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Formel 1: Rivalen einig: Ferrari bestes Auto Hamilton stellte Vettel eine Falle

— 27.08.2017

Hamilton stellte Vettel eine Falle

Der Belgien GP wurde zum offenen Schlagabtausch der Titelaspiranten. Wie Hamilton Vettel austrickste und warum der Ferrari das bessere Auto ist.

Ganz glücklich war Sebastian Vettel nach Platz zwei in Spa nicht. Der Grund: Sowohl er selbst als auch Lewis Hamilton betonten nach dem Rennen, dass der Ferrari aktuell das bessere Auto ist! Doch warum konnte Vettel trotzdem nicht gewinnen?

„Es war ein sehr intensiver Kampf heute, der viel Spaß gemacht hat. Jede Runde habe ich darauf gelauert, dass Lewis einen Fehler macht, doch der kam nicht. Und ihm ging es sicher genauso“, erklärte Vettel nach der Zieldurchfahrt in Spa. Eine große Chance hatte der Deutsche aber trotzdem: Nach dem Re-Start hatte Vettel mit ultraweichen Reifen die Möglichkeit Hamilton zu attackieren. Der Brite fuhr auf der langsameren weichen Mischung.

Das Safety-Car eröffnete Vettel eine Siegchance

Vettel: „Das war der Schlüsselmoment. Aber das Timing war sehr schwierig. Ich hatte Angst, dass ich nicht schnell genug bin, habe gepusht – und war dann plötzlich zu nah dran!“ Vettel musste vor Eau Rouge vom Gas gehen, verlor dadurch einen Teil seines Schwungs – zwar kam er auf der Kemmel-Geraden noch neben Hamilton. Um vorbeizukommen reichte die Power aber nicht.

Pikant: Hamilton verriet nach dem Rennen, dass er versuchte Vettel auszutricksen und ihm eine Falle stellte. „Mein Re-Start war nicht toll. Ich habe einen Fehler gemacht und war in der falschen Motoreinstellung. Deshalb hat Sebastian schon in der letzten Kurve aufgeholt und war dann in Turn eins dran an mir“, so Hamilton. „Doch er war zu nah dran und musste liften. Deshalb bin ich auch vom Gas gegangen, damit er schön dicht hinter mir bleibt und früh rausziehen muss. Als er das tat, hatte er auch vollen Luftwiderstand wie ich und konnte nichts mehr machen.“ Ohne Windschatten hatte Vettel keine Chance gegen die Power im Heck des Mercedes.

Vettel musste sich in Spa mit Platz zwei begnügen

Statt sich über das knapp verlorenene Rennen zu ärgern, wollte Vettel aber lieber das Positive sehen: „Es war definitiv ein guter Tag. Wir hatten die Pace, haben Mercedes gepusht. Wir waren nie langsamer als sie, manchmal vielleicht sogar schneller“, stellte der Heppenheimer fest. Und das auf einer Strecke wie in Spa. Vettel: „Zum Vergleich: In Silverstone waren wir noch viel weiter hinten. Wir haben also gute Fortschritte gemacht.“ Der Deutsche geht sogar noch weiter: „Mercedes hat ein sehr effizientes Auto, gerade auf Kursen wie hier. Aber wir haben meiner Meinung nach das bessere Auto!“

Selbst Mercedes-Sportchef Toto Wolff zieht den Hut vor Ferrari. „Wir waren überrascht. Sie haben einen starken Job gemacht und ein Upgrade-Paket mitgebracht, das sehr gut funktioniert. Diese Stecke hätte uns vom Papier her besser liegen sollen, aber Ferrari war viel näher dran als gedacht.“

Auch Hamilton teilt die Meinung von WM-Rivale Vettel: „Wenn jemand da draußen denkt, wir haben das beste Auto, muss er spätestens jetzt umdenken. Denn das ist definitiv nicht der Fall. Ferrari hat die Oberhand.“ Hamilton präzisiert: „Wir sind nur auf den Power-Strecken vorne. Aber wenn wir zum Beispiel nach Singapur kommen, wird Ferrari wieder genauso schnell sein wie zuletzt in Ungarn. Diese Saison wird noch sehr interessant.“ Bringt Ferraris Allrounder Vettel also den entscheidenden Vorteil im WM-Kampf?

Hamilton behielt die Nase gegen Vettel vorn

Der Deutsche glaubt daran – unter einer Voraussetzung: „Wir müssen im Qualifying besser werden“, fordert Vettel. „Da kann Mercedes nach wie vor die Power hochdrehen und dadurch drei, vier Zehntel gewinnen.“ Schafft es Ferrari, den Spieß samstags umzudrehen, „dann ist es am Sonntag ein ganz anderes Rennen“, glaubt Vettel. „So war es ja auch heute: Wenn wir vorne sind, wird es für sie sehr schwierig wieder an uns vorbeizukommen. So wie es andersrum heute für uns schwer war, sie zu knacken. Wenn man mehr oder weniger die gleiche Pace hat, kann man fast nicht überholen.“

Trotzdem sieht Vettel die Scuderia auf dem richtigen Weg: „Wir müssen jetzt einfach so weitermachen.“ Besonders weil als nächstes Ferraris Heimrennen in Monza ansteht. „Alle im Team sind heiß darauf. Die Vorfreude ist riesig“, so Vettel, der nächstes Wochenende gegen Hamilton zurückschlagen will – am besten schon am Samstag.

Autor: Frederik Hackbarth