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Formel 1: Kubica-Comeback Deswegen kann er mit diesem Arm fahren

— 10.08.2017

Deswegen kann er mit diesem Arm fahren

Robert Kubica arbeitet unermüdlich für sein Formel-1-Comeback. Ex-Rosberg-Physio Daniel Schlösser erklärt, warum das trotz lädierten Arms möglich ist.

Sechs Jahre, 18 Operationen und viel Physio-Training sind seit dem schweren Unfall bei der Rallye Ronde di Andora von Robert Kubica vergangen. Der Crash im Skodia Fabia S2000 beendete seine hoffnungsvolle Formel-1-Karriere (Sieg in Kanada 2008) damals abrupt. Jetzt will Kubica zurück in die Königsklasse. In Ungarn testete der 32-Jährige für Renault 142 Runden, also mehr als die doppelte GP-Distanz – bei weit über 30 Grad Außentemperatur. Am Ende war er sechstschnellster von 21 Fahrern.

Kubica hat bei dem Test beeindruckt: Sein rechter Arm ist noch immer lädiert, die Bewegung eingeschränkt, nur 40 Prozent Muskelkraft erhalten. Und doch kann er einen Formel-1-Rennwagen – 2017 wieder deutlich schneller und körperlich anspruchsvoller – scheinbar mühelos bewegen. Wie ist das möglich?

Daniel Schlösser, bis zum Rücktritt noch Physiotherapeut von Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg und jetzt Trainer von Formel-1-Force-India-Testfahrer Nikita Mazepin, weiß: „Er hat sehr wohl noch Muskeln in seinem rechten Arm, das Volumen ist nur nicht mehr so groß.“

Beim Test in Budapest drehte Kubica 142 Runden im Renault

Doch ein Formel-1-Auto lässt sich auch mit relativ wenig Kraftaufwand aus den Handgelenken und Armen lenken. So erklärt er SPORTBILD: „Nico Rosberg hatte zum Beispiel immer sehr viel Spannung in den Handgelenken, musste die Unterarme deshalb stark trainieren. Andere Piloten drehen aufgrund einer anderen Fahrtechnik lockerer am Lenkrad – Nick Heidfeld zum Beispiel war so einer und wohl auch Kubica. Beide mussten nie so viel trainieren wie andere.“

Wie sieht die andere Fahrtechnik aus? Schlösser: „Beispiel Linkskurve: Statt rechts zu drücken, kann man mit links auch am Steuer ziehen. Je nach Grifftechnik kann das sogar effizienter sein.“

Ein Formel-1-Comeback traut er Kubica daher zu. „In Ungarn hat er bei großer Hitze ein Hardcore-Programm gefahren. Da kann sich so mancher junge Pilot eine Scheibe abschneiden. Wer das aushält, kann auch einen Grand Prix bestreiten.“

Autoren: Michael Zeitler, Bianca Garloff


Fotos:
Getty Images; Picture-Alliance