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Formel 1: Zoff an der Motorfront Hat Mercedes Ferrari gelinkt?

— 25.08.2017

Hat Mercedes Ferrari gelinkt?

Zoff zwischen Ferrari und Mercedes! ABMS erfuhr: Es geht um die neuste Ausbaustufe des Motors – und ein Gentlemen-Agreement, das gebrochen wurde.

Zoff an der Motorfront in der Formel 1! Überraschend hat Mercedes schon nach Spa die vierte Ausbaustufe seines Antriebs gebracht. Doch offenbar steckt mehr dahinter, als bislang bekannt war. Hintergrund ist eine komplizierte neue technische Direktive der Regelhüter von der FIA. Ab Monza nämlich darf ein Motor auf 100 Kilometern nur noch 0,9 Liter Öl verbrauchen. Damit will der Automobilweltverband FIA verhindern, dass Öl zur Leistungssteigerung im Brennraum des Motors benutzt wird.

Heißt auch: Alle Motoren, die ab Monza eingesetzt und von der FIA zu dem Zeitpunkt homologiert werden, also für den Rennsport freigegeben, müssen sich an die 0,9-Liter-Regel halten. Alle anderen Antriebseinheiten dürfen 1,2 Liter verbrauchen – ein kleiner Vorteil für Mercedes, die ihr aktuellstes Upgrade mit dem höheren Ölverbrauch kombiniert haben!

Mercedes hat schon in Spa mehr PS unter der Haube

Ferrari ist jetzt sauer. Denn offenbar hat Mercedes ein Gentlemen-Agreement gebrochen. Nach Informationen von ABMS und SPORT BILD wurde vor der Sommerpause vereinbart, dass die neueste Motorausbaustufe aller Hersteller erst ab Monza eingesetzt wird – und dass man sich damit gemeinschaftlich an die neue Homologationsvorgabe von 0,9 Litern hält. Die Scuderia hatte vor dem Belgien GP extra noch mal bei der FIA angefragt, ob wirklich kein anderes Team einen neuen Antrieb angemeldet hat. Antwort: nein. Sonst hätte auch die Scuderia nachgelegt. So wurden alle überrascht.

Denn plötzlich stand Mercedes in Spa mit dem Upgrade vor der Tür, das eigentlich erst für Malaysia geplant war! Pikant dabei: Der neue Motor darf weiterhin 1,2 Liter Öl auf 100 km verbrauchen – damit hat Mercedes nun einen zusätzlichen und vor allem verbesserten 1,2-Liter-Motor in seinem Antriebspool. Und hat damit im Qualifying die Chance auf noch mehr Leistung.

Mercedes hat damit ein Regelschlupfloch genutzt, obwohl man sich darauf verständigt hatte, dies nicht zu tun. Clever oder unfair? Fakt ist auch: Mercedes hatte weniger Zeit sich um die Weiterentwicklung des Motors zu kümmern als ursprünglich geplant. Das wiederum könnte ein kleiner Nachteil sein.

Schon seit Saisonbeginn streiten die Teams um den Ölverbrauch. Offenbar haben sich sowohl Mercedes als auch Ferrari insbesondere im Qualifying damit einen Vorteil erarbeitet. Im Rennen machen 0,3 Liter auf 100 km keinen Unterschied. Ferrari soll angeblich schon in der ersten Saisonhälfte einen zusätzlichen Öltank ausgebaut haben, nachdem die FIA ihn entdeckt hatte.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff


Fotos:
Picture-Alliance / Mercedes