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Formel 1: Motorregeln für 2021 Ferrari und Mercedes gegen FIA-Vorschlag

— 31.10.2017

Ferrari und Mercedes gegen FIA-Vorschlag

Die neuen Motorregeln für die Saison 2021 wurden vorgestellt: Die aktuellen Turbomotoren sollen stark vereinfacht werden. Nicht alle sind dafür.

Aufbruchsstimmung in der Formel 1. Die Inszenierungen in Amerika und Mexiko waren nur der Anfang. Die Königsklasse des Motorsports wird umgekrempelt, auch technisch. Heute hat der neue Formel-1-Besitzer Liberty Media zusammen mit dem Automobilweltverband FIA in Paris den Teams und Herstellern das Motorenkonzept für die Jahre 2021 bis mindestens 2025 präsentiert. Es sind Triebwerke, die einfacher, billiger, aber lauter sein werden. Und die 1000-PS-Grenze knacken. 

Formel-1-Sportdirektor Ross Brawn hat im Vorfeld die Meinungen und Wünsche von 13 interessierten Motorbauern eingeholt. Herausgekommen ist eine Vision für den Motor der Zukunft.

Die Basis soll bleiben: 1,6 Liter Hubraum, sechs Zylinder, ein Turbolader. Aber die MGU-H fällt weg. Sie verwandelte die Abgaswärme in Energie um. Doch für unabhängige Motorhersteller war das zu komplex, für Hersteller zu teuer, für den Sound kontraproduktiv. Das und 3000 höhere Umdrehungen (dann 15.000 Umdrehungen) im Verbrenner sollen den Lärm in die Formel 1 zurückbringen.

Die MGU-K, also das Energierückgewinnungssystem, das Bremsenergie in PS umwandelt, soll dagegen stärker werden. Und: Die Energie darf vom Fahrer kontrolliert werden – und strategisch eingesetzt werden. So kann der Pilot in Zukunft über mehrere Runden die Batterien aufladen und die Energie etwa für einen Überholversuch auf einen Schlag abrufen können.

Die Formel 1 startet in die Zukunft

Um die Kosten zu senken, sollen aber auch viele Teile standardisiert werden. Batterien und Elektronik werden einheitlich sein, für das Innenleben im Motor, für Kraftstoffe und für das Design der Antriebseinheiten wird es strenge Vorschriften geben. Die Details werden noch ausgearbeitet. Damit soll auch gewährleistet werden, dass sich ein Hersteller gegenüber einem anderen sportlich zwar noch einen Vorteil erarbeiten kann, aber die Lücke zwischen den Motorbauern nicht mehr so groß ist wie aktuell.

Ross Brawn: “Die 2021er Motoren sind ein Beispiel für den künftigen Weg wie die FIA als Regelgeber, der Formel 1 als kommerzielle Rechteinhaber und die Teams und Hersteller als Teilhaber zusammenarbeiten werden. Dazu haben wir ausführlich die Fans angehört, wie sie die Motoren sehen und was sie sich in Zukunft wünschen.”

Doch die heute vorgestellte Vision hat einen Haken: Sie ist noch nicht endgültig. Laut FIA soll jetzt eine Reihe von Meetings beginnen, bei denen die Vorschläge noch einmal diskutiert und entwickelt werden können. Wie AUTO BILD MOTORSPORT erfuhr, sind Ferrari, Mercedes und Renault noch dagegen. Sie argumentieren, dass ein solcher Motor komplett neu entwickelt werden müsste. Das wiederum kostet noch mehr Geld. Honda zeigte sich neutral. Red Bull begrüßt die Vision: “So ein Motor ist ganz in unserem Sinne”, sagt Red Bull-Sportchef Helmut Marko zu ABMS. Wichtig ist nun, dass FIA und Liberty nicht von ihrer Linie abweichen. Dann würden wohl auch weitere Hersteller wie Porsche auf den Formel-1-Zug aufspringen.

Das Motorenkonzept ist indes nur ein Teil der großen Revolution. Punkt zwei wird eine neue Aerodynamik. Entgegen den neuen Regeln für 2017 soll die Aerodynamik künftig abgerüstet werden. Das Verhältnis zwischen Leistung und Abtrieb soll sich mehr auf Seiten der Leistung bewegen. Dann wird das Fahren wieder schwieriger und das Überholen einfacher.

Und schon nächste Woche wird Liberty Media Punkt drei präsentieren: eine Budgetobergrenze. Beginn: 150 Millionen Euro, Tendenz sinkend. Das soll auch die kleinen Teams wieder in Schlagdistanz zu den Top-Rennställen bringen. Und vor allem neue Mannschaften anlocken.


Autoren: Michael Zeitler, Bianca Garloff, Ralf Bach


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