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Formel 1: Wolff ärgert sich über Platztausch Mercedes spielt fair mit Bottas

— 30.07.2017

Mercedes spielt fair mit Bottas

Schwierige Aufgabe für Mercedes in Ungarn: Valtteri Bottas und Lewis Hamilton tauschen zweimal die Plätze, verhalten sich dabei aber sportlich fair.

Es war die Gretchenfrage in der Schlussphase des Ungarn GP: Lässt Lewis Hamilton seinen Teamkollegen Valtteri Bottas wieder vor, wie es Mercedes am Funk abgesprochen hatte. Oder nimmt der Brite eigenmächtig die drei Extrapunkte für Platz drei mit? Die Antwort lieferte Hamilton erst in der letzten Kurve: Er wartete auf den Finnen und fuhr hinter diesem als Vierter über die Ziellinie.

Bottas ließ Hamilton zuerst vor, um Ferrari zu jagen

„Ich habe das gemacht, wovon ich glaube, dass es das Richtige war“, sagte Hamilton später und gab Einblick in seinen Denkprozess: „Der Kopf sagt natürlich eher, dass jeder Punkt zählt. Aber das Herz sagt, dass es korrekt ist, die Position zurückzugeben.“ Der Brite: „Ich will diese WM gewinnen. Aber auf die richtige Art und Weise. Keine Ahnung, ob mich das noch einmal einholt, aber ich habe heute bewiesen, dass ich mein Wort halte und ein Teamplayer bin. Wir haben hier Einheit demonstriert.“

Hamiltons Hoffnung: „Gute Dinge kommen im Leben zurück zu einem.“ Deswegen entschied sich der dreifache Champion für die saubere Variante – obwohl das Vorbeilassen von Bottas gar nicht so einfach war. „Es war riskant, denn zwischen uns waren viele Überrundete und nur eine Sekunde hinter Valtteri schon ein Red Bull. Ich glaube allerdings, dass ich heute der Schnellere von uns beiden war. Deswegen wollte ich die Ferraris angreifen und durfte das auch. Wenn Valtteri anschließend zwei Sekunden hinter mir geblieben wäre, wäre es auch kein Problem gewesen. Aber zwischenzeitlich hatte er schon sieben Sekunden Rückstand. Das hat es am Ende schwierig gemacht.“

Hamilton hielt Wort: Bottas durfte mit aufs Podium

Dass er Abreißen lassen musste, erklärte der Finne später selbst: „Ich habe sehr viel Zeit mit Überrundungen verloren, gefühlt hat mich heute jeder aufgehalten. Deshalb hatte ich schon die Befürchtung, dass es mit dem Zurücktauschen ein Problem werden könnte.“ Aus diesem Grund fragte Bottas zwei Runden vor Schluss auch schon einmal via Funk an, wann er wieder vor darf. Bottas: „Ich danke dem Team und Lewis, dass er sein Versprechen gehalten hat. Dafür habe ich ihm davor die Möglichkeit gegeben, die Ferraris zu jagen.“

Wie hätte Bottas reagiert, hätte Hamilton die Podestplatzierung behalten? „Ich wäre schon sauer gewesen, denn so sind nun mal die Regeln, wenn man es vorher abspricht. Für uns als Team ist es aber sehr wertvoll, wenn man sich auf den Stallkollegen verlassen kann.“ Auch Hamilton erklärte: „Valtteri und ich haben größten Respekt voreinander. Wir arbeiten im Team besser zusammen als jemals zuvor. Und als Valtteri zuerst gefragt wurde, ob er mich durchlässt, hat er es ja auch sofort gemacht. Deshalb gilt das Gleiche auf für mich.“

Mercedes-Sportchef Toto Wolff zeigte sich nach dem Rennen glücklich über den Sportsgeist seiner Fahrer. „Lewis hat sich sportlich fair verhalten. Wir haben uns mit seiner Unterstützung für diesen Weg entschieden, es gab keine Diskussionen“, erklärte Wolff nach dem Rennen. Er gab aber auch zu bedenken: „Wenn es mit Max Verstappen direkt hinter Valtteri schiefgegangen wäre, hätten wir wie Idioten ausgesehen.“ Doch die Rücktauschaktion gelang mustergültig – happy war Wolff am Ende trotzdem nicht.

Schwere Entscheidung für Mercedes-Boss Toto Wolff

„Das war vielleicht die schwierigste Entscheidung, die wir in den vergangenen fünf Jahren treffen mussten, denn es wäre naiv zu sagen, dass wir sie sicher nicht bereuen müssen. Wenn wir jetzt wegen drei Punkten die WM verlieren, werden alle sagen: Budapest war der Grund. Und ich wäre der Erste, der sich ins Knie schießt.“ Wie groß die innere Zerissenheit war, zeigte sich auch, als beim Österreicher während der Zieldurchfahrt kurz die Emotionen überkochten. Der TV-Sender Sky veröffentlichte nach dem Rennen ein Video, das Wolff in dem Moment zeigt, als Hamilton Bottas wieder passieren ließ: Der Mercedes-Sporttchef klatscht verärgert in die Hände, dreht sich zu Niki Lauda um, schlägt einmal auf den Tisch und ein zweites Mal auf seinen Stuhl.

Doch warum zog Mercedes das Manöver trotzdem durch? Wolff: „Weil wir mit diesem Ansatz drei Weltmeistertitel gewonnen haben. Und weil auf diese Weise noch weitere hinzukommen werden. Heute hat es Lewis drei Punkte gekostet. Und möglicherweise kostet genau das am Ende auch den Titel, das ist uns völlig bewusst. Trotzdem wollen wir als Team so arbeiten. Wir halten uns an das, was wir ankündigen, und dann nehmen wir die Folgen auch in Kauf. Am Ende werden wir weit mehr Rennen und Titel mit diesem Ansatz gewinnen, als wenn wir uns für das Gegenteil entscheiden. Auch wenn es manchmal verdammt schwierig ist, sich an diese Prinzipien zu halten.“ Den Beweis dafür lieferte Wolff mit seinem kleinen Wutanfall gleich mit.

Autor: Frederik Hackbarth