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Gaming: Sim-Racing im Rennsport Verlieren Rennfahrer den Heldenstatus?

— 31.08.2017

Verlieren Rennfahrer den Heldenstatus?

Die Formel 1 kommt im 21. Jahrhundert an: Im September startet die erste offizielle Online-Meisterschaft für Fans. Ist das ein Fluch oder ein Segen?

Der Abwärtstrend in Deutschland ist vorerst gestoppt. Dank eines spannenden WM-Kampfes und der Wiederauferstehung von Sebastian Vettel steigen die TV-Quoten hierzulande wieder deutlich an. Trotzdem: Die jungen Fans, die Zuschauer von morgen, müssen auf neuen Wegen für die Formel 1 geködert und begeistert werden. Die Formel 1 wagt deshalb den Vorstoß mit einer offiziellen Online-Sim-Racing-Meisterschaft.  Die besten 20 Fans werden sogar zum Finalrennen nach Abu Dhabi eingeladen. Die Formel E hat das bereits vorgemacht: In Las Vegas durften die besten Sim-Racer am Computer sogar gegen die aktuellen Formel-E-Piloten antreten.

Norbert Michelisz hat den Sprung vom Gamer zum Rennfahrer geschafft

Doch nicht alle sind von diesem Trend begeistert. François Ribeiro, der Promoter der Tourenwagen-WM warnt gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT: „Die Fans kommen, fahren am Computer gegen die richtigen Rennfahrer und gewinnen. Und denken dann: „Was die können, das kann ich schon lange’. Verlieren die Rennfahrer damit nicht den Heldenstatus? Ich weiß es nicht.“

Norbert Michelisz, in der Tourenwagen-WM für Honda Gesamt-Dritter, hat den Sprung vom Online-Gamer zum Profi-Rennfahrer geschafft. Er glaubt: „Die Fans wissen, dass sich die virtuelle und die reale Welt voneinander unterscheiden. Wir Profi-Rennfahrer können im Sim-Racing nicht so gut sein, weil wir gar nicht die Zeit haben, so viel zu trainieren. Genauso gut aber würden die besten Sim-Racer im richtigen Rennauto auch mit ganz anderen Gegebenheiten konfrontiert werden.“ 

Der Ungar präzisiert: „Die Bremsen machen den größten Unterschied im realen Rennauto. Aber du musst auch mehr Mut haben. Wer vor dem PC abfliegt, ärgert sich höchstens. Wer auf der Rennstrecke abfliegt, kann sich aber böse wehtun.“ Er sieht aber auch einen positiven Aspekt: „Dass Rennspiele überhaupt erst gespielt werden zeigt doch, dass ein großes Interesse am Rennfahren wirklich da ist. Sonst würden sie andere Spiele zocken.“