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Formel 1: Vettel cool in der Hitze Reifenvorteil für Ferrari?

— 28.09.2017

Reifenvorteil für Ferrari?

Sebastian Vettel muss im Titelduell mit Lewis Hamilton 28 Punkte gutmachen. Hilft Ferrari wie schon beim Sieg 2015 der Glutofen von Sepang?

Der Presseraum war wie erwartet voll. Die Erwartungshaltung groß. Die Enttäuschung danach auch. Wer nach dem Startcrash in Singapur zwischen Sebastian Vettel, Max Verstappen und Kimi Räikkönen bei der FIA-PK in Sepang einen hohen Unterhaltungswert vermutete, fand sich schnell im falschen Film wieder. Weder ging Max Verstappen Sebastian Vettel an den Kragen, noch Kimi Räikkönen den beiden anderen. Vettel gab die Antworten vor, Verstappen und Räikkönen hatten den Sätzen des deutschen Ferrari-Piloten nicht mehr viel hinzuzufügen. “Es war ein Startunfall, wie er immer wieder passieren kann.”

Den Startcrash in Singapur hat Vettel abgehakt

Was er nicht erwähnte, aber AUTO BILD MOTORSPORT weiß: Nur Kimi Räikkönen und Fernando Alonso starteten trotz der regennassen Straße in Singapur mit dem ersten Gang. Alle anderen fuhren im zweiten Gang los, weil sie Angst vor zu viel Schlupf der Hinterräder hatten. Während Vettel, Verstappen und Co. quasi im niedrigen Drehzahlbereich verhungerten, hatten die beiden dienst-ältesten Piloten Raketenstarts. Räikkönen löste so ungewollt das Startchaos aus. Wie auch immer: “Wir wären gerne alle drei das Rennen zu Ende gefahren”, sagt Vettel abschließend zum Thema Singapur, “aber es ist passiert, man kann es nicht mehr ändern. Ich schaue jetzt nach vorne.”

Vettel wirkt wie die Ruhe selbst. Sogar sein WM-Rückstand von 28 Punkten bringt den Heppenheimer nicht ins Grübeln. “Wir haben ein gutes Paket, ein schnelles Auto. Das ist wichtig für mich. Sicher ist Mercedes stark, aber es sind noch sechs Rennen zu fahren, es sind noch 150 Punkte zu vergeben. Da kann noch eine Menge passieren.”

Vettel und Ferrari beim Trackwalk am Donnerstag

Fest steht: Beim Malaysia GP am Sonntag will Vettel wieder angreifen. Auf dem Papier scheint Mercedes auf dem Kurs mit flüssigen, schnellen Kurven und langen Geraden stärker zu sein als Ferrari. Aber Ferraris Trumpf könnte die Hitze werden. Im Vorjahr wurde mit 59 Grad Asphalttemperatur in Malaysia ein Rekordwert gemessen. Ähnliche Temperaturen werden auch am Sonntagnachmittag erwartet.

Mercedes hat mehr Respekt vor der Hitze und dem dadurch hohen Reifenverschleiß. Vettel und Ferrari sind da cooler. Der deutsche und Teamkollege Kimi Räikkönen haben neun Sätze der weichsten Mischung supersoft nominiert, während es bei Hamilton und Bottas nur sieben Sätze sind. Heißt: Ferrari geht im Rennen mehr Risiko ein und baut auf die weichen Pirelli, die zehn Runden lang bis zu eine Sekunde pro Umlauf schneller sind als die härtere Version. Das ist die Chance für Vettel. Zur Erinnerung: 2015 gewann er in Malaysia seinen ersten Grand Prix für Ferrari, weil er nur einmal zum Reifenwechsel musste. Mercedes, an sich schneller als der Ferrari, musste einen Stopp mehr machen und verlor so das Rennen.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach