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Formel 1: Nigel Mansell im Portrait Die Drama-Queen der Formel 1

— 16.08.2017

Die Drama-Queen der Formel 1

Fast 150 britische Formel-1-Piloten, darunter zehn Weltmeister. Großbritannien ist die erfolgreichste Motorsportnation. Einer ragt heraus.

Die Heimat des Motorsports ist Großbritannien. Nirgends ist der Rennsport so populär wie auf der Insel. Jedes Jahr ausverkauftes Haus beim Grand Prix, sieben von zehn Teams im eigenen Land verwurzelt, Tradition und Ruhm. In Zahlen ausgedrückt: 146 Formel-1-Piloten, 19 Rennsieger, zehn Weltmeister – da kann kein anderes Land dagegen halten.

Lewis Hamilton hat sich in den vergangenen Jahren zum erfolgreichsten Motorsportler (aller Zeiten gekrönt. Seine drei WM-Titel erreichte auch Jackie Stewart, seine 57 Siege aber übertrumpfen Nigel Mansells 31 Siege um 26! Und in Sachen Pole-Positions holt Hamilton (67) wohl schon in Kürze Michael Schumacher (68) ein.

Hamilton polarisiert, spielt mit den sozialen Netzwerken, vermarktet sich als Superstar. Er ist damit der prädestinierte Nachfolger von Nigel Mansell, der Dramaqueen der Formel 1 – der vor 25 Jahren Weltmeister wurde. Keiner war theatralischer als der Schnauzbart-Träger. Er inszenierte Zusammenbrüche auf dem Podium oder noch auf der Strecke (Dallas 1984). Er verwickelte sich gern in Handgemengen (Belgien 1987 mit Ayrton Senna) oder temperamentvollen Wortgefechten. Aber auf der Strecke war Mansell ein Kämpfer. Nicht umsonst wird er auch Nigel der Löwe genannt.

Nigel Mansell war immer wieder für spektakuläre Szenen gut

Kämpfen musste er auch, bis er es überhaupt in die Formel 1 schaffte. Haus verkauft, Kredit aufgenommen, Risiken in Kauf genommen. Es zahlte sich aus. Auch wenn er sich beim ersten Grand Prix 1980 in Österreich im Lotus-Ford den Hintern verbrannte – wegen auslaufenden Benzins. Die ersten Jahre hatte er Mühe mit seinem Lotus-Kollegen Elio de Angelis mitzuhalten. Bei Williams platzte der Knoten: 1986 und 1987 den Titel zwar unter dramatischen Umständen knapp verloren (Reifenplatzer im Finale 1986), aber viele Rennen gewonnen. Und die Herzen der Fans.

Le Mans mit beiden Söhnen

Und Mansell wurde noch Weltmeister, zwei Jahre nachdem er seinen Rücktritt verkündet hatte. Auch das gehörte zu seiner Theatralik. Als er 1990 in Silverstone erklärte, am Ende der Saison abzudanken, waren die Fans panisch. „Ich habe 10.000 Briefe bekommen. 9999 Fans baten mich, weiterzufahren – der 10.000 wünschte mir viel Glück für mein Leben“, erinnert sich der heute 63-Jährige.

Mansell blieb. Er wechselte zurück zu Williams, wurde 1992 im überlegenen Williams-Renault Weltmeister. Mit neun Siegen und 14 Poles riss er einen Saison-Rekord nach dem anderen nieder. Mit 39 Jahren auf dem Buckel. Und trotzdem beschwert sich Mansell: „Wenn Ayrton Senna gewinnt, ist es immer sein fahrerisches Genie – bei mir immer nur das Superauto.“

Frank Williams setzte Mansell prompt Alain Prost vor die Nase. Mansell flüchtete in die IndyCar, wurde dort auf Anhieb Meister. Sein Aus in der Formel 1 war nicht freiwillig. Mansell fuchsteufelswild: „Der einzige Grund, wieso ich 1993 in die Formel 1 zurückkehren könnte: Prost im Williams nieder kämpfen. Und wenn es nur für ein Rennen in Silverstone sein sollte. Ich mach ihn dort lächerlich.“

Weitere Fahrerportraits:

Mansell kam wieder, allerdings erst 1994 für ein paar Rennen. Das Finale in Adelaide gewann er sogar nochmal. 1995 wechselte er zu McLaren, passte dort aber nicht mehr ins Auto. Nach zwei Rennen zog er die Reißleine. Die Formel-1-Karriere war beendet. Nach 187 Rennen, 31 Siegen, 32 Pole-Position, 30 Schnellsten Rennrunden und 480 WM-Punkten. Er blieb dem Rennsport lange verbunden, bestritt 2010 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Leo und Greg Mansell. Schied aber aus – schon früh im Rennen mit einem Crash wegen eines Reifenschadens. Drama um Mansell – wie sollte es anders sein.