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Echord++: Europäische Robotik auf Werbetour

Echord++: Europäische Robotik auf Werbetour


Hans-Arthur Marsiske

Im Ambient Assisted Living Laboratory wird das Zusammenleben mit Robotern erforscht.

(Bild: heise online/Hans-Arthur Marsiske)

Im Projekt Echord++ sollen Firmen ausprobieren, ob Roboter ihnen helfen könnten. Dazu gibt es europaweit drei Standorte, die aber wenig bekannt sind. Deswegen müsse Werbung gemacht werden, denn Roboter können viele Probleme lösen, meinen die Forscher.

Es reiche nicht aus, Robotics Innovation Facilities (RIFs) einzurichten und zu warten, dass die Leute kämen, um sie in Anspruch zu nehmen, sagt Farid Dailami. Sie müssten vermarktet werden. Er muss es wissen: Der Associate Professor an der University of the West of England in Bristol ist Koordinator des RIF-Netzwerks in Europa, das im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts Echord++ (European Coordination Hub for Open Robotics Development) eingerichtet – und jetzt in Pisa der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Werbung für Europas Robotik

Anlass dafür war das dort erstmals veranstaltete Internationale Robotikfestival, eine weitere Marketingmaßnahme, um den gegenwärtigen Entwicklungsstand und die Möglichkeiten der Robotik in der allgemeinen Öffentlichkeit bekannter zu machen. Pisa ist zudem neben Bristol und Paris einer der drei RIF-Standorte, wo Firmen, Forschungsinstitute oder Behörden kostenlos neue Technologien erproben und erfahren können, inwieweit Roboter zur Lösung ihrer Probleme beitragen können. Üblicherweise laufe eine solche Beratung über sechs Wochen mit der Möglichkeit einer Verlängerung, erklärte Dailami. Allerdings gebe es diese Möglichkeit nur noch bis Oktober 2018, da Echord++ Ende Januar 2019 ausläuft.

Die bislang mit diesem Förderungsinstrument gesammelten Erfahrungen, seien “außergewöhnlich gut”, betonte Dailami. Häufig führe die Konsultation eines RIFs zu zusätzlicher Finanzierung, es seien in den vergangenen Jahren neue Arbeitsplätze und Wohlstand geschaffen worden. Als Beispiele nannte er unter anderem das Projekt Walk to Beat, das eine Gehhilfe für Parkinson-Patienten entwickelt, und Duster, eine Machbarkeitsstudie, die im Auftrag der europäischen Weltraumorganisation ESA die Reinigung von Solarmodulen auf Marslandern mithilfe von Robotern untersucht.

Roboter in der Medizin

Das RIF in Pisa wurde im Februar 2015 offiziell eröffnet. Es sei eine “Rennstrecke für Roboter”, auf der entwickelt, getestet und validiert werden könne, sagte dessen Leiter Paolo Dario. Eingebettet in die Toskana mit einer starken Industrie könne es sich auf vielfältige Kompetenzen stützen. Beispielhaft nannte die Mitarbeiterin des BioRobotic Institute Elena Battini Technologien zur Unterstützung der Rehabilitation nach Wirbelsäulenverletzungen oder Schlaganfällen. Bei einem Rundgang waren außerdem das Projekt EndoVESPA zu sehen, das die Belastungen für Patienten bei Darmspiegelungen vermindern will, indem die Kamerasonde mithilfe eines magnetischen Roboterarms durch den Darm gezogen statt wie bisher üblich geschoben wird.

Im Ambient Assisted Living Lab|_blank) in Peccioli erläuterte die Forscherin Laura Fiorini, wie Roboter im Zusammenspiel mit intelligenten Umgebungen Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, den Alltag erleichtern könnten, etwa beim Einkaufen. Inwieweit diese Ideen bereits in funktionierende Technologie umgesetzt wurden, ließ sich jedoch nicht beurteilen. Praktische Demonstrationen von Robotern waren bei der gesamten Veranstaltung nicht vorgesehen.

Die RIFs sind eins von drei Instrumenten, mit denen das Echord++-Projekt den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Roboterherstellern, Forschern und Nutzern vorantreiben will. Daneben gibt es die Public End-User Driven Technological Innovation (PDTI), bei der in Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen Innovationsbedarf ermittelt und technische Lösungen entwickelt werden, sowie die Experimente, die im Bereich der Forschungsförderung selbst eine Innovation darstellen: Im Rahmen des Vorgängerprojekts Echord, das von 2009 bis 2013 lief, wurde erstmals die Möglichkeit erprobt, aus dem Projekt heraus Forschungsmittel an Unterprojekte weiter zu vergeben, mit Laufzeiten von 12 bis 18 Monaten und Beträgen bis maximal 300.000 Euro. Im Rahmen von Echord++ würden derzeit 31 Projekte auf diese Weise gefördert, sagte Marie-Luise Neitz von der Technischen Universität München, Koordinatorin von Echord++.

Diese Methode des “cascading funding” könne sehr schnell auf Veränderungen reagieren und werde unter dem Kürzel FSTP (Financial Support to Third Parties) mittlerweile im derzeitigen EU-Forschungsförderprogramm Horizon 2020 breit genutzt. Eines der von Echord++ geförderten Projekte wurde kürzlich mit einem Preis gewürdigt: MARS (Mobile Agricultural Robot Swarms), das mit Roboterschwärmen Präzisionslandwirtschaft ermöglichen will, erhielt den silbernen Innovation Award der Landwirtschaftsmesse Agritechnica. Für landwirtschaftliche Roboter bietet das RIF in Pisa Testmöglichkeiten auf der Bio-Farm Floriddia an. Beim Besuch dieses Betriebs war allerdings kein einziger Roboter zu sehen.


(mho)