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Gamescom: Spellforce 3: Symbiose zwischen Strategie- und Rollenspiel


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Spellforce 3: Symbiose zwischen Strategie- und Rollenspiel


Daniel Herbig

Endlich mal wieder ein richtiges Strategiespiel! In Spellforce 3 baut man Baracken, rekrutiert Soldaten und schickt Dorfbewohner zum Holzhacken. Entwickler THQ hat sich aber noch etwas Besonderes ausgedacht.


Spellforce 3 (deutsch) (PC)
ab € 37,44

Spellforce 3 ist ein Strategiespiel, da gibt es keinen Zweifel: Aus der Vogelperspektive wählt man Einheiten aus, die man zuvor in den zugehörigen Militärbauten rekrutiert hat, und hetzt sie per Rechtsklick den feindlichen Schergen auf den Hals. Im Gegensatz zu manchen anderen modernen Vertretern des Genres darf man sich sogar noch selbst aussuchen, wohin man Baracken, Holzfällerschuppen und Fischer-Hütten stellen will.

Neben dem Basisbau und der Echtzeit-Taktiererei hat Entwickler THQ in Spellforce 3 aber noch eine dritte Komponente untergebracht, die auch den Strategie-Klassikern fehlt: In gewisser Hinsicht ist Spellforce 3 auch ein Rollenspiel. In der Kampagne trifft man immer mal wieder auf Helden, die noch Anschuss suchen. Diese Helden haben Spezialfähigkeiten, die man im Kampf geschickt einsetzen sollte. Sie leveln außerdem im Spielverlauf auf.

Heldenhaft

Solche Spezialcharaktere gibt es nun aber schon lange in Strategiespielen, das gesamte Dota-Genre haben wir bekanntermaßen den Heroen aus Warcraft zu verdanken. Spellforce 3 geht aber einige Schritte weiter als die aktuelle und alteingesessene Konkurrenz: Man kann mit seinen Begleitern Dialoge führen, Gegner nach praktischen Gegenständen durchsuchen, Fähigkeiten verbessern und optionale Quests auf der Spielkarte verfolgen.THQ hat sich offensichtlich von Top-Down-Rollenspielen inspirieren lassen, die zuletzt unter anderem in Gestalt von Pillars of Eternity oder Torment: Tides of Numenera eine Art Renaissance erlebten.

Beim Anspielen auf der Gamescom fügten sich die Rollenspielelemente ganz wunderbar in den strategischen Spielfluss ein, die überall verstreuten Story-Schnipsel sorgten neben Basisbau und Gefechten für zusätzliche Motivation: Irgendwo am Flussübergang liegt eine Leiche, was mag da nur passiert sein? Die Helden tauschen ein paar Worte darüber aus, doch diese Nebenquest rückt erstmal zugunsten der Hauptaufgabe in den Hintergrund: Gemeinsam mit Fußsoldaten und Fackelwerfern muss man eine Rebellenfestung stürmen. Ärgerlicherweise blockt ein Tor den Weg in den Innenhof. Man könnte ja einen Rammbock bauen, meint einer der Gefährten. Das würde viel zu lange dauern, zickt die Zauberin zurück. Also muss die Gruppe sich nach Alternativen umsehen. Irgendeinen Weg gibt es ja immer.

Authentisches Schlachtgetümmel

Die Technik von Spellforce 3 macht einen herorragenden Eindruck: Kein anderes Strategiespiel sieht im Moment so toll aus. Finstere Wälder und bröckelnde Bauten sorgen für dichte Mittelalter-Atmosphäre. Und bei den präzise animierten Nahkämpfen geht es richtig derbe zu: Nach den kurzen und knackigen Gefechten zieren blutverschmierte Soldatenleichen das Schlachtfeld. Das gibt Spellforce 3 eine gewisse Schwere, die einer spannenden Story nur zuträglich sein kann.

Die Symbiose aus Strategie- und Rollenspiel fühlt sich beim kurzen Anspielen richtig organisch an.THQ muss aber beweisen, dass die Erzählung und Entscheidungsmöglichkeiten im Lauf der Kampagne stark genug sind, um das Prädikat “Rollenspiel” auch wirklich zu rechtfertigen. Und es bleibt ebenso zu hoffen, dass der strategische Tiefgang nicht einem spielerischen Kompromiss zum Opfer fällt. Gelingt das, könnte Spellforce 3 ein echter Hit werden. Das Strategierollenspiel kommt am 7. Dezember in den Handel.


(dahe)