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ERL Emergency: Kooperierende Roboter üben Katastropheneinsatz im AKW

ERL Emergency: Kooperierende Roboter üben Katastropheneinsatz im AKW


Hans-Arthur Marsiske

Einer der teilnehmenden Roboter – für den Einsatz im Wasser sind aber andere vorgesehen.

(Bild: heise online/Hans-Arthur Marsiske)

In Italien sollen Roboter in dieser Woche unter Beweis stellen, wie gut sie zusammenarbeiten können, um mit den Folgen eines Unglücks in einem AKW umzugehen. Sie sollen nicht nur den Austritt gefährlicher Stoffe stoppen, sondern auch Vermisste bergen.

In Piombino an der italienischen Westküste haben die Vorbereitungen für den Roboterwettbewerb ERL Emergency begonnen. Die “European Robotics League” ist ein mit EU-Mitteln ausgestattetes Paket aus drei Wettbewerben für Service-, Industrie- und Rettungsroboter, die an die entsprechenden Ligen beim RoboCup und den Outdoor-Wettbewerb Elrob anknüpfen. Neben großen Turnieren wie jetzt für Rettungsroboter in Piombino gibt es für ERL-Teams auch die Möglichkeit, ihre Leistungsfähigkeit in kleineren, standardisierten Arenen zu demonstrieren, die an verschiedenen europäischen Forschungsinstituten eingerichtet wurden. Ziel ist es, den Leistungsstand der Robotik in den verschiedenen Feldern besser einschätzen und vergleichen zu können und natürlich die Technik generell voranzutreiben.

Generell wird von ERL-Teams erwartet, dass sie mindestens an zwei Wettkämpfen pro Jahr teilnehmen. Die Teams von ERL Emergency sind allerdings in der Saison 2017/18 davon ausgenommen, da es außer dem Turnier in Piombino keine weiteren Möglichkeiten gibt, ihre Roboter zu testen. Es wäre auch nicht leicht, an anderen Orten eine vergleichbare Wettbewerbsumgebung aufzubauen, schließlich geht es vorrangig um das Zusammenwirken von Robotern in Luft, Wasser und auf dem Boden.

Üben für den atomaren Ernstfall

Das Szenario lehnt sich an den Unfall im Kernreaktor bei Fukushima an: Nach einem Erdbeben hat ein Tsunami ein Kernkraftwerk überflutet. Die Notfallgeneratoren sind ausgefallen, radioaktive Stoffe wurden freigesetzt, drei Personen werden vermisst. Aufgabe der Roboter ist es, die Vermissten zu finden, den Austritt weiterer Strahlung zu stoppen und generell einen Überblick über die Lage zu vermitteln. Dazu ist es erforderlich, Lecks in Leitungen unter Wasser, im Gebäude wie auch davor zu identifizieren und die dazu gehörigen Ventile zu schließen. Es dürfen allerdings auch nicht die falschen Ventile geschlossen werden, um nicht den dringend benötigten Zufluss von Kühlwasser zu verhindern.

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Die vermissten Arbeiter werden durch Puppen dargestellt, von denen sich eine im Gebäude, eine außerhalb und eine unter Wasser befindet. Alle Aufgaben können daher nur im Zusammenspiel von fliegenden, schwimmenden und fahrenden (oder laufenden) Robotern gelöst werden. So kann etwa ein Unterwasserroboter beobachten, aus welcher Leitung Schadstoffe ins Wasser gelangen, und die Information an den Bodenroboter übermitteln, der dann das dazu gehörende Ventil schließt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Roboter direkt miteinander kommunizieren oder über die menschlichen Bediener. Eine Vorgabe, bestimmte Aufgaben durch autonom agierende Roboter zu lösen, gibt es ebenfalls nicht. “Bei realen Katastrophen ist es den Rettungskräften auch egal, ob ihre Hilfsmittel autonom, teilautonom oder ferngesteuert arbeiten”, sagt Alan Winfield, einer der Juroren. “Hauptsache ist, dass sie helfen, die Mission erfolgreich abzuschließen.”

Autonomie notwendig

Allerdings könnte es sich als schwierig erweisen, den Wettbewerb ganz ohne autonome Funktionen der Roboter zu bewältigen. Insbesondere im Innern des Gebäudes dürfte der Funkkontakt erheblich gestört werden. Bei ersten Tests am Sonntag prüften einige Teams daher unter anderem, wo am besten Repeater platziert werden sollten, um den Kontakt zum Roboter möglichst lange aufrechterhalten zu können. Der Montag ist für weitere Tests reserviert, der eigentliche Wettbewerb beginnt dann am Dienstag und läuft bis Samstag.


(mho)