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Formel 1: Riesen-Zoff bei Force India Ocon: “Perez wollte mich töten!”

— 27.08.2017

Ocon: „Perez wollte mich töten!“

Mega-Ärger bei Force India: Esteban Ocon und Sergio Perez crashen in Spa gleich zweimal bei hohem Speed. Das Team kündigt Konsequenzen an.

Dieses Rennen hat für die Force-India-Piloten bestimmt noch ein Nachspiel: Für Sergio Perez wegen seines Verhaltens auf der Strecke, für Esteban Ocon wegen seines Auftritts danach. „Was ist los mit dem Typen? Dieser verf***te Idiot!“, schrie Ocon bei seiner zweiten Kollision mit Teamkollege Serio Perez auf der Anfahrt zur ultraschnellen Eau Rouge in den Funk. Schon am Start hatte es zwischen den Teamkollegen gekracht – an genau der gleichen Stelle.

„Er drückt mich bei Tempo 300 in die Wand. Er riskiert mein Leben und er riskiert seines“, regte sich Ocon nach dem Rennen vor TV-Reportern auf. Nach Verlassen der Strecke legte der junge Franzose in den sozialen Netzwerken noch einmal deftig nach: „Schadensbegrenzung heute. Wir hatten ein gutes Rennen bis Perez zweimal versucht hat mich zu töten! Hat er aber nicht geschafft, deshalb bin ich Neunter geworden“, twitterte er.

Otmar Szafnauer war stinksauer auf seine Piloten

Auch ohne den Tweet dürfte unter den Stallkollegen und bei den Teamverantwortlichen reichlich Gesprächsbedarf bestehen. Force Indias Teamleiter Otmar Szafnauer sprach seinen Piloten sogar die Mündigkeit ab und kündigte deutliche Konsequenzen an: „Bisher haben wir sie frei Rennen fahren lassen. Aber wenn sie das nicht hinkriegen, ändern wir das eben“, kündigte er für die Zukunft eine Teamorder an.

Was Szafnauer besonders aufregte: Es war nicht der erste Crash der beiden in den letzten Rennen. „Wir haben ihnen deshalb schon vorher angedroht, dass wir ihnen den Weg in Zukunft diktieren, wenn es wieder schiefgeht. Mittlerweile geht es um die Sicherheit, außerdem kosten sie das Team viele Punkte. Von jetzt an nehmen wir es in die Hand.“

Auch Ex-F1-Pilot Martin Brundle forderte das Team auf, die beiden Heißsporne an die kurze Leine zu nehmen. „Es wird langsam gefährlich. Es geht nicht nur um ihre Gesundheit, die Teile sind ja auch in Richtung der Fans und Streckenposten geflogen.“

Ziemlich beste Feinde: Esteban Ocon vs. Sergio Perez

Zumindest Perez zeigte sich nach dem Rennen, das er im Anschluss an die zweite Kollision nicht beendete, reumütig und nahm die Schuld auf sich – allerdings nur für den ersten Crash: „So etwas darf nie passieren. Ich muss mich entschuldigen und bin enttäuscht von mir selbst. Es ist das erste Mal in meiner Karriere, dass ich so etwas sagen muss.“ Der Grund für Perez’ Gang nach Canossa: „Ich habe am Start den falschen Motormodus gewählt, hatte nur 50 Prozent Power. Deswegen war auf der Geraden auf einmal Hülkenberg neben mir. Ich bin nach rechts, aber da war Esteban, den ich ehrlich nicht gesehen habe im Spiegel.“

Wie durch ein Wunder kamen beide Force India trotz des Kontakts unbeschadet durch Eau Rouge. Später im Rennen brodelte die Fehde dann aber über. Weil Perez fünf Strafsekunden für das Verlassen der Strecke bei einem anderen Überholmanöver erhielt, holte das Team ihn vorzeitig zum Boxenstopp – wodurch er vor Ocon landete. Dem Franzosen platzte wegen des teaminternen Undercuts schon am Funk der Kragen und wenig später knallte es deswegen erneut.

Perez machte den zweiten Vorfall an Ocons Unerfahrenheit fest: „Das war sehr optimistisch von ihm. Dort war kein Platz und er hätte noch die ganze Geraden danach Zeit gehabt für das Manöver. Es war vermeidbar.“

Ocon und Perez würdigten sich keines Blickes mehr

Ocons Antwort folgte prompt: „Sergio ist angeblich Profi. Heute hat er das nicht gezeigt. Er ist 27 Jahre alt, seit sieben Jahren in der Formel 1. Vielleicht sollte er mal darüber nachdenken, was er macht.“ Der Franzose wenig versöhnlich: „Die erste Aktion am Start akzeptiere ich. Wir waren zu dritt nebeneinander, da kann sowas passieren. Aber das zweite Manöver war eindeutig zu viel! Es gab einfach keinen Grund, das zu tun.“

Wie geht es nun weiter beim Zoff-Team Force India? „Wenn wir ehrlich sind, ging das ganze schon mit unserer Kollision in Baku los. So wie es jetzt ist, werfen wir zu viele Punkte weg. Wir müssen also reden“, kündigte Perez an. Ocons Ansage fiel gewohnt etwas aggressiver aus: „Ich werde Sergio die Wahrheit sagen. Ich habe keine Angst. Und wenn es in unserem Gespräch Mannswörter bedarf, dann wird es die eben geben!“

Autor: Frederik Hackbarth