/Erste Entwicklerplattform zur barrierefreien Computernutzung steht bereit

Erste Entwicklerplattform zur barrierefreien Computernutzung steht bereit

DeveloperSpace

Entwickler, Entscheider in Unternehmen und Politik sowie andere Interessierte finden im neu eröffneten “DeveloperSpace” Hilfestellung und Austauschmöglichkeiten, was die barrierefreie Gestaltung von Software betrifft.

Die Partner im EU-Projekt “Prosperity4All” haben die Online-Plattform “DeveloperSpace” gestartet, die als Community, Austauschplattform sowie Ideengeber für Entwickler und Unternehmen rund ums Thema digitale Barrierefreiheit fungiert.

Die Förderung “assistiver” Technik ist das Ziel des DeveloperSpace. Die neue Online-Plattform ist im Rahmen des bis Januar 2018 laufenden Projekts “Prosperity4All” entstanden, in dem 24 Partner aus 13 Ländern zusammenarbeiten – Forschungsinstitute, staatliche Organisationen und Unternehmen verschiedener Art. Das Web-Angebot soll Entwicklern, Wissenschaftlern, Entscheidern in Unternehmen und Politik sowie anderen Interessierten einen Informationsaustausch erlauben. Das Anliegen des Projekts besteht darin, die Teilhabe an Informations- und Kommunikationstechnik auch immer mehr Menschen zu eröffnen, die mit Einschränkungen verschiedener Art leben.

Weltweit ist nach Angaben der Projektpartner über einer Milliarde Menschen die Nutzung von Computern und Internet erschwert oder versperrt, weil sie an Barrieren scheitern – das hat entweder mit altersbedingten Einschränkungen zu tun, mit körperlichen oder psychischen Handikaps oder schlicht mit Analpabetismus. Assistive Technik soll gewissermaßen Brücken bauen, um diese Barrieren zu überwinden.


Dr.-Ing. Matthias Peissner

Dr.-Ing. Matthias Peissner hofft, dass der Austausch von praktischen Entwickler-Erfahrungen, von Code, Tools und Ideen den DeveloperSpace immer stärker mit Leben erfüllt.

(Bild: Dr.-Ing. Matthias Peissner
)

Dr.-Ing. Matthias Peissner vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) leitet “Prosperity4All”. Er betont, es gehe nicht darum, “gänzlich neue Lösungen für Menschen mit Einschränkungen zu entwickeln”. Stattdessen wolle man “eine Plattform bereitstellen, die bereits Vorhandenes zusammenbringt: Hier finden Entwickler beispielsweise Bausteine, Codes, Skizzen und Ideen anderer Entwickler oder Wissenschaftler und können diese selbst verwenden. Wir wollen die bestehenden Forschungsergebnisse zusammenbringen, damit neue Lösungen entstehen können – die dann wirklich am Markt funktionieren.” So findet etwa derjenige, der Computeranwendungen barrierefrei gestalten möchte, beim Stöbern im DeveloperSpace Werkzeuge, Geschäftsmodelle, Anwendungsfälle und vieles mehr dazu.

Diese Online-Plattform, die weltweit die erste ihrer Art ist, bildet wiederum eine von drei Säulen der “Global Public Inclusive Infrastructure” (GPII), einer breit angelegten Initiative unter Beteiligung von über 50 Organisationen. Auch sie entstand im Rahmen des Projekts “Prosperity4All”. Zu den Unterstützern gehören so unterschiedliche Akteure wie Mozilla, die Adobe-Stiftung, IBM und Microsoft.

Professor Gregg Vanderheiden von der University of Maryland ist Kodirektor der GPII und Mitbegründer von “Raising The Floor International”. Letzteres ist eine Non-Profit-Organisation, die mit der Entwicklung von GPII betraut ist. Vanderheiden erklärt, der DeveloperSpace sei “der einzige Ort, der neuen Entwicklern die gesamten Ressourcen und Informationen über Barrierefreiheit, die im Netz verfügbar sind, bereitstellt.” So gebe die Online-Plattform Interessierten Gelegenheit, “Barrierefreiheit zu verstehen und ihre Ideen in die Realität umzusetzen”.


Ergonomie ist Trumpf

Die Online-Plattform bildet selbst ein Schulbeispiel für ergonomische Kriterien und konfigurierbare Darstellung.

Das Ziel der GPII besteht darin, die Entstehung barrierefreier Lösungen zu beschleunigen, zu vereinfachen und nicht zuletzt auch kostengünstiger zu machen als bisher. Ein wichtiger Aspekt besteht auch darin, die individuelle Anpassung etwa von Bedienoberflächen und ganzen Anwendungen, aber auch digitalen Alltagsgeräten zu erleichtern. Einen Vorgeschmack darauf liefert bereits der DeveloperSpace selbst – er erlaubt es sehr weitgehend, Erscheinungsbild und Informationsdarbietung zu konfigurieren. Die personalisierten Einstellungen jedes Nutzers werden in der Cloud gespeichert. So lassen sie sich standortunabhängig übertragen.


(psz)