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Formel 1: Vettel versus Hamilton Ist Vettel wirklich das Startunfall-Monster?

— 21.09.2017

Ist Vettel wirklich das Startunfall-Monster?

Singapur war längst nicht der einzige Startunfall von Sebastian Vettel. Das direkte Startunfall-Duell mit Lewis Hamilton sieht eindeutiger aus, als es ist.

Noch immer wird die Schuldfrage beim Start des Singapur-GP 2017 heiß diskutiert. Dabei hat die Rennleitung längst festgestellt: normaler Rennunfall, keiner ist als eindeutiger Unfallverursacher auszumachen, daher gibt es keine Strafe. Viele zeigen trotzdem mit dem Finger auf Sebastian Vettel und weisen darauf hin: Es war nicht der erste Startcrash des viermaligen Formel-1-Weltmeisters.

Tatsächlich zeigt der direkte Vergleich mit Lewis Hamilton auf den ersten Blick eine klare Tendenz: Vier Mal musste Hamilton bisher in Runde eins die Segel vorzeitig streichen, sieben Mal schon Sebastian Vettel. Bei Hamiltons Startunfällen war der Brite außerdem oft unschuldig: 2012 wurde er in Spa beispielsweise vom draufgängerischen Romain Grosjean aus dem Rennen gerissen.

Hamilton und Vettels Startunfall-Bilanz unterscheidet sich

Aber auch Vettels Bilanz ist trügerisch: Vier Unfälle gehen auf das Jahr 2008 zurück, als er mit Toro Rosso noch im Mittelfeld eingezwängt war. Hier ist die Unfallgefahr viel höher. Hamilton fuhr bisher in jeder seiner elf Formel-1-Saisons in einem Siegerauto. Von 2009 bis 2015 hatte Vettel sogar gar keinen so schweren Startunfall, dass er das Rennen beenden musste. In Russland 2016 war ihm dann Daniil Kvyat gleich zwei Mal ins Heck gerauscht. Nur der Unfall in Malaysia 2016 mit Nico Rosberg und Kimi Räikkönen geht auf Vettels Kappe.

Auch Lewis Hamilton sieht den Vettel-Crash in Singapur objektiv: „Wenn man losfährt, kann man denjenigen, der von Platz zwei startet, nicht sehen”, erklärt der 32-Jährige. “Er ist in jedem Fall im toten Winkel, wenn er genauso gut wie man selbst losfährt. Deshalb ist der erste Gedanke bei einem Start, sein Territorium zu verteidigen, nach innen zu gehen und ihn abzuschneiden. Ich denke, das ist das, was er getan hat. Und wenn man das macht, dann tauchen die anderen urplötzlich im Spiegel auf und man realisiert erst jetzt, wo sie sind. Manchmal stellt man fest, dass man vorne liegt und es gar nicht zu tun braucht. Ich weiß nicht, ob Sebastian dieses Gefühl hatte oder nicht.”

Andere GP-Größen waren ebenfalls immer wieder in Startunfälle verwickelt. Michael Schumacher schied in Runde eins insgesamt sechs Mal aus, Ayrton Senna – wie Vettel jetzt – sogar sieben Mal.

Beeindruckend die Bilanz von Juan Manuel Fangio: Sein frühester Ausfall war Belgien 1953 in Runde 13. Der Argentinier übernahm aber dann den Maserati seines Teamkollegen Johnny Claes, schied später endgültig aus. Nachdem die Lenkung gebrochen war, hatte er seinen einzigen Unfall bei einem WM-Rennen…

Ausfälle in der ersten Runde
1. Jarno Trulli 14
2. Rubens Barrichello 13
3. Andrea de Cesaris 12
4. Kimi Räikkönen 11
5. Patrick Tambay 10
6. Jean-Pierre Jarier 9
7. Giancarlo Fisichella 9
8. David Coulthard 9
9. Pierluigi Martini 8
10. Mika Häkkinen 8


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