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Formel 1: FIA beruhigt Halo-Kritiker “Beste Lösung” überzeugt Piloten nicht

— 27.07.2017

“Beste Lösung” überzeugt Piloten nicht

Die FIA ist darum bemüht, die Kritik am 2018 kommenden Halo-System zu widerlegen und liefert eine große Analyse. Die Fahrer sind trotzdem skeptisch.

Zum Beginn des ersten Rennwochenendes nach der Bekanntgabe, dass die Formel 1 ab 2018 mit dem Halo-Bügel fahren wird, war die FIA am Donnerstag vor allem darum bemüht, die Kritiker der umstrittenen Entscheidung zu beruhigen. Renndirektor Charlie Whiting und der Sicherheitsdelegierte Laurent Meckies standen der versammelten Presse am erstan Tag auf dem Hungaroring Rede und Antwort – und legten dabei interessante Informationen vor:

So hat die FIA bei ihrer umfangreichen Analyse zur Halo-Einführung drei Arten von Unfällen unterschieden. Auto gegen Auto, Auto gegen Streckebegrenzung und Auto gegen externe Objekte. Dabei kam heraus: Bei keinem einzigen Crash-Szenario wäre Halo nachteilig gewesen. Einzig und allein bei Jules Bianchis Unfall in Suzuka 2014 hätte es nicht geholfen, weil die Wucht des Aufpralls zu groß war.

Der Halo-Bügel sorgt weiter für Diskussionen

Was aber beispielsweise die große Gefahr von herumfliegenden Rädern betrifft, erwies sich das Halo bei den Tests als mit Abstand beste Lösung, so die FIA. Denn das Alternativsystem, der Screen, ist „strukturell noch nicht stark genug“, erklärte Mekies. Wenngleich „das nicht heißt, dass das in Zukunft so bleibt.“

Das Argument vieler Halo-Kritiker, dass ohne Scheibe wie beim Screen, für zusätzliche Gefahr gesorgt sein könnte – weil etwa Teile ablenkt werden und den Körper des Piloten treffen könnten – entkräftigte Meckies. „Das Resultat unserer Versuche ist, dass man insgesamt die Sicherheit erhöht, wenn man etwas vor den Fahrer baut.“

Auch das Streitthema Aussteigen soll laut FIA-Untersuchungen kein Problem sein. Besonders das Szenario eines Überschlags war viel diskutiert worden, die Sorge groß, ein Fahrer könnte im Auto gefangen sein. Weil die Cockpitöffnung mit Halo aber weiter weg ist vom Boden, wenn ein Auto auf dem Dach liegt, hat der Fahrer sogar mehr Platz um herauszuklettern – so lautet zumindest die Auswertung der Daten durch die FIA. Falls der Winkel dennoch einmal so schlecht sein sollte, dass ein Pilot nicht rauskommt, platziert die FIA im Medical Car 2018 zusätzlich ein Gerät, mit dem sich Halo in wenigen Sekunden durchschneiden lässt.

Das Aussteigen soll laut FIA kein Problem werden

Allein: Was der Weltverband nicht wegwischen kann: Die Optik des Halo stößt nicht nur vielen Fans sondern auch den Fahrern sauer auf. „Ich bin mir sicher, dass es in der endgültigen Fassung nicht so schlecht aussehen wird, wie viele glauben“, beschwichtigte Whiting zwar am Donnerstag. Die Mehrheit der Piloten konnte der Brite damit aber nicht überzeugen.

„Ich bin dagegen und denke, dass es nicht das ist, worum es in der Formel 1 gehen sollte. Wir kommen in einen Bereich, wo es zu sicher ist, um noch aufregend zu sein. Ein gewisses Risiko gehört zum Image der Formel 1“, sagte beispielsweise Haas-Pilot Kevin Magnussen. Der Däne glaubt sogar: „Ich stimme nicht zu, dass die Sicherheit immer an erster Stelle stehen muss.“ Auch Max Verstappen zeigt sich kritisch und die Argumente für das System wenig überzeugend: “Ich mag es nicht und verstehe nicht, warum wir es brauchen. Die Halteseile der Reifen sind stark, sodass du nicht allzu schnell ein Rad verlierst. Wenn Teile rumfliegen wird es nicht schützen.“

Ferrari-Star Sebastian Vettel ist indes froh, dass es die Halo-Lösung wird – vor allem aber, weil der Screen, den er zuletzt in Silverstone testete, bei ihm Schwindelgefühle auslöste. Vettel: „Ich war kein großer Freund von Shield. Halo beeinträchtigt wenigstens nicht die Sicht. Ich kann aber verstehen, dass manche Leute sagen, so etwas gehöre nicht auf ein Formel-1-Auto.“ Der Deutsche findet es trotzdem „dumm und ignorant“, das Sicherheitssystem nicht zu nutzen, wenn es schon zur Verfügung steht.

Autor: Frederik Hackbarth