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Formel 1: Vettels Bremsgeheimnis In Monza tut Vettels Bremsfuß weh!

— 01.09.2017

In Monza tut Vettels Bremsfuß weh!

Sebastian Vettel erklärt, worauf es beim Bremsen ankommt: Das sind die Belastungen für Fahrer und Auto auf der Highspeed-Strecke von Monza.

„Wer später bremst, ist länger Vollgas!“ Aus Sebastian Vettels Mund klingt ganz einfach, was am Ende über Sieg und Niederlage entscheiden könnte… Fakt ist: Monza ist neben Montreal DIE Brems-Strecke im Formel-1-Kalender. Heißt auch: Im Autodromo Nazionale gibt’s die härtesten Bremsmanöver der Formel 1. In Kurve eins bremsen die Piloten von Tempo 324 runter auf 80. Das Ganze auf nur 69 Metern und innerhalb von 2,57 Sekunden. Dabei wirken 5,3g auf den Körper des Fahrers. Bedeutet Er wird mit dem 5,3-fachen seines Körpergewichts in die Gurte gepresst. Dafür muss er das Bremspedal mit 180 kg belasten. Ein wahrer Kraftakt also!

Trotzdem haben alle Piloten unterschiedliche Bremsstile. Sebastian Vettel gilt wie einst Michael Schumacher als Fahrer, der mit der Bremse spielt und so schon im Kurveneingang entscheidende Meter gutmachen kann. Im SPORT BILD Sonderheft Motorsport erklärt er exklusiv den Bremsvorgang aus seiner Sicht.

Vettel weiß: In Monza muss die Bremse stimmen

Vettel: “Wer später bremst, ist länger Vollgas… Das heißt, dass man auf der Bremse viel Zeit gewinnen, aber auch verlieren kann. Das gilt besonders für den Kurveneingang. Je mehr Geschwindigkeit man in die Kurve nimmt, umso schneller kann man sie durchfahren. Deswegen ist es wichtig, dass der Bremsvorgang sitzt. Denn: In dieser Phase kann man das Auto manipulieren.“

Das Zauberwort: Vettel „manipuliert“ das Auto auf der Bremse. Der Heppenheimer erklärt: „Genauer gesagt kann man es so drehen, dass man einen Teil der Kurve schon am Eingang abgearbeitet hat – ohne quer reinzufliegen natürlich. Dafür ist es wichtig, dass ich der Bremse vertrauen kann. Dass ich ein natürliches Gefühl habe und sie konstant zubeißt.“ Sonst droht das Heck auszubrechen…

Die körperlichen Anforderungen der F1 sind enorm

Der Ferrari-Star beschreibt das Bremsen vor Schikanen wie der ersten Kurve in Monza so: „Ich gehe vom Gas und steige voll auf die Bremse. Je langsamer ich werde, desto weniger Abtrieb habe ich. Deshalb lasse ich das Pedal nach und nach wieder los.“

Allein: In schnellen Kurven kann Vettel noch mehr Zeit auf der Bremse gewinnen. Der Hesse: „Da springe ich zwischen Gas und Bremse hin und her. So kann ich das Auto so ausbalancieren, wie ich es gerade brauche. Mehr Last auf der Vorder- oder auf der Hinterachse – wie bei einer Wippe.“

Körperlich sieht ein Bremsmanöver in Vettels Ferrari-Cockpit so aus: „Ich bremse mit allem, was ich habe. Nicht nur mit dem Bein, sondern mit dem ganzen Körper. Die Kraft kommt dann nicht nur aus dem Oberschenkel und der Wade, sondern aus dem ganzen Rumpf und Rücken. Da drückt man bis zu 180 Kilogramm und wird mit 5,8g in die Gurte katapultiert. Auf einer Strecke wie Monza, wo man oft reinsteigt, tut einem am Ende auch ganz schön der Fuß weh. In knapp vier Sekunden kommen wir aus Tempo 300 rein theoretisch zum Stillstand – natürlich ganz ohne ABS oder andere elektronische Hilfen.“

Aktuell führt Vettel mit sieben WM-Punkten Vorsprung

Ferrari fährt mit Bremsen von Brembo. Vettel: „Unsere Brembo-Bremse besteht einerseits aus der nur 1,5 Kilo schweren Bremsscheibe, dazu dem Sattel mit den Bremsbelägen. Mit vielen kleinen Löchern in der Scheibe versuchen wir eine optimale Kühlung zu erreichen. Jedes Team tüftelt am Material und Gewicht, um die Bremse möglichst effizient zum Arbeiten zu bekommen – so dass sie immer perfekt beißt, ohne dass wir zu viel Aerodynamik für die Kühlung opfern müssen.“

Kühlung ist ein wichtiger Faktor. Denn eine Bremsscheibe kann auf einer Strecke wie Monza schon mal 1200 Grad heiß werden.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach


Fotos:
ABMS / Getty Images