/Formel 1: Arme Renault-Ingenieure Alonso will erst den Motor sehen

Formel 1: Arme Renault-Ingenieure Alonso will erst den Motor sehen

— 15.09.2017

Alonso will erst den Motor sehen

Nach drei Jahren Honda-Frust will Fernando Alonso nicht die Katze im Sack kaufen. Er macht seine Unterschrift von den Renault-Daten abhängig.

Es war der Lacher am Freitag in Singapur: Fernando Alonso wird von seinem Renningenieur gefragt, ob er noch einen weiteren schnellen Versuch absolvieren will. „Nein, nein! Bitte nicht!“, hallt es Funk aus Alonsos Mund zurück. Danach informiert ihn sein Ingenieur, dass er aktuell auf Platz sieben liegt. „Mit einem anderen Motor wären wir Erster“, ätzt Alonso zurück. Ein letzter Schlag in die Magengrube von Honda, am Tag, an dem McLaren das Ende der Zusammenarbeit mit den Japanern bekanntgibt.

Wann verlängert Alonso seinen McLaren-Vertrag?

Allein: Die Frage bleibt, ob es beim Traditionsteam aus Woking mit Renault-Aggregaten 2018 wirklich so viel besser wird. Stand jetzt wechselt man vom schwächsten Motor zum zweitschwächsten. Die Renault-Ingenieure dürfen sich jedenfalls schon mal warm anziehen: Dass Alonso mit seiner Kritik nicht zimperlich ist, hat er die letzten Jahre ausreichend bewiesen.

Trotz des Renault-Deals – noch hat der Spanier seinen Vertrag mit McLaren auch nicht verlängert. Er will nämlich erst mit den Motoren-Ingenieuren der Franzosen reden, um sich selbst ein Bild über die Entwicklung zu machen. Und erst dann endgültig seine Zukunft entscheiden. „Ich hatte noch keinen Einblick in die Daten, was Renault erwartet und wie die geplanten Verbesserungen für nächstes Jahr aussehen“, sagt Alonso am Freitag in Singapur.

Fernando Alonso weiß, wie man mit Renault gewinnt

„Nach diesem Rennen, werde ich versuchen mit ihnen in Kontakt zu kommen, um mehr zu wissen und mir ihre Pläne anzuschauen. Dann werde ich eine Entscheidung treffen“, erklärt Alonso. Immerhin: Der Asturier holte seine beiden WM-Titel mit Renault, fuhr schon zweimal für das damalige Werksteam der Franzosen – von 2003 bis 2006 und dann noch einmal von 2008 bis 2009.

Eine Garantie, dass Alonso gefällt, was er zu sehen bekommt, ist das natürlich nicht. „Man weiß nie, ob es ein guter oder schlechter Schachzug des Teams war“, sagt er überraschend zu McLarens Wechsel zu Renault – den er als Honda-Chefkritiker selbst am allermeisten vorangetrieben hatte – und fügt an: „Wenn McLaren sich entscheiden hat, sich von Honda zu trennen und zu Renault zu gehen, dann wahrscheinlich, weil sie gute Informationen mit Blick auf nächstes Jahr haben.“ Die will Alonso auch zu Gesicht kriegen, bevor er seine Unterschrift setzt.

Die besten Bilder aus Singapur und alle weiteren Impressionen vom Nachtrennen in der Galerie:

Hülkenberg lacht über Negativ-Rekord:

Der Singapur GP wird für Nico Hülkenberg wohl zur unfreiwilligen Rekordfahrt – doch immerhin nimmt der Deutsche diesen Umstand mit dem nötigen Humor. “Ich habe lange warten und wirklich hart arbeiten müssen, um diesen Titel zu bekommen und den Rekord zu haben”, scherzte Hülkenberg am Donnerstag im Fahrerlager beim Nachtrennen.

Nico Hülkenberg löst wohl Landsmann Adrian Sutil ab

Am Sonntag dürfte er aller Voraussicht nach der Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Starts in der Geschichte der Formel 1 werden, ohne dabei jemals auf dem Podest gestanden zu haben. 128 Mal versuchte es der mittlerweile 30 Jahre alte Rheinländer bisher, genauso oft wie Noch-Rekordmitinhaber Adrian Sutil, dessen F1-Karriere Ende 2014 bei Sauber ohne Glanz und Podium endete.

“Die Sutil-Ära wird vorbei sein, jetzt beginnt die Ära Hülkenberg”, lachte der Renault-Pilot und fügte mit einer gehörigen Portion Selbstironie an: “Das ist auch eine Leistung: Ich bringe keine Leistung, aber bin immer noch da!”

Kurios: Gleich beim ersten und einzigen Start gewann Hülkenberg 2015 bei den legendären 24 Stunden von Le Mans für Porsche. In der Formel 1 war ihm seit seinem Einstieg zur Saison 2010 aber noch nicht einmal ein Top-3-Resultat vergönnt. Die Plätze vier 2012 und 2016 in Belgien und 2013 in Südkorea, waren bisher das höchste der Gefühle für den Emmericher, der im Renault wohl auch dieses Wochenende auf dem Marina Bay Circuit chancenlos bei der Vergabe der Pokale sein dürfte.

Autor: Frederik Hackbarth