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Googles Augmented Reality: Tango ist tot, es lebe ARCore

Googles Augmented Reality: Tango ist tot, es lebe ARCore


Jan-Keno Janssen

Project Tango war gestern: Mit dem neuen ARCore will Google sich dem Wettbewerb mit Apples ARKit stellen.

(Bild: Google/Project Tango)

Da hat Google offenbar Muffensausen vor Apples ARKit bekommen: Statt auf die ambitionierte Augmented-Reality-Plattform Tango legt Google seinen Fokus nun auf das neue, technisch einfachere ARCore-System.

Google vollzieht bei Augmented Reality (AR) einen Strategiewechsel. Der US-Konzern mottet seine ambitionierte AR-Plattform Tango ein und schickt das neue ARCore ins Rennen, das sich nicht nur hinsichtlich des Namens an Apples ARKit orientiert. Wie bei Apple und iOS ist ARCore mit dem Betriebssystem Android verzahnt und soll die Entwicklung von AR-Anwendungen mit Android Studio sowie den 3D-Entwicklungsumgebungen Unity und Unreal Engine erleichtern.

Nur mit Smartphone-Hardware

Dabei verzichtet Google auf besondere Hardware wie Tiefensensor oder zusätzliche Kameras, die bei Tango eine Rolle gespielt haben. ARCore greift lediglich die Standard-Hardware des Smartphones zurück. Zunächst werden die Smartphones von Samsungs Galaxy-S8-Familie mit Android 7 und Googles eigene Pixel mit Android 8 unterstützt. Bis Winter soll die Plattform auf 100 Millionen Geräten verfügbar sein, hofft Google.

ARCore soll gegenüber ARKit mehr Funktionen bieten: So kann ARKit ausschließlich horizontale Ebenen erkennen (Tische, Fußböden etc.), während ARCore auch vertikale Ebenen sehen soll. Außerdem unterstützt Google die einfache Integration von 3D-Objekten, die mit den einfach zu bedienenden VR-Anwendungen Tilt Brush und Blocks gestaltetet wurden.

Kaum Geräte

Google hatte mit Tango bereits ein AR-System in der Entwicklung – und damit einen großen Vorsprung gegenüber Apple: Tango war bereits seit 2013 für Entwickler nutzbar, das Apple-System gibt es erst seit der Veröffentlichung der Beta von iOS 11, das im Herbst erscheinen soll. Außerdem war Tango technisch deutlich ambitionierter: Zusätzlich zur RGB-Kamera des Smartphones kommen bei Tango ein ein Time-of-Flight-Tiefensensor sowie eine Weitwinkel-Kamera zum Einsatz.

Warum Google sich nun an das einfachere Apple-System anpasst, könnte zwei Gründe haben: Einmal hat kaum ein Hersteller ein Tango-Smartphone bauen wollen. Lediglich zwei Geräte sind bisher auf den Markt gekommen: Zuerst das klobige Lenovo Phab2Pro und vor wenigen Wochen das Zenfone AR von Asus. Entsprechend wenige Tango-Apps gab es – und die existierenden hatten meist nur zwei- oder dreistellige Download-Zahlen.

Der zweite Grund könnte das überraschende Interesse der Entwicklergemeinde an ARKit sein: Seit der Vorstellung des Apple-Systems auf der Entwicklermesse WWDC wimmelt es zum Beispiel auf YouTube vor ARKit-Demo-Videos von Entwicklern.

Tango ist Geschichte

Mit Googles Fokus auf ARCore dürfte Tango zumindest als Plattform tot sein. Offenbar unterstützt ARCore aber optional zumindest die zusätzliche Tango-Hardware.

Richtig Fahrt dürfte das Thema Smartphone-AR aufnehmen, wenn Apple das iPhone 8 vorstellt (voraussichtlich am 12. September). Gerüchten zufolge werden die neuen AR-Funktionen im Fokus der Präsentation stehen. Vor allem wird interessant, ob die Hersteller es schaffen, sinnvolle Anwendungsbereiche der Technik zu zeigen – und nicht nur Spielereien.


(jkj)