/EWN plant neues Atomlager für Castoren

EWN plant neues Atomlager für Castoren

DHL-Bote

(Bild: slightly_different, Pixabay)

Lange hat der Atomlager-Betreiber EWN geprüft, wie sie die nach Terroranschlägen verschärften Sicherheitsmaßstäbe in Lubmin umsetzen. Nun soll ein separat stehendes Castor-Lager errichtet werden. Auch eine Zerlegehalle für radioaktive Abfälle ist geplant.

Als Schutz vor Terrorangriffen plant das bundeseigene Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) in Lubmin den Bau eines neuen Atomlagers für die im Zwischenlager Nord (ZLN) deponierten 74 Castoren mit hochradioaktivem Abfall. Das sei Ergebnis einer mehrjährigen Optionenprüfung infolge der veränderten Sicherheitsbewertung, sagte EWN-Geschäftsführer Henry Cordes am Mittwoch in Lubmin.

Als freistehendes Ersatzlager soll der Bau die in Lubmin eingelagerten Behälter voraussichtlich ab Ende 2024 aufnehmen. Mittel- und schwachradioaktiver Abfall werde weiter im Zwischenlager Nord verwahrt. “Durch den Bau eines Ersatzlagers für die Halle 8 ergeben sich radiologisch am Standort Lubmin keine Veränderungen”, sagte Cordes. Unverändert bleibe neben der Anzahl der Castoren auch die Befristung der Aufbewahrungsdauer für die Castoren bis 2039.

Das EWN habe bereits Generalplaner beauftragt, Angebote zu erarbeiten. Voraussichtlich Anfang 2019 soll dann der Antrag beim zuständigen Bundesamt für kerntechnische Entsorgung gestellt werden, wie Cordes sagte.

Nach den Terroranschlägen in New York sowie mehreren europäischen Staaten, der Bewertung von Täterprofilen und Waffensystemen waren im Frühjahr 2011 alle Betreiber von Atom-Zwischenlagern vom Bundesamt für Strahlenschutz aufgefordert worden, ihre Sicherungsmaßnahmen zu verschärfen. Das EWN – damals noch unter dem Namen Energiewerke Nord – hatte im Sommer 2015 seinen Antrag an das damals zuständige Bundesamt für Strahlenschutz zurückgezogen, nachdem sich dieser als nicht genehmigungsfähig erwiesen hatte. Die Grünen warfen dem Unternehmen deshalb Verschleppung vor.

“Die heutige EWN-Entscheidung ist längst überfällig”, begrüßte die Atomexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, die EWN-Ankündigung. Die geplante Inbetriebnahme im Jahr 2024 sei aber zu spät. EWN und der Bund als Gesellschafter müssten für eine deutliche Beschleunigung sorgen.

Cordes begründete die lange Prüfungsdauer mit baulichen Besonderheiten: “Das ZLN ist kein reiner Lagerkomplex wie in Gorleben oder Ahaus, sondern ein Logistikkomplex.” Die Halle 8, in der die Castoren lagern, sei räumlich mit dem Zwischenlager für schwach- und radioaktiven Abfall verbunden.

Cordes wies Befürchtungen einer Ausweitung der Castor-Lagerung zurück. Die Anzahl der Castoren bleibe unverändert. “Auch die derzeit genehmigte Aufbewahrungsdauer der Castor-Behälter von 40 Jahren, die sich aus dem Atomgesetz ergibt, wird in unserem Genehmigungsantrag unverändert bleiben.” Von den 74 Castoren stammen 65 aus den stillgelegten DDR-Kraftwerken Lubmin und Rheinsberg. In neun weiteren sind Abfälle aus den Alt-Bundesländern deponiert: hochradioaktive Altlasten des atombetriebenen Forschungsschiffs “Otto Hahn” und der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe.

“Wir erfüllen alle Sicherheitsanforderungen”, betonte EWN-Chef Cordes. Seit der veränderten Bewertung der Sicherheitslage werde das Zwischenlager durch temporäre Maßnahmen – wie einen verstärkten Wachschutz und technische Nachrüstungen – gegen Terrorangriffe geschützt.

Parallel zu den Planungen für das Castor-Ersatzlager will EWN bis 2021 zudem eine Zerlegehalle für radioaktiven Abfall errichten. In der rund 35 Millionen Euro teuren Halle sollen bis in die späten fünfziger Jahre hinein Großkomponenten zerlegt, dekontaminiert und entsorgt werden, sagte Cordes. In der Halle, für die die ersten bauvorbereitenden Maßnahmen begonnen haben, sollen unter anderem Abfälle zerlegt werden, die in das Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall “Schacht Konrad” gehen sollen. Eine Eröffnung des Endlagers Schacht Konrad sei ab 2022 zu erwarten, sagte Cordes.

Die Halle soll in vier Ausbaustufen errichtet werden, um zunächst Dampferzeuger, später dann auch Einbauten zu zerlegen, die wegen ihrer radioaktiven Belastung nur unter Wasser und ferngesteuert bearbeitet werden können. Auch will das Unternehmen die Betonverarbeitung ausweiten, um kontaminierte Abfälle aus dem Rückbau des 1990 abgeschalteten Atomkraftwerks zu reduzieren.

Das Akw ging 1973 in Betrieb und erzeugte etwa elf Prozent des in der DDR benötigten Stroms. Bis Ende der 2020-er Jahre soll der Rückbau der radioaktiv belasteten Areale abgeschlossen sein, danach beginne der Abriss. Die Demontage der Kraftwerke in Lubmin und Rheinsberg kostet nach Angaben des EWN rund 6,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt an seinen Standorten Lubmin, Rheinsberg, Jülich und Karsruhe rund 880 Mitarbeiter, zehn Prozent mehr als vor drei Jahren.
(Martina Rathke, dpa) /


(bbo)