/Erste Studie zur deutschen Games-Branche: Enormes Potenzial, zu wenig Förderung

Erste Studie zur deutschen Games-Branche: Enormes Potenzial, zu wenig Förderung

Erste Studie zur deutschen Games-Branche: Enormes Potenzial, zu wenig Förderung

(Bild: StockSnap)

Die Videospielbranche in Deutschland erwirtschaftet mehr als die Musik- oder Filmindustrie, hat aber ein noch viel größeres Potenzial. Das geht aus einer ausführlichen Studie hervor, deren Autoren deswegen für mehr Förderung plädieren.

Die deutsche Videospielbranche erwirtschaftet mehr als die nationale Musik- oder Kinoindustrie und hat trotzdem noch ein enormes wirtschaftliches und kulturelles Potenzial. Zu diesem Ergebnis kommen Oliver Castendyk von der Hamburg Media School und Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn in der ersten bundesweiten Studie zur Games-Branche, die der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware BIU am Freitag veröffentlicht hat. Demnach lag der Umsatz der deutschen Videospielbranche 2015 bei 2,9 Milliarden Euro. Davon wurde 549 Millionen Euro mit Titeln deutscher Entwickler erwirtschaftet. Der Rest entfällt auf regionale Niederlassungen internationaler Konzerne.


Elex von Piranha Bytes

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Elex von Piranha Bytes
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Der Analyse zufolge arbeiten rund 14.000 Beschäftigte hierzulande in der Branche und das zu einem großen Teil in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen (77 Prozent) und fest angestellt (76 Prozent). Das sei ein sehr hoher Wert im Vergleich zu anderen Teilen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Außerdem sei die Exportquote vergleichsweise hoch, erziele die Games-Branche doch 46 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Videospiele eigneten sich deshalb auch besonders gut, um kulturelle Werte in alle Welt zu exportieren. Das spiegle sich aber in der sehr geringen Förderquote nicht wider. So betrage der Förderanteil in Großbritannien im Schnitt 17 Prozent, im kanadischen Ontario sogar 32 Prozent, in Deutschland aber lediglich 2,6 Prozent. Hierzulande seien Spiele deshalb in erster Linie eigenfinanziert.

Trotz dieses herausfordernden Umfelds seien die internationalen Märkte aber selten offener und für kleinere Nationen leichter zu erreichen gewesen als gegenwärtig. Hier verweisen die Autoren etwa auf Finnland, das dank staatlicher Förderung und erfolgreichen Mobilspiele wie Clash of Clans und Angry Birds eine der ertragsstärksten Games-Branchen Europas vorweisen kann. Für Deutschland gelte es nun, “die Chancen und neuen Felder in der Computer- und Videospielindustrie schneller […] zu erschließen und auszubauen, sowie die vorhandenen Strukturen zu stabilisieren und weiterzuentwickeln”.


(mho)