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Formnext 2017: 3D-Druck rüstet sich für die Zukunft nach dem Hype

Formnext 2017: 3D-Druck rüstet sich für die Zukunft nach dem Hype


Peter König

Beim 3D-Druck kehrt nach dem Hype der vergangenen Jahre wieder etwas Ruhe ein: Billige Drucker werden noch billiger und können mehr, Start-ups professionalisieren sich, die Industrie optimiert die Produktion – und mancher Hoffnungsträger ist abgetaucht.

Wer sich dafür interessiert, was aktuell der Stand der Kunst beim 3D-Druck ist, der konnte sich früher stets im Spätherbst auf der Fachmesse Euromold in Frankfurt schlau machen. Inzwischen ist – unter nicht ganz durchschaubaren Umständen – die Euromold erst nach Düsseldorf und dann nach München gewandert und reichlich geschrumpft. Ihren alten Standort und Termin belegt mittlerweile zum dritten Mal die stets wachsende Industriemesse Formnext – und hat sich mittlerweile als das Herbsttreffen der 3D-Druck-Branche mit internationaler Beteiligung etabliert. Heute geht die Messe für dieses Jahr zu Ende, wir haben bereits den ersten Messetag für einen Streifzug genutzt.

Kleidung aus dem 3D-Drucker – die Kollektion “Birth of Venus” der Designerin Danit Peleg wurde am letzten Tag der Formnext 2017 beim Innovationswettbewerb “Purmundus Challenge” mit dem ersten Preis prämiert.

Groß oder skalierbar

Ein im Wortsinn unübersehbarer Trend bei der Formnext ging in diesem Jahr hin zu 3D-Druckern mit besonders großem Bauraum – insbesondere bei Geräten, die nach dem Schmelzschichtverfahren (FDM) arbeiten. Dessen Vorteil: Nimmt man recht dicke Materialschichten pro Lage in Kauf (etwa ein Millimeter), kann man mit dieser Technik in noch überschaubarer Zeit auch Objekte in 3D drucken, deren Dimensionen man sinnvollerweise in Metern misst. Für Prototypen ist ein gutes Verhältnis zwischen Zeit und Größe oft wichtiger als eine mikrometerfeine Auflösung, die bei (fast) allen additiven Fertigungsverfahren die Bauzeit für ein einzelnes Teil spürbar verlängert.

Die Industrie interessiert sich aber natürlich nicht nur für Prototypen, sondern möchte die Vorteile des 3D-Drucks auch in der Fertigung von Kleinserien ausschöpfen. Deshalb bieten immer mehr Hersteller von additiven Produktionsmaschinen Lösungen an, um die einzelnen Drucker automatisiert zusammenzuschalten, sodass eingehende Jobs etwa in Bezug auf Druckzeit und Materialvorrat optimal verteilt werden.

3D-Druck

3D-Druck

Additive Fertigung

Der Sammelbegriff 3D-Druck steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.

So hatte bei 3D-Systems das modulare System Figure 4 Premiere, das an eine zentrale Steuerung baugleiche Fertigungsmaschinen koppelt, sodass die Produktionskapazitäten zusammen mit dem Bedarf wachsen können. Mass Portal kombiniert in seinem Dynasty-System bis zu 21 seiner FDM-Delta-Drucker mit einem Materiallager und einer Batterie von speziellen Filamenttrocknern, die dem Material vorab die überflüssige Feuchtigkeit entziehen sollen. Für die sonst manuellen Wechseltätigkeiten springt ein Roboterarm ein. Bereits im Mai hatte auch Stratasys mit seinem Continuous Build 3D Demonstrator einen ähnlichen Ansatz präsentiert – und nicht zu vergessen auch Formlabs, dessen Automatisierungslösung für Stereolithographien (samt Nachbehandlung) namens Form Cell dann seinerzeit aber doch im Schatten der parallel angekündigten kompakten Lasersintermaschine Fuse-1 stand.

Maker-Glück

Die nur wenige hundert Euro teuren 3D-Drucker für Maker und andere Privatanwender machten sich dieses Jahr auf der Formnext eher rar – aber ein paar kleine Maschinen haben wir doch entdeckt, die unsere folgende Bilderstrecke zeigt.

Das schmale Angebot an Billig-Druckern hat verschiedene Gründe. So haben manche Hersteller für die Formnext ihre besonders günstigen Maschinen gar nicht erst eingepackt, sondern zeigten stattdessen ihr Premium-Segment für preisbewusste Profi-Kunden – etwa im Fall des chinesischen Produzenten Shining 3D mit seinen Einstart-Druckern. Andere sind zwar mal als Enthusiasten-Ausstatter gestartet, aber längst im Industriegeschäft angekommen – so wie die German RepRap GmbH, die mal Open-Source-Bausätze verkauft hat und inzwischen vor allem Maschinen für umfangreichere Vorhaben im Programm hat (siehe auch Bilderstrecke weiter oben). Verständlich, denn einen brauchbaren und billigen FDM-3D-Drucker kann heute jeder Maschinenbaustudent entwickeln und bauen, wie es ein Insider auf der Messe treffend formulierte. Da ist für ein Unternehmen mit Wachstumswillen nicht viel Marge zu holen.