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Formel 1: Schumachers erster Teamkollege Der größte Crashpilot der Formel 1

— 01.09.2017

Der größte Crashpilot der Formel 1

Unter den 83 italienischen Formel-1-Piloten hat Andrea de Cesaris eine herausragende Stellung. Weniger ob seiner Erfolge sondern wegen seiner wilden Unfälle.

Er hält die Rekorde, die keiner haben will: 208 Rennen, aber kein Sieg. Keiner schied öfter aus wie Andrea de Cesaris (148 Mal), keiner fiel in einer Saison häufiger aus als er (1987 mit 14 Ausfällen in 16 Rennen), keiner öfter schon vor dem Start eines Rennens (11 Mal), keiner so oft in Folge (18 Ausfälle 1985 und 1986 saisonübergreifend).

Und vor allem: Keiner hatte so viele und so wilde Unfälle wie Andrea de Cesaris. 19 Chassis hat er komplett zerstört. Allein in seiner McLaren-Saison 1981 hatte er 14 Unfälle, sechs davon in den Rennen. Nur in Dallas 1984, als der Asphalt aufbröckelte und die Piloten reihenweise von der Bahn kamen, fuhr der Italiener wie auf Schienen. „Andrea ich bin sauer auf dich“, hat Niki Lauda anschließend zu ihm gesagt. „Weil mich alle Reporter fragen, wieso ist de Cesaris das ganze Wochenende kein einziges Mal rausgeflogen, ich aber gleich zwei Mal?“

Die Fahrer fürchteten sich vor Andrea de Cesaris

Der verrückteste Unfall (siehe Video): Der Mehrfachüberschlag in Österreich 1985. Teamchef Guy Ligier entließ ihn anschließend: „Ich kann die Reparaturrechnungen, die mir dieser Kerl beschert, nicht mehr bezahlen.“ Gerhard Berger dagegen wünschte de Cesaris ein Cockpit in einem Topteam, denn: „Es ist einfacher, Ayrton Senna einmal zu überholen als de Cesaris drei Mal zu überrunden.“

Als Eddie Jordan 1991 auch dank Sponsorgelder der Zigarettenmarke Marlboro in die Formel 1 kam, wollte er anders als von Marlboro gewünscht, zunächst gar nicht de Cesaris im Cockpit haben. „1979 bin ich gegen ihn in der Formel 3 gefahren. Fünf Mal musste im Mallory Park das Training abgebrochen werden, weil de Cesaris permanent von der Strecke flog.“ Aber die Mitgift von vier Millionen Dollar ließen Jordan schwach werden. Und de Cesaris zahlte zurück: Er sorgte maßgeblich dafür, dass das Jordan-Team gleich im ersten Jahr auf Rang fünf der Konstrukteurs-WM.

Denn, auch das ist Andrea de Cesaris: Für neun verschiedene Teams holte er WM-Punkte, Rekord. Nur mit Minardi blieb er ohne Zähler. 1982  beim USA-West-GP sicherte er sich die Pole-Position. Beim Belgien-GP 1982 platzte in Führung liegend sein Alfa-Romeo-Motor. Und auch beim Michael-Schumacher-Debüt in Belgien 1991 hatte er eine Siegchance. Auf Rang zwei liegend schied er wegen eines Defekts im Ölkreislauf aus. Teammanager Ian Philipps erinnert sich: „Andrea war ein fantastischer Kerl. Es war unmöglich mit ihm nicht auszukommen. Ein absoluter Mannschaftsspieler.“

Und de Cesaris hatte auch Talent. In den 70er Jahren holte er mehrere Kart-Titel, darunter in der Weltmeisterschaft. „Mein Vater stand immer in der schwierigsten Kurve. Aber ich bin immer in anderen Passagen rausgeflogen. Er kam dann angerauscht und hat mir Ohrfeigen verpasst.“ In der Formel 1 sammelte de Cesaris, der 2014 bei einem Motorradunfall 55-jährig verstarb, in 208 Rennen 59 Punkte, fünf Podestplätze und eine Pole-Position. Unter den 83 italienischen Formel-1-Piloten, die je in der WM angetreten sind, hält er die meisten Rekorde – auch wenn er darauf gern verzichtet hätte.