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Formel 1: Red Bull kopiert Ferrari Kopierwerkstatt Red Bull: Vettel stichelt

— 16.09.2017

Kopierwerkstatt Red Bull: Vettel stichelt

Red Bull heizt Ferrari in Singapur ordentlich ein. Sebastian Vettel zieht sein altes Team indes damit auf, in Maranello gespickt zu haben. Die Technik im Detail.

Gerade hat er die schnellste jemals in Singapur gefahrene Runde gedreht – trotzdem findet Sebastian Vettel wieder ein Haar in der Suppe! Diesmal sind es die seitlichen Luftleitbleche am Red Bull, die der Ferrari-Star im provisorischen Parc Femée intensiv begutachtet.

In der Pressekonferenz wird Vettel später gefragt, was ihm da auffiel. Daniel Ricciardo legt breit grinsend seinen Arm um den Heppenheimer und nimmt ihm die Antwort vorweg: “Er vermisst uns.” Witzbold Vettel kontert: “Aber nicht dich!”

Vettel und Ricciardo nach dem Qualifying am Samstag

Der Ferrari-Star nimmt die gute Laune auf dem PK-Podium auf und stichelt zurück: “Dieses eine Luftleitelement kommt direkt von unserem Wagen!”, verrät er. “Eine glatte Kopie! Ich habe schon gestern meine Jungs gefragt – bauen wir seit neuem unsere Teile auch in Mattblau?”

Fakt ist: Die scchleifenförmigen Leitbleche gelten als eines der Erfolgsgeheimnisse des Ferrari. Die Italiener waren bislang das einzige Team, dass die sogenannten Turning Vanes so vor den Seitenkästen anordnet, um die Luft besser in Richtung Unterboden zu lenken und so den Abtrieb zu erhöhen.

Jetzt scheint auch Design-Guru Adrian Newey Gefallen gefunden zu haben aus der Idee aus Maranello. Aber nicht nur daran. Ähnlich wie Ferrari fährt auch Red Bull mit einem doppelten T-Flügel im Heck. Der rote Renner steht mittlerweile also Modell für das Auto, das sonst immer als aerodynamisches Nonplusultra galt.

Und das als absoluter Pole-Kandidat ins Qualifying gegangen war. Teamchef Christian Horner: “Wir waren jede Session Schnellster und dann, wenn es zählt, dreht Ferrari wieder auf. Sie sind fünf km/h schneller auf den Geraden als wir.”

Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko resümiert: “Wenn’s drauf ankommt, kann Seb immer noch mal einen drauflegen. Unsere Fahrer haben sich verrückt machen lassen. Beide konnten sich im letzten Run entweder gar nicht (Verstappen; d. Red.) oder nur minimal steigern. Vettel dagegen spulte die entscheidende Runde routiniert ab.”  

Trotzdem bläst Red Bull zum Angriff: “Mit gutem Start und unserer Pace ist noch alles drin”, glaubt Horner. “Wir machen es Seb morgen schwer. Wir haben nichts zu verlieren, während er an eine WM denken muss!” Gut möglich, dass Red Bull Vettel mit einem Undercut unter Druck setzen will. Zum Problem für den Ferrari-Star könnte dabei werden, dass Red Bull zwei Eisen im Feuer hat, Ferrari nur eines.”


Fotos:
Paolo Filisetti / Picture-Alliance