/Formel E: Meisterinterview Di Grassi “Formel E ist wie Schachspielen”

Formel E: Meisterinterview Di Grassi “Formel E ist wie Schachspielen”

— 29.08.2017

“Formel E ist wie Schachspielen”

Der frischgebackene Meister Lucas di Grassi spricht über die Herausforderung Formel E und vergleicht die Öko-Serie mit der Formel 1.

Herr di Grassi, Sie haben mit Abt Schaeffler Audi Sport den Titel in der Formel E gewonnen. Was ist der wert, wenn Ihr Konkurrent Sébastien Buemi die zwei Rennen in New York auslassen musste?
Licas di Grassi (32): Die Sache ist ganz einfach: Dann streich mir doch die Punkte aus New York. Ich wäre auch ohne die Rennen Meister. Punkt.

Und: Auch Sie waren gehandicapt.
Stimmt. Ich bin in Berlin mit einem gebrochenen rechten Wadenbein gefahren. Das habe ich mir bei einem Charity-Fußballspiel zugezogen. Wir haben deswegen in beiden Rennen Zeit beim Autowechsel verloren, weil ich sehr vorsichtig sein musste. Zum Glück war es der Gasfuß, denn wäre die Verletzung links gewesen, hätte ich nicht fahren können. Beim Bremsen ist viel mehr Feingefühl nötig.

Lucas di Grassi ist der amtierende Formel-E-Meister

In der Formel E sind also harte Nehmerqualitäten gefragt. Was noch?
Man braucht Köpfchen. Formel E ist wie Schachspielen. Du musst immer konzentriert bei der Sache sein. Du musst dir die Energie einteilen. Die Stadtkurse erlauben dir keine Fehler. Machst du einen, klebst du in der Mauer. Wir kennen die Strecken vorher meistens nicht, haben nicht viel Zeit, sie zu lernen. Und: Bei uns finden alle Trainings, Qualifying und Rennen an einem Tag statt. Schau dir Sébastien Buemi in Montreal an: Ein Crash im Training kann das ganze Rennen zerstören.

Mit dem Titel haben Sie Ihre Qualitäten als Formel-Pilot unterstrichen. Wollen Sie jetzt in die Formel 1 zurück?
Nein! Ich sehe meine Zukunft in der Formel E. Das Fahrerfeld wird immer besser, neue Hersteller kommen. Nur der Titel in der Formel 1 ist noch wichtiger, aber dann kommt die Formel E. Ich gebe hier sicher kein Siegauto auf, um dann in der Formel 1 bei einem Hinterbänklerteam anzuheuern.

Aber in der Formel E haben Sie rund 270 PS zur Verfügung, in anderen Rennserien bis zu 1000 PS …
Ich bin mit Audi in der Sportwagen-WM schon mit Autos mit mehr als 1000 PS gefahren. Aber so viel Spaß wie in der Formel E hatte ich sonst nirgends. Was ein Rennfahrer wirklich will: Gewinnen und einen harten, engen Kampf haben. Auch Kartfahren macht extrem Spaß – und die Karts haben nur 40 PS.

Neue Hersteller kommen, Ihr Team Abt-Audi ist von Anfang an dabei. Ist das ein Vorteil?
Ja. Audi übernimmt nächstes Jahr außerdem die Einsatzleitung. Ich weiß, dass ich hier ein Auto habe, mit dem ich gewinnen kann.