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Formel 1: Mercedes triumphiert in Spa Hamilton hält Vettel in Schach

— 27.08.2017

Hamilton hält Vettel in Schach

Lewis Hamilton gewinnt den Beglien GP vor Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo. Max Verstappen wieder im Pech. Alle Infos zum Rennen in Spa:

Das größte Geschenk zum 200. Grand Prix hat sich Lewis Hamilton am Sonntag in Spa selbst gemacht: In einem immer knappen Kampf mit WM-Rivale Sebastian Vettel behielt der von Pole-Position aus gestartete Brite die Nase am Ende vorne und verkürzte seinen Rückstand im Titelduell auf nur sieben Punkte.

Vettel jagte Hamilton vom Start weg um den Kurs

“Die Leute sagen, man wird langsamer mit dem Alter. Aber hier stehe ich nach meinem 200. Rennen und fühle mich stärker denn je”, erklärte Hamilton mit einem breiten Grinsen nach seinem 58. Grand-Prix-Sieg. “Es war ein starkes Wochenende und ein toller Job vom Team”, sagte der Brite, der auch seinen WM-Rivalen im Ferrari lobte: “Sebastian hat einen tollen Kampf aufgestellt. Aber ich habe ja schon vorher gesagt, dass ich genau deshalb hier bin.” Vor allem am Start und im letzten Renndrittel musste Hamilton seine Führung gegen Vettel hart verteidigen.

Nach einer Safety-Car-Phase, ausgelöst durch eine Kollision der beiden Force-India-Piloten, wechselte Vettel beim zweiten und letzten Reifenwechsel auf die ultraweiche Gummimischung – Hamilton setzte erneut auf die langsameren, aber länger haltenden, weichen Pneus. “Wir hatten keinen frischen Satz ultrasoft mehr. Deswegen war die Meinung der Strategen am Kommandostand und in der Fabrik, dass soft besser ist für die letzten 13, 14 Runden, damit wir dann zum Schluss einen Vorteil haben. Am Ende die richtige Entscheidung”, verriet Mercedes-Sportchef Toto Wolff. “Wichtig war aber, in den ersten paar Runden die Attacken von Sebastian zu überstehen.”

Denn der Deutsche versuchte es direkt beim Re-Start, kam auch auf der langen Kemmel-Geraden neben Hamilton – zog dann, ohne Windschatten und auf der Außenbahn, aber den Kürzeren und musste sich anschließend mit Platz zwei begnügen.

Die Top-3 am Podium: Vettel, Hamilton, Ricciardo

Dritter hinter dem Top-Duo wurde Daniel Ricciardo im Red Bull, der seinerseits beim Re-Start ein tolles Manöver zeigte – sich gegen Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen jedoch erfolgreich durchsetzen konnte. Räikkönen, zuvor von einer 10-Sekunden-Strafe für das Nicht-Verlangsamen unter doppelt geschwenkten gelben Flaggen einbegremst, wurde Vierter vor Landsmann Bottas.

Der Grund für die gelben Flaggen war indes Max Verstappen. Der Holländer, der in Belgien mit seinen vielen Fans für ein ausverkauften Grand Prix sorgte, war einmal mehr im Pech. Schon nach acht Runden rollte er zur großen Enttäuschung seiner Anhänger mit einem Motordefekt am Renault-Aggregat seines Red Bulls aus.

Deutlich mehr zu feiern gab es bei Renault-Werkspilot Nico Hülkenberg. Der Emmericher fuhr ein starkes Rennen und kam hinter den Autos der drei Top-Teams als Sechster ins Ziel. Enttäuschend verlief der Belgien GP hingegen für Landsmann Pascal Wehrlein. Mit einem Problem an der Hinterradaufhängung musste er schon früh im Rennen seinen Sauber abstellen.

Ergebnis – Belgien GP:

1. Lewis Hamilton (Großbritannien) – Mercedes 1:24:42,820 Std.
2. Sebastian Vettel (Heppenheim) – Ferrari +2,358 Sek.
3. Daniel Ricciardo (Australien) – Red Bull +10,791

So lief der Samstag:

Pünktlich zu seinem 200. Grand-Prix-Wochenende in der Formel 1 hat Lewis Hamilton am Samstag in Spa Michael Schumachers bisherige Rekordmarke von 68. Poles eingestellt. Als erster Gratulant nahm kein Geringerer als F1-Boss und Ex-Schumacher-Teamchef Ross Brawn Hamilton auf der Start-Ziel-Geraden in Empfang: “Ich bin hier um eine besondere Nachricht von Corinna und der Schumacher-Familie zu überbringen”, sagte Brawn und richtete aus: “Gratulation, dass Du den Rekord eingestellt hast. Auch Michaels Motto lautete immer: Rekorde sind da, um gebrochen zu werden!”

Ross Brawn überrbrachte die Nachricht an Hamilton

Hamilton schossen Tränen der Rührung in die Augen: “Es ist unglaublich, was ich hier erreicht habe! Ein großer Dank an mein Team, aber auch an Ross. Er hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich in diesem Team bin.” Brawn war bis 2013 Teamchef bei Mercedes. Hamilton wurde im gleichen Jahr bei den Silberpfeilen Nachfolger des zurückgetretenen Schumacher. “Ein großes Danke für die Nachricht seiner Familie. Ich bete immer für sie und Michael”, sagte Hamilton über den Ende 2013 beim Skifahren schwer verunglückten Rekordweltmeister.

“Ich bin schon zu Kartzeiten gegen ihn gefahren auf seiner Bahn in Kerpen. Ich habe ihn immer bewundert und tue das auch heute noch. Er ist und bleibt einer der Besten aller Zeiten”, sagte Hamilton und fügte hinzu: “Ich fühle mich wirklich geehrt. Es war ein Privileg, dass ich gegen ihn und mit ihm fahren durfte.”

Hamilton streichelte sein Auto nach der Rekord-Pole

Hamilton ließ am Samstag nie einen Zweifel daran aufkommen, dass er den Pole-Rekord auf dem Highspeedkurs von Spa einstellen würde. “Es ist eine meiner Lieblingsstrecken. Hier so eine Runde zusammenzubringen, ist ein Traum. Ich habe den besten Job der Welt!”, freute sich der Brite, der mit seiner Runde von 1:42,553 Minuten einen neuen Streckenrekord aufstellte und Ferrari-Star Sebastian Vettel um 0,242 Sekunden auf den zweiten Rang verwies. Der Heppenheimer war nach Brawn der zweite Gratulant bei Hamilton und beglückwünschte den Mercedes-Star mit einem Lächeln.

Dritter hinter den beiden WM-Rivalen wurde Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil. Der Finne hatte allerdings schon satte 0,541 Sekunden Rückstand auf Hamiltons Bestzeit. “Lewis hat heute einen perfekten Job gemacht. Ich habe aus irgendeinem Grund an diesem Wochenende mit dem Auto zu kämpfen. Platz drei ist für morgen aber trotzdem ein guter Startplatz”, sagte Bottas. In der WM liegt der Finne derzeit 33 Zähler zurück, Hamilton fehlen 14 Punkte auf Spitzenreiter Vettel.

Auch Vettel war einer der ersten Gratulanten

Spa-Spezialist Kimi Räikkönen kam im zweiten Ferrari nicht über Platz vier hinaus, vor den beiden Red Bulls von Max Verstappen und Daniel Ricciardo. Nico Hülkenberg überraschte im Renault als starker Siebter. Nicht so gut lief es hingegen für Pascal Wehrlein. Der Worndorfer kam auf den 20. und letzten Platz. Von Strafversetzungen gegen andere Piloten kann er ebenfalls nicht profitieren, weil Wehrlein wegen eines Getriebewechsels am Sauber selbst noch fünf zusätzliche Startplätze aufgebrummt bekommt.

So lief das Abschlusstraining:

WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel und Titelrivale Lewis Hamilton gehen Kopf an Kopf in das Qualifying zum Belgien GP (14:00 Uhr live bei Sky und RTL). Nur eine Tausendstelsekunde trennte die beiden Kontrahenten auf dem über sieben Kilometer langen Ardennen-Kurs im Abschlusstraining am Samstagvormittag. Vettel lag dabei als Zweiter einen Hauch vor Hamilton. Die Beszteit im Warmfahren vor dem Zeittraining schnappte sich aber Kimi Räikkönen im anderen Ferrari. 0,197 Sekunden Vorsprung hatte er auf Vettel.

Mit bereits einer Sekunde Rückstand auf die Top-3 folgte der Niederländer Max Verstappen im Red Bull auf Rang vier. Teamkollege Daniel Ricciardo belegte die sechste Position. Zwischen die beiden Red Bulls schob sich Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. Der WM-Dritte aus Finnland konnte die Zeiten der anderen Top-Piloten von Ferrari und Mercedes nicht mitgehen, 1,3 Sekunden betrug sein Rückstand auf die Spitze.

Renault-Pilot Nico Hülkenberg verpasste im dritten Training die Top-10 als Elfter knapp. Pascal Wehrlein fuhr im Sauber auf die 19. und vorletzte Position. Probleme gab es bei Daniil Kvyat. Der Russe musste seinen Toro Rosso mit einem technischen Defekt auf der Strecke abstellen.

So lief der Freitag

Sebastian Vettels WM-Verfolger Lewis Hamilton hat die Tagesbestzeit zum Auftakt des Großen Preises von Belgien aufgestellt. Der Brite blieb im Mercedes in 1:44.753 Minuten als einziger Fahrer im Training unter der 1:45er-Marke. Vettel belegte in der zweiten Trainingseinheit am Freitagnachmittag den fünften Platz mit 0,482 Sekunden Rückstand. Auch auf den Longruns lag Ferrari gut eine halbe Sekunde hinter den Silberpfeilen.

Vettel jagte Hamilton vom Start weg um den Kurs

Aussagen über den Vergleich zum WM-Konkurrenten wollte der Deutsche trotzdem noch keine treffen. “Dazu habe ich noch nicht genug gesehen von ihnen”, sagte Vettel und fügte mit Blick auf die eigene Performance an: “Es war ok heute, aber ich bin noch nicht happy mit mir und meinem Auto.” Vettel, der laut eigener Aussage ein paar kleine Fehler auf seinen Runden hatte: “Es war nicht der beste Tag, was den Rhythmus angeht. Aber wir haben verstanden warum und wissen, was dem Auto fehlt.”

Der Heppenheimer: “Was die Balance angeht, sind wir nicht weit weg. Aber es muss noch besser gehen. Das Verhältnis von vorne zu hinten stimmt noch nicht: Das Auto schiebt noch sehr über die Vorderräder, ist noch ein bisschen zu nervös auf der Hinterachse.” Was Vettel aber Mut macht: “Wir können bis morgen ja noch einiges ändern. Das Auto ist schon gut, wir müssen es nur zusammenbringen. Ich glaube also, da kommt noch was von uns.”

Die Top-3 am Podium: Vettel, Hamilton, Ricciardo

Auch, weil Vettel-Teamkollege Kimi Räikkönen nach seiner Bestzeit am Vormittag auch in der zweiten Session immerhin auf Platz zwei hinter Hamilton fahren konnte. Dritter wurde Valtteri Bottas im zweiten Mercedes, Rang vier ging an den in Belgien geborene Niederländer Max Verstappen im Red Bull.

Gegen Ende der Session wurde der Zeitenjagd dann Einhalt geboten durch einsetztenden Starkregen in den Ardennen. Renault-Pilot Nico Hülkenberg lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz sieben, Pascal Wehrlein kam im Sauber in der Endabrechung auf den vorletzten Platz.

So lief das erste Training

Spa-Spezialist Kimi Räikkönen hat im ersten Freitagstraining zum Belgien GP die Bestzeit erzielt: 1:45.502 Minuten benötigte der viermalige Sieger beim Rennen in den Ardennen für seinen schnellsten Umlauf und war damit 53 Tausendstel schneller als Mercedes-Mann Lewis Hamilton. Der Brite beeindruckte aber dennoch, fuhr er seine Zeit doch auf den weichen Reifen. Räikkönen und die übrigen Top-Piloten waren auf der schnelleren ultraweichen Mischung unterwegs.

Ferrari-Star Sebastian Vettel ordnete sich im ersten Aufgalopp nach der Sommerpause als Dritter direkt hinter Titelrivale Hamilton ein. 0,145 Sekunden fehlten dem Heppenheimer zur Bestzeit von Teamkollege Räikkönen. Die Plätze vier und fünf belegten am Freitagvormittag die Red Bulls von Max Verstappen und Daniel Ricciardo. Etwas holprig begann der Tag bei Valtteri Bottas. Beim Versuch, einem anderen Fahrer Platz zu machen, kam er von der Strecke ab und touchierte leicht die Bande – Bottas konnte aber weiterfahren, wurde Sechster.

Weitaus schlimmer erwischte es Felipe Massa. Der Williams-Pilot pfefferte sein Auto schon früh in der Session ins Kiesbett und schlug hart in die Reifenstapel ein. Das Training wurde daraufhin kurz unterbrochen. Massa, der zuletzt in Ungarn krankheitsbedingt aussetzen musste: “Ich bin okay. Ich habe das Heck verloren, da war nichts zu machen.” Mit seinen am Rennwochenende in Budapest aufgetretenen Schwindelgefühlen habe der Ausritt aber “nichts zu tun”, versicherte er. Trotzdem musste Massa das Streckenkrankenhaus für einen Check aufsuchen.

Renault-Pilot Nico Hülkenberg beendete die erste Trainingssession als Zwölfter, direkt hinter Teamkollege Jolyon Palmer und mit 2,5 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Pascal Wehrlein kam im Sauber nicht über den vorletzten Platz hinaus. An seinem Auto gab es Motorprobleme, weswegen der Worndorfer in der ersten Sitzung nur wenig zum fahren kam.

Autor: Frederik Hackbarth