/Formel 1: Lauda kritisiert Bottas “Undercut war Akt der Verzweiflung”

Formel 1: Lauda kritisiert Bottas “Undercut war Akt der Verzweiflung”

— 13.11.2017

„Undercut war Akt der Verzweiflung“

Nur ein Merceds erfüllt in Sao Paulo die Erwartungen der Bosse: Das ist trotz Platz vier Lewis Hamilton – und nicht der Zweitplatzierte Valtteri Bottas.

Dieser zweite Platz schmeckt Valtteri Bottas überhaupt nicht: „Es war einzig und allein mein Fehler. Ich hatte am Start weniger Grip als erwartet, als ich die Kupplung losgelassen habe. Dann haben die Räder durchgedreht“, sagt Bottas nach dem Rennen. Die Konsequenz: Der Finne verliert von der Pole aus schon auf den ersten Metern das Sprintduell gegen Sebastian Vettel.

Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte…

Anschließend jagt er den Deutschen 71 Runden lang um den Kurs von Sao Paulo. Vergeblich: „Es war unglücklich, weil unsere Pace mit der gleichen Strategie einfach identisch war. Auf den supersoften Reifen habe ich zunächst noch etwas mehr Druck auf Seb machen können, war eng dran“, so Bottas. Deswegen versucht es Mercedes in Runde 28 mit einem vorgezogenen Stopp, holt ihn an die Box. „Der Undercut war ein Akt der Verzweiflung. Wir wussten, dass eigentlich eine halbe Sekunde fehlt, aber wir haben es trotzdem probiert“, räumt Mercedes-Teamchef Toto Wolff ein.

Doch Ferrari reagiert umgehend, Vettel stoppt nur eine Runde später – und behält die Nase vorne. Bottas: „Danach habe ich erst mal ein bisschen gewartet, um zum Schluss nochmal angreifen zu können. Aber es hat nicht gereicht. Wir waren hier einfach gleichauf mit Ferrari, was nicht gut ist. Wir müssen vor ihnen sein.“

Niki Lauda war nicht von Bottas’ Leistung überzeugt

Wie groß der Druck bei Mercedes ist, das sicherzustellen, zeigen die Aussagen von Niki Lauda nach dem Rennen. Er kritisiert Bottas indirekt. „Vettel war heute der Schnellere, da gibt es keine Frage. Er hat verdient gewonnen. Valtteri hat auch den Platz geholt, den er verdient hat“, sagt der Österreicher über P2. „Ihn zu beurteilen ist schwer. Weil ich glaube, dass Vettel an der Spitze mit ihm gespielt hat. Er ist nicht schneller gefahren als nötig“, sagt Lauda. Auch Toto Wolff glaubt: „Vettel hat die Pace gemanagt.“

Der Ferrari-Star selbst widerspricht den Mercedes-Bossen allerdings, erklärt: „Es war nicht so einfach, wie es aussah. Ich musste die ganze Zeit pushen, damit Valtteri nie nah genug rankam fürs DRS-Fenster.“ Bei der Frage nach dem schnellsten Mann am Sonntag in Sao Paulo hat Vettel indes den Viertplatzierten ganz oben auf dem Zettel: „Ich glaube, es ist fair zu sagen, dass Lewis ein bisschen schneller war. Dabei hat ihm aber auch seine Strategie mit den supersoften Reifen im zweiten Stint geholfen. Damit kannst du am Rennende natürlich mehr Druck von hinten machen.“

Bottas verlor das Rennen gegen Vettel schon am Start

Hamilton war nach seinem Quali-Crash mit weichen Reifen aus der Boxengasse gestartet. Das frühe Safety-Car und Mercedes’ überlegene Motorpower den Berg rauf, brachten den Weltmeister schnell wieder in eine gute Ausgangsposition. Immerhin darüber herrschte bei den Silberpfeil-Bossen in Sao Paulo Freude: „Das war volle Bohne! Andy (Cowell, Motorchef; d. Red.) hat in Brixworth höchstpersönlich den Motor hochgedreht“, lacht Toto Wolff nach dem Rennen. „Wir konnten das Biest röhren hören, jedes Mal, wenn er hier vorbeigezischt ist.“ Nur Bottas suchte seinen Biest-Modus am Sonntag offenbar vergeblich.

Autor: Frederik Hackbarth