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Formel 1: Stroll im Interview “Ich hoffte auf Hamilton als Teamkollegen”

— 09.11.2017

“Ich hoffte auf Hamilton als Teamkollegen”

Lance Stroll ist der Neuling der Formel-1-Saison 2017. Im Interview zieht er ein Fazit und verblüfft mit Aussagen über potenzielle Teamkollegen für 2018.

Herr Stroll, wie sieht das Fazit Ihrer Debütsaison aus? War es schwieriger als erwartet oder leichter?
Lance Stroll (18):
Formel 1 ist die beste Motorsportserie der Welt mit den besten Fahrern. Da kann man normalerweise nicht einsteigen und gleich Siege erwarten. Ich hatte von Anfang an das Ziel, mich stetig zu verbessern und zu lernen. Unter diesem Aspekt bin ich zufrieden bisher. Ich habe auch einige Punkte eingefahren einschließlich eines Podiums und einer ersten Startreihe. Das war mehr, als ich vor der Saison erwarten konnte.

Sie Sind der jüngste Fahrer im Feld. Fühlten Sie sich von Anfang an berei? Immerhin gab es für 2017 neue Regeln mit neuen, extrem schnellen Autos, die wesentlich schwieriger am Limit zu bewegen sind als die Autos der Jahre zuvor.
Es war ein Riesensprung, aber ich bereue ihn nicht. Ich habe die Formel-3-EM gewonnen, da wäre der normale Weg gewesen, erst mal in die Formel 2 zu gehen. Aber wenn du die Chance hast Formel 1 zu fahren, musst Du sie beim Schopfe packen. Wichtig war, nicht nur das Fahren ständig zu verbessern, sondern auch die Arbeit mit den Ingenieuren. Damit man das Auto immer mehr versteht. Das ist eine riesige Herausforderung, die mir aber extrem gefällt.

Von den Rundenzeiten her waren sie am Anfang der Saison etwas weiter weg von Ihrem Teamkollegen, seit einigen Rennen hat sich das gedreht. Sie fahren auf Augenhöhe mit Felipe Massa. Ist das das Ergebnis des Lernprozesses?
Ja, zum großen Teil. Klar ist der Teamkollege erst mal der, mit dem man verglichen wird. Aber ich habe das immer versucht auszublenden und mein eigenes Ding zu machen. Um schnell zu sein, müssen alle Abläufe am Rennwochenende stimmen. Das ist mehr als nur Gasgeben. Aber, klar, je wohler du dich mit dem Auto fühlst, desto schneller kannst du fahren. Das spiegelt sich dann in den Rundenzeiten wieder.

Wie wichtig war Ihr dritter Platz von Baku? Uns kam es so vor, als seien Sie damit dem Image davongefahren, dass Sie nur in der Formel 1 sind, weil Ihr Vater so viel Geld hat.
Daran habe ich nicht gedacht. Das habe ich völlig ausgeblendet. Ich steige nicht ins Auto und denke an irgendein Image. In Baku hat alles zusammengepasst. Ich habe einfach die Chance genutzt, die ich dort bekam. Das hat mich sehr gefreut.

Lance Stroll ist der Rookie 2017

Trotzdem: Wie groß ist der Einfluss Ihres Vaters? Auch im Team.
Er ist mein Vater. Er hat sich um meine Karriere gekümmert, von Anfang an. Er hat immer geschaut, was der nächste richtige Schritt für mich sein könnte. Aber macht das nicht jeder Vater? Wir haben jedenfalls ein tolles Verhältnis. Klar hilft es, wenn der Vater Geld hat. Im Motorsport brauchst du heute Sponsoren, eigentlich jeder. In meinem Fall war das halt mein Vater.

Wie sieht Ihre Mutter das. Golfspielen wäre weniger gefährlich für ihren Sohn…
(lacht)…Ja, aber sie war von Anfang an mit dabei. Da hat sie sich dran gewöhnt, dass meine Leidenschaft Motorsport ist und nicht irgendwas anderes.

Was erwarten Sie von nächstem Jahr?
Ich hoffe, dass das Auto extrem verbessert wird. Ich erwarte auch, dass ich von Anfang an besser sein werde. Schließlich kenne ich dann alle Strecken. Die Tests mit dem 2014er Auto waren zwar hilfreich, aber man kann das nicht mit einem 17er Auto vergleichen. Ich kannte zwar die Strecken, aber die musste ich mir mit dem aktuellen Auto trotzdem immer wieder neu erarbeiten. 2018 weiß ich von Anfang an, was zu tun ist. Das nennt man Erfahrung.

Was erwarten Sie von Ihrem Teamkollegen im nächsten Jahr? Werden Sie um Rat gefragt?
Nein, ich habe da keinen Einfluss drauf. Ich hoffte ja auf Lewis Hamilton, aber er ist wohl nicht zu haben! Nein, das war natürlich ein Scherz. Das Einzige was ich will: Dass er extrem wettbewerbsfähig und ein Teamplayer ist. Mehr nicht.