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Gamescom: Drogenbeauftragte zur Internet- und Spielsucht: Eltern sollten Smartphone beim Abendessen weglegen


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Drogenbeauftragte zur Internet- und Spielsucht: Eltern sollten Smartphone beim Abendessen weglegen


Andreas Wilkens

(Bild: onlinesucht-ambulanz.de)

Die Gamescom öffnet wieder einmal ihre Türen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung weist aus diesem Anlass auf die Schattenseiten der Spielerei hin.

“5,8 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren zeigen mittlerweile ein gestörtes Internet- oder Computerspielverhalten”, sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, anlässlich der Gamescom, die am heutigen Dienstag in Köln beginnt. Sie hätten Schwierigkeiten, ihr Verhalten zu kontrollieren und zeigten ‘Entzugserscheinungen’ wie Aggressivität, Rückzug vom Alltag oder Depressionen.

Eltern sollten Vorbilder sein

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist auf der Gamescom zusammen mit den Aufklärungskampagnen “Net-Piloten” und “OASIS” vertreten. Sie informieren über ihre Arbeit an einem Stand in Halle 10.2. Mortler weist in einer Mitteilung darauf hin, dass auch die Eltern wachsam bleiben, mit ihren Kindern sprechen und ein medienkompetentes Vorbild sein müssten: “Wer selbst beim Abendessen das Smartphone oder Tablet nicht mehr weglegt, ist den Kids gegenüber wenig glaubwürdig und vermittelt sicherlich keine gesunde Online/Offline-Balance.”

Bei männlichen Jugendlichen ist der Anteil computerspiel- und internetbezogener Störungen von 3,0 Prozent im Jahr 2011 auf 5,3 Prozent im Jahr 2015 gestiegen. Bei den weiblichen Jugendlichen verdoppelte sich der Anteil von 3,3 Prozent auf 6,2 Prozent fast. Jungen bevorzugen Computerspiele, Mädchen hingegen interessieren sich vor allem für die sozialen Medien.

Hilfsangebote

Das Konzept der “Net-Piloten” basiert auf dem Peer-Ansatz. Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren werden zur eigenverantwortlichen, maßvollen Nutzung von Computer und Internet geschult, um dann als Multiplikatoren ihr Wissen in Workshops für jüngere Jahrgänge weiterzugeben. Dabei werden sie inhaltlich von Lehrkräften und Fachkräften der Suchtprävention vor Ort unterstützt. Auch werden die Familien der Jugendlichen durch themenspezifische Elternabende eingebunden.

OASIS ist eine seit der vorigen Gamescom bereitstehende Online-Ambulanz für Internetsüchtige der Ruhr-Universität Bochum. Initiator Dr. Bert te Wildt erläutert, für Internetsüchtige sei die Hemmschwelle, sich im Netz selbst Hilfe zu holen, niedriger, als sich direkt an eine Beratungsstelle zu wenden. Auf dem Portal hätten seit vorigem Jahr gut 10.000 Nutzer den Selbsttest gemacht, um herauszufinden, ob sie oder ein Angehöriger unter Internetsucht leiden.


(anw)