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Elektronische Gesundheitskarte: Vertrag mit Arvato Systems verlängert

Elektronische Gesundheitskarte: Vertrag mit Arvato Systems verlängert


Detlef Borchers

Kurz vor Beginn der Online-Anbindung von Praxen und Krankenhäusern zum Stammdaten-Abgleich der Versichertendaten hat die Gematik den Vertrag mit Arvato verlängert. Die Bertelsmann-Tochter behält ihre zentrale Rolle bei der elektronischen Gesundheitskarte.

Die Projektgesellschaft Gematik hat den Vertrag über die Einführung und Wartung der zentralen telematischen Infrastruktur mit der Bertelsmann-Tochter Arvato Systems um weitere 3 Jahre verlängert. Dies gab Arvato nun bekannt. Damit wird nicht nur der Testbetrieb der Online-Anbindung mit dem Stammdaten-Abgleich der Versichertendaten, sondern der gesamte Rollout der Online-Anbindung von Praxen und Krankenhäuser über die Rechenzentren von Arvato abgewickelt. “Der beginnende bundesweite Rollout ist ein weiterer Schritt der Digitalisierung, die auch das Gesundheitswesen weiter positiv verändern wird”, heißt es bei Arvato.

Zentrale Rolle von Arvato

Arvato Systems, Tochtergesellschaft des durchaus profitablen Bertelsmann-Konzerns, wird mit der Vertragsverlängerung eine zentrale Rolle im Aufbau der Vernetzung aller medizinischen IT-Systeme übernehmen und das Schaltglied zwischen den elektronischen Gesundheitskarten (eGK) der Versicherten und den IT-Strukturen der gesetzlichen Krankenkassen sein (die privaten sind anno 2010 ausgestiegen und zieren sich derzeit). Bei den gesetzlichen Kassen haben sich dafür die Mühen verdoppelt, allen Versicherten eine eGK der neuesten 2.Generation (erkennbar am G2 oben links) zukommen zu lassen. Allein diese Karten mit den vom Bundesamt für Sicherheitstechnik geforderten besseren Krypto-Algorithmen dürfen ab dem 4. Quartal 2017 in Praxen und Krankenhäusern eingelesen werden.

Der Vertragsabschluss zwischen der Projektgesellschaft Gematik und Arvato Systems fällt in die Zeit der letzten Amtshandlungen des Gesundheitsministers Hermann Gröhe (CDU) vor der anstehenden Bundestagswahl. Gröhe, der Defizite im Vollzug der Digitalisierung des Gesundheitswesens durchaus einräumt, könnte nach der Logik der Postenverteilung sein Amt an einen FDP-Minister verlieren, wenn es zu einer schwarz-gelben oder einer Jamaika-Koalition kommt. Zuletzt besetzte die FDP das Ministerium mit Philipp Rösler und Daniel Bahr.

Technik lässt auf sich warten

Unabhängig von allen Vertragsabschlüssen und politischen Überlegungen kommt die Nutzung der elektronischen Gesundheitskarte innerhalb der telematischen Infrastruktur kaum voran. Nach aktueller Auskunft gibt es keine zugelassenen VPN-Konnektoren für Praxen wie für Krankenhäuser. Ohne diese Konnektoren ist keine Online-Verbindung und die angestrebte Online-Prüfung der Versicherten-Stammdaten möglich. Die Industrie verteidigt sich mit dem Hinweis, dass die Projektgesellschaft Gematik noch im Juni die Spezifikationen änderte und die Prüfung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik seine Zeit braucht. Deshalb bietet die Gematik für die Anbieter von Praxis- und Krankenhaus-Verwaltungssystemen einen Konnektor-Simulator an.


(mho)