/Formel 1: Hamilton sagt danke Wolff hat Mitleid mit Ferrari

Formel 1: Hamilton sagt danke Wolff hat Mitleid mit Ferrari

— 17.09.2017

Wolff hat Mitleid mit Ferrari

Unerwarteter Sieg für Mercedes in Singapur: Weil sich Ferrari am Start selbst im Weg steht, macht Lewis Hamilton einen großen Schritt in der WM.

So eine erste Runde beim Singapur GP hätte sich Lewis Hamilton nicht einmal in seinen kühnsten Träumen ausmalen können: „Es war völlig verrückt. Alle vor mir sind einfach so verschwunden! Erst habe ich gesehen, wie sich Kimi (Räikkönen; d. Red) und Max (Verstappen) berühren. Ich war außen, habe mega-spät gebremst und eine ganz weite Linie in Turn eins genommen, weil ich wusste: Die Jungs kommen nochmal zurückgeschossen! Zum Glück ist Kimi erst hinter mir eingeschlagen.“

Hamilton mit Teamkollege Bottas, der Dritter wurde

Dann hat Hamilton seinen WM-Rivalen Sebastian Vettel vor der Nase. „Und plötzlich dreht er sich direkt vor mir! Ich habe nur gehofft, er räumt mich dabei nicht mit ab.“ Doch Hamilton kommt um den kreiselnden Ferrari rum. „Da habe mir gedacht: ‘Ok, das Rennen läuft. Ich führe. Als ich hinter Seb hing, dachte ich mir: ‘Jetzt gibt es ein richtiges Rennen.’ Für die Zuschauer tut es mir also leid, dass die Spannung ausgefallen ist. Aber für uns als Team war es natürlich besser so.“

Hamilton profitiert dabei vom Schauer, der pünktlich zum Start einsetzt. “Ich wusste”, sagt er, “was ich heute brauche, ist Regen. Als der kam, wusste ich, dass ich auch von Platz fünf aus gewinnen kann. Das sind meine Bedingungen, da hab ich die Pace. Ich liebe das.“ Red Bulls Daniel Ricciardo, am Freitag noch eine Sekunde schneller als die Mercedes, sah im Rennen kein Land gegen Hamilton.

Jubel im Ziel: Der Vorsprung beträgt jetzt 28 Punkte

Für den Briten entpuppt sich der Singapur GP somit zu einer „unglaublichen Wende“. Nicht nur im Rennen und in Bezug auf das zuvor schwache Mercedes-Wochenende – sondern auch für die WM. 28 Punkte führt er nun vor Vettel. Auch Silberpfeil-Sportchef Toto Wolff jubelt: „Das ist Motorsport: Beim Aufstehen heute haben wir uns gedacht, dass es nur um Schadensbegrenzung geht. Zwölf Stunden später stehen wir hier mit den Pokalen für Platz eins und drei. Und mit einem massiven Schritt in der WM.“

Im Rennen war Red Bull chancenlos gegen Mercedes

Wolff: „Wenn dein Hauptkonkurrent so die Punkte verliert, profitierst du natürlich – ich kann aber auch mit allen bei Ferrari mitfühlen, wie sich das anfühlt. Wir waren in der Vergangenheit selbst schon in der Situation, wo wir beide Autos in der ersten Runde verloren haben“, erinnert sich Wolff an den legendären Crash von Hamilton und Nico Rosberg 2016 in Barcelona. Daran, dass Ferrari schon in Malaysia zurückschlägt, hat Wolff keine Zweifel: „Sie hatten auch in Monza ein schlechtes Wochenende und waren hier wieder sehr schnell.“

Was Mercedes allerdings entgegenkommt: Weil das Team davon ausging, in Singapur hinterherzufahren, setzte man alte Motoren ein, schonte so das Material. Hamilton fuhr mit dem Aggregat aus Spanien, Bottas mit dem aus Monaco. Der Österreicher gibt aber auch zu bedenken: „So läuft es sicher nicht immer: Mexiko und Abu Dhabi werden zum Beispiel auch noch schwer für uns. Der Titelkampf ist noch lange nicht vorbei.“

Autoren: Frederik Hackbarth, Bianca Garloff, Ralf Bach