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EU-LISA: Datenbanken verbinden für mehr Sicherheit

(Bild: EU-LISA)

Auf der jährlich stattfindenden Konferenz der europäischen Datenagentur EU-LISA war “der Silo” das Hauptthema und die Interoperabilität das Zauberwort. Alle großen transeuropäischen Datenbanken sollen nahtlos zusammengefügt werden.

Die vierte Konferenz der Datenagentur EU-LISA (European Agency for the operational management of large-scale IT systems in the area of freedom, security and justice) beschäftigte sich unter dem Motto Digitaler Wandel für ein sicheres Europa mit dem Zusammenfließen von Informationen, die in den diversen EU-Datenbanken gespeichert sind. Zu den Datenbanken von EU-LISA, die dabei beteiligt sind, gehört das Schengener Informationssystem (SIS II), das Visa-Informationssystem (VIS) und das Fingerabdruck-Identifizierungssystem EURODAC. Künftig sollen weitere Datenbanken hinzukommen: Das europäische Ein- und Ausreisesystem (EES, European Entry-Exit System) und das europäische Einreise-Genehmigungssystem ETIAS (European Travel Information and Authorisation Systems) sowie nationale Systeme wie die jeweiligen Fluggastdatenbanken der Schengen-Länder.


EU-LISA

(Bild: EU-LISA
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All diese Datensilos müssten miteinander verbunden werden, damit die innere Sicherheit Europas gestärkt werden werden kann, erklärte EU-LISA-Direktor Krum Garkov zum Auftakt der zweitägigen Konferenz. Der estnische Innenminister Andres Anvelt stellte Estland und den estnischen Informations-Backbone X-Road als Vorbild für Europa hin. “Europas innere Sicherheit muss den gleichen Weg gehen, weil die Bewohner der Europäischen Union den bestmöglichen Schutz verdienen”, meinte Anvelt.

Beim umfassenden Datenabgleich über einen Informations-Backbone gibt es allerdings einige Probleme zu bewältigen. Johann Jergl vom deutschen Bundesinnenministerium bemängelte, dass viele Techniker einem “Silo-Mindset” anhängen und die Verknüpfung nachrangig behandeln: “EES ist ein Silo, ETIAS ist ein Silo und so weiter”. Joanna Goodey, Leiterin der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) bemängelte die Datenqualität mancher Datenbestände. Im Rahmen der von FRA durchgeführten Stichproben habe sie Probleme bei EURODAC, SIS II und VIS (in aufsteigender Fehlerquote) gefunden, meistens Übersetzungsfehler und Alphabetprobleme. Bei der FRA-Untersuchung von 117 Datensätzen vermisster Kinder in SIS II wurden in 62 Fällen falsche Angaben gefunden. Das Zusammenführen solcher Daten sei ein Risiko und kein Gewinn an Sicherheit, erklärte Goodey. Schließlich müsse auch darauf geachtet werden, dass die Grundrechte von Verbrechensopfern nicht verletzt werden.

Joao Fernandes, Leiter der IT-Abteilung des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen schilderte die Nöte des Personals in den “Aufnahme-Hotspots” der EU und machte sich für den Einsatz mobiler Technik, von robusten Smartphones und Apps stark, die jeweils über intelligente Hubs in ständiger Verbindung mit den EU-Datenbanken stehen. Technisch sei das EU-System noch auf dem Stand von 2011, als SIS II entworfen wurde, gab Frank Smith von der europäischen Arbeitsgruppe ENLETS Mobile (European Network of Law Enforcement Technology Services) zu Bedenken. EU-LISA-Direktor Krum Gorkow wünschte sich europaweit verbindliche IT-Standards für die Hotspots und eine Architektur, bei der beliebige Geräte als “Plug-Ins” sowohl beim Frontend wie beim Backend angeschlossen werden können.
(Detlef Borchers) /


(anw)