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Formel 1: Das sagen die Fahrer zu Halo Halo-Kritiker “dumm und ignorant”

— 27.07.2017

Halo-Kritiker “dumm und ignorant”

Die FIA ist darum bemüht, die Kritik am 2018 kommenden Halo-System zu widerlegen und liefert eine große Analyse. Die Fahrer sind trotzdem skeptisch.

Die Kritik am Heiligenschein “Halo” war groß. Der Schützbügel “Halo” soll ab 2018 den Kopf des Fahrers schützen. Doch die meisten Experten und Journalisten zerrissen den Cockpitbügel in der Luft. Ausgerechnet Sebastian Vettel, normalerweise ein Renn-Romantiker, stellte sich heute hinter die Entscheidung. Vettel: „Ich war kein großer Freund von Shield. Halo beeinträchtigt wenigstens nicht die Sicht. Ich kann zwar verstehen, dass manche Leute sagen, so etwas gehöre nicht auf ein Formel-1-Auto.“ Der Deutsche findet es aber „dumm und ignorant“, das Sicherheitssystem nicht zu nutzen, wenn es schon zur Verfügung steht.

Eine ganze Stunde lang nahmen sich FIA-Renndirektor Charlie Whiting und der Sicherheitsdelegierte Laurent Mekies heute Zeit, alle Hintergründe der Halo-Einführung zu erklären. Hauptargument für den Heiligenschein dabei: Bei keinem einzigen Crash-Szenario wäre Halo nachteilig gewesen. Einzig und allein bei Jules Bianchis Unfall in Suzuka 2014 hätte es nicht geholfen, weil die Wucht des Aufpralls zu groß war.

Der Halo-Bügel sorgt weiter für Diskussionen

Was die große Gefahr von herumfliegenden Rädern betrifft, erwies sich das Halo bei den Tests als mit Abstand beste Lösung. Denn das Alternativsystem, der Screen, ist „strukturell noch nicht stark genug“, erklärte Mekies. Wenngleich „das nicht heißt, dass das in Zukunft so bleibt.“

Das Argument vieler Halo-Kritiker, dass Teile ablenkt werden und den Körper des Piloten treffen könnten, entkräftigte Mekies. „Das Resultat unserer Versuche ist, dass man insgesamt die Sicherheit erhöht, wenn man etwas vor den Fahrer baut.“ Und: Auch das Aussteigen soll nicht erschwert werden. Falls der Winkel so schlecht sein sollte, dass ein Pilot nicht rauskommt, platziert die FIA im Medical Car 2018 ein Gerät, mit dem sich Halo in wenigen Sekunden durchschneiden lässt.

Das Aussteigen soll laut FIA kein Problem werden

Allein: Was der Weltverband nicht wegwischen kann: Die Optik des Halo stößt nicht nur vielen Fans sondern auch den Fahrern sauer auf. „Ich bin mir sicher, dass es in der endgültigen Fassung nicht so schlecht aussehen wird, wie viele glauben“, beschwichtigte Whiting. 

„Die Sicherheit steht immer an erster Stelle“, stimmte Force-India-Fahrer Sergio Perez der FIA-Argumentation zu. Routinier Fernando Alonso verwies wie Kollege Vettel auf die Todesfälle der früheren Rennfahrer Henry Surtees und Justin Wilson, die durch einen Cockpitschutz wohl verhindert worden wären. „Wenn wir in der Zeit zurückgehen könnten, um ihre Leben zu retten, wären wir glücklich. Die Ästhetik kümmert mich nicht. Als die Sicherheitsgurte eingeführt wurden, hat sich auch keiner beschwert“, verglich der Spanier.

Doch es gab auch unter den Fahrern die Halo-Kritiker. „Ich bin dagegen und denke, dass es nicht das ist, worum es in der Formel 1 gehen sollte. Wir kommen in einen Bereich, wo es zu sicher ist, um noch aufregend zu sein. Ein gewisses Risiko gehört zum Image der Formel 1“, stellte Haas-Pilot Kevin Magnussen fest. Der Däne polarisiert mit seiner Aussage: „Ich stimme nicht zu, dass die Sicherheit immer an erster Stelle stehen muss.“ Auch Max Verstappen ist gegen den Halo: “Ich mag es nicht und verstehe nicht, warum wir es brauchen. Die Halteseile der Reifen sind stark, sodass du nicht allzu schnell ein Rad verlierst. Wenn Teile rumfliegen, wird es nicht schützen.“

Mercedes-Star Lewis Hamilton gibt sich zwiegespalten: „Die Autos sind schon jetzt zu schwer. Ich hoffe, sie verringern das Gewicht noch“, so der Brite. Seine Prognose: „Ich denke, dass wir uns auf ein geschlossenes Cockpit zubewegen.“

Autor: Frederik Hackbarth