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Ford Fiesat/Seat Ibiza: Test Krallt sich Ford den Ibiza?

— 03.08.2017

Krallt sich Ford den Ibiza?

Fiesta Mexicana in der Kleinwagen-Liga! Im AUTO BILD-Vergleich muss der
neue Ford Fiesta gegen Spaniens Seriensieger Seat Ibiza ran. Hossa!

Diesen Test eröffnet heute mal die Dame der Wahl. Sie sieht die Fotos auf diesen Seiten zu Hause am Notebook, betrachtet abwechselnd den Silbernen und “den Kleinen in dieser komischen Farbe”. Dann zieht Annette (41) ihr Fazit: “Der neue Fiesta sieht richtig gut aus, von vorne, von hinten, von innen mit dem coolen Cockpit!” Die Dame der Wahl hat entschieden, ohne gefahren zu sein. Wir durften schon. Und beantworten die wichtigste Frage: Krallt sich Ford den Seat Ibiza? Wissen wir!

Die beiden Kleinwagen treten mit Dreizylindern an

Video: Ford Fiesta vs Seat Ibiza (2017)

Kleinwagen-Duell

Natürlich sind wir hier bei AUTO BILD und nicht bei Germany’s Next Topmodel, gehen nicht nach Optik und verteilen schon gar keine Fotos. Wir haben knallharte Fakten. Die da wären: nagelneuer Fiesta, sieben Zentimeter gewachsen und somit nun 4,04 Meter lang. In unserem Vergleich tritt der Fiesta mit Einliter-Dreizylindermotor an, dem feinen 125-PS-Triebwerk, das in einem Ford Focus den AUTO BILD-Dauertest über 100.000 Kilometer nahezu ohne Abnutzung gemeistert hat. Ford EcoBoost? We love! Einen Dreizylinder hat auch der neue Seat Ibiza, ebenfalls einen Einliter, aber mit 115 PS etwas schwächer. Bei den Abmessungen kommen sich die beiden dann wieder nahe: Der Ibiza ist mit 4,06 Metern etwas länger, braucht in der Garage zwei Fingerbreit mehr Platz. Apropos: Wir müssen an dieser Stelle über das Platzangebot sprechen. Kofferraum: 355 bis 1165 Liter im Seat. Zum Vergleich der Fiesta: Mit 292 bis 1093 Litern zwar besser als bisher, aber in diesem Fall nur Vizemeister. Sitzen hinten: Der Fiesta hat mit 2,49 Metern den gleichen Radstand wie im Vorgänger, im Fond sitzen 1,80-Meter-Männer äußerst kommod.

Beim Platzangebot ragt der Ibiza in die Golf-Klasse

Macht sich schön lang: Mit seinen 2,56 Metern Radstand bietet der Ibiza auch Großen richtig viel Platz.

Im Vergleich liegt der Ibiza um Welten vorn: Dank 2,56-Meter-Radstand herrscht im Fond keine Kleinwagenatmosphäre, nee, das geht  eher in Richtung Golf-Klasse, so luftig ist das im Kopf- und Schulterbereich, so viel Platz gibt es für Knie und Füße. Wie die das schaffen bei Seat? Na, mit deutscher Hilfe! Möglich macht’s der Modulare Querbaukasten A0, auf dem der Ibiza aufbaut. Er darf die Technik sogar noch vor dem neuen VW Polo nutzen, der nach der IAA im Herbst 2017 kommt. Bleibt Sitzen vorn. Hier ist der Fiesta bauartbedingt luftiger. Das liegt an der flachen Frontscheibe, die ja dafür gesorgt hat, dass Annette den Fiesta “irgendwie stylisher und sportlicher designt” findet. Haken an der Sache? Verschenkter Raum! Wir fühlen auch auf den Vordersitzen wieder die Reife des Ibiza. Sitze verstellen? Kein Problem, der Abstand zwischen Drehrädchen und B-Säule ist ausreichend auch für große Hände. Der Fiesta will nur von zarten Damenhänden angefasst werden. Das Drehrädchen ist nicht so griffig, der Abstand zur B-Säule zu eng.

Da wir schon mal vorne sind, werfen wir vor der Abfahrt noch einen Blick aufs Cockpit. Und hier holt der neue Fiesta wieder auf. Wir haben ja oft gezetert und gemosert. Krieg der Knöpfe, Mini-Mäusekino als Bildschirm. Und nun? Gut, besser, Fiesta! Das Ford-Entertainmentsystem Sync 3 lässt sich über den großen Touchscreen auf Höhe der Rundinstrumente gut bedienen. Ja, richtig gelesen: Der Bildschirm ist genau da, wo er hingehört, sieht aus wie ein aufgesetztes iPad, die Icons sind ausreichend groß, wir tippen während der Fahrt, ohne dass der Blick zu lange von der Straße fällt. Genau hier liegt Ford vor Seat.

Auch die Fahreigenschaften profitieren vom XL-Radstand

Der Kleinwagenliga entwachsen: In Sachen Fahrwerk kann der Ibiza ein Klasse höher mitspielen.

Der Bildschirm sitzt im Ibiza eine Etage zu tief im glänzenden Armaturenbrett. Dafür gilt der Spruch aus Rudi Assauers Bier-Werbung: Nur gucken, nicht anfassen! Andernfalls sehen wir hässliche Fingertapser auf dem Klavierlack-Dashboard, das will man ja nicht. So, jetzt Abfahrt. Wir haben es bereits im ersten Vergleich, in dem der Ibiza Kia Rio, den alten VW Polo, Opel Corsa und Citroën C3 abgehängt hat, geschrieben: Gefühlt hat dieser Seat in der Kleinwagen-Liga nix verloren, Straßenlage, Geradeauslauf, Federungskomfort profitieren vom XL-Radstand. Der Ibiza rollt ab wie ein Kompakter, steckt lange und kurze Wellen erstaunlich gut weg. Kurzum: ein Auto wie Bayern München, leistet sich kaum Schwächen.

Im Fiesta gibt es einen Hauch GTI-Feeling

Durchaus sportlich: Der Fiesta ist der Dynamischere im Test, sein Motor garantiert gute Fahrleistungen.

Wir Fußball-Fans wissen ja, dass auch der 1. FC Köln offensiv einiges drauf hat. Genau da, in Kölle, wird der Fiesta auch gebaut. Und ist mehr denn je der Sportler unter den Kleinwagen. Seine Lenkung ist schön direkt, die Karosserie neigt sich auch bei schnellen Kurven nur wenig. Dank größerer Spurweite liegt der Fiesta jetzt noch satter auf der Straße, fährt eine Spur sportlicher als der Ibiza. Erst recht mit dem 125-PS-Dreizylinder, der 195 km/h flitzt, den Spurt auf Tempo 100 in weniger als zehn Sekunden schafft. Hey, Leute, das waren vor 30 Jahren die Werte des GTI-Jägers Escort XR3i! Wir müssen über Geld reden. Und über die Frage, was uns Qualität made in Germany wert ist. Bei 12.950 Euro startet ein 70-PS-Fiesta, mit fünf Türen sind es 13 750 Euro. Der Ibiza hat immer fünf, kostet in der Basis mit 65 PS 12.490 Euro. Oha, 1260 Euro Unterschied!

Bei unseren Testwagen sieht es so aus: 125-PS-Fiesta in Titanium-Ausstattung (Ford Sync 3, 16-Zoll-Alus, Klima) sowie fünf Türen kostet 20.200 Euro. 115-PS-Ibiza in Xcellence-Ausstattung (15-Zoll-Alus, Klima, Audiosystem) kostet 19.690 Euro. Das Navi berechnet Seat mit 400, ein 300-Watt-Soundsystem mit 450 Euro. Ford nimmt für das Paket mit Klimaautomatik, Navi und 675-Watt-Sound 900 Euro. So wird der Ford über den Preis ein Geheimtipp! Denn schon jetzt hat Ford auf der Homepage die Preise um 2300 Euro gesenkt.

Technische Daten Ford Fiesta 1.0 EcoBoost: • Motor: Dreizylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 998 cm³ • Leistung: 92 kW (125 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment: 170 Nm bei 1400/min • Vmax: 195 km/h • 0–100 km/h: 9,9 s • Antrieb: Vorderradantrieb, Sechsganggetriebe • Tankinhalt: 42 l • L/B/H: 4040/1735/1476 mm • Kofferraum: 292–1093 l • Leergewicht: 1164 kg • EU-Mix: 4,3 l/100 km (Super) • Abgas CO2: 98 g/km • Preis: ab 20.200 Euro (Fünftürer)

Technische Daten Seat Ibiza 1.0 EcoTSI: • Motor: Dreizylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 999 cm³ • Leistung: 85 kW (115 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment: 200 Nm bei 2000/min • Vmax: 195 km/h • 0–100 km/h: 9,3 s • Antrieb: Vorderradantrieb, Sechsganggetriebe (optional DSG) • Tankinhalt: 40 l • L/B/H: 4059/1780/1444 mm • Kofferraum: 355–1165 l • Leergewicht: 1140 kg • EU-Mix: 4,7 l/100 km (Super) • Abgas CO2: 108 g/km • Preis: ab 18.090 Euro

Andreas May

Andreas May

Fazit

Glückwunsch, Ford! Der Fiesta kann endlich wieder mitfahren, hat in der Kleinwagen-Klasse den Anschluss gefunden. Im direkten Duell mit dem Seat Ibiza kann der Fiesta vor allem mit seinem tollen Cockpit und der Fahrdynamik punkten. Beim Thema Platzangebot muss er sich hinter dem Ibiza einreihen, der ist einfach mit der neuen VW-Plattform ein richtig tolles Auto geworden, total geräumig und innen groß. Für uns ist der Fiesta trotzdem ein Großer, weil er im Vergleich viel Auto fürs Geld bietet.

Autoren: Andreas May, Sebastian Varchmin