnik absuchen. Nur Pekatronic bietet einen Anti-Jammer-Sensor, der in dem Fall eine Alarmanlage aktivieren kann. Letztlich hilft aber vor allem Kreativität beim Einbau des GPS-Trackers. Externe Antennen und kleine Abmessungen erleichtern das Verstecken. Beliebt ist der Bereich unterm Armaturenbrett. Beim Mercedes empfiehlt Profi Frank Rusche die Hutablage und die Oberseite der Rücksitzlehne. Beliebt sind auch Kopfstützen und bei jüngeren Klassikern die Kunststoffstoßfänger. Wer einen leicht auffindbaren Dummy verbaut, kann damit den wirklichen GPS-Tracker vor Entdeckung Schützen.

Große Unterschiede bei der Bedienung

Quasi sofort einsatzbereit sind der Yellowfox und der DanTracker. Alle anderen Geräte erfordern eine kundige Hand beim Einbau. Für die Abfrage der Position gibt es Apps. Bei Blaupunkt muss der Nutzer für eine aktuelle Ortung das auf dem Smartphone unübersichtliche Webportal bemühen. Ampire, Autoskope, DanTracker und Ebi-Tec ermöglichen das Einstellen der Alarme per App. Bei Pekatronic funktioniert das nur umständlich per SMS. App und Webportal sind bei Autoskope besonders benutzerfreundlich, die Karten sehr detailreich. Aber auch die anderen Apps und Portale sind in der Regel übersichtlich und selbsterklärend. Bei Yellowfox nervt die umständliche Eingabe der Alarme mit allein 35 Klicks für Alarmzeiten. Bei DanTracker stören das teilweise holprige Deutsch, die ausschließlich englischsprachige App und das umständliche Einstellen eines Geofence. Wichtig: Außer Yellowfox und DanTracker verbrauchen die GPS-Tracker Bordstrom und können eine Batterie in wenigen Wochen entladen. Diese sollte deshalb immer an ein Ladegerät angeschlossen sein.

Wie hoch sind die Kosten auf Dauer?

Ampire, Pekatronic und Ebi-Tec liefern keine SIM-Karte mit und empfehlen unterschiedliche, sehr günstige Tarife. Beim von Ebi-Tec empfohlenen Postpaid-Tarif haben wir zwei SMS pro Monat à neun Cent berechnet. Die Kosten halten sich auch bei Autoskope im Rahmen mit 3,99 Euro im Monat, die ab dem zweiten Jahr anfallen. Günstiger – jedenfalls in der Theorie – ist der GPS-Tracker von Blaupunkt. Nutzer müssen nur für mindestens 25 Euro im Jahr Credits kaufen, mit denen jede Änderung der Alarmeinstellungen und jede Ortung bezahlt werden. Das andere Extrem: Den GPS-Tracker von Bornemann gibt es nur zur Miete. Dafür fallen 23,65 Euro Gebühr im  Monat an – in zehn Jahren fast 3000 Euro!

In der Bildergalerie haben wir alle Testnoten der acht GPS-Tracker für Sie zusammengestellt.


Autor:

Michael Struve

Fazit

GPS-Tracker im Klassiker sind sinnvoll. Im Test liefern sie fast immer brauchbare Positionsangaben – mit Ausnahme des DanTracker mit seinem zu langen Ortungsintervall. Das beste Gesamtpaket bietet Autoskope. Besonders die Benutzerfreundlichkeit überzeugt. Dagegen erscheinen Einstellungen per SMS bei Pekatronic unzeitgemäß. Überraschend: die großen Unterschiede bei den Kosten.