/DTM: Abt und Ekström im Interviewdoppel “Ein super Mann aus dem Wald”

DTM: Abt und Ekström im Interviewdoppel “Ein super Mann aus dem Wald”

— 13.10.2017

„Ein super Mann aus dem Wald“

Das sagt Teamchef Hans-Jürgen Abt über Mattias Ekström. Beide sind seit 2001 ein Team und stehen vor ihrem dritten gemeinsamen Titel

Herr Ekström, Herr Abt, Sie sind jetzt 17 Jahre „verheiratet“: Wie hält man es so lange zusammen aus?

Mattias Ekström (39): Das frage ich mich auch. Im Ernst, das ist leicht. Wenn man gewisse Grundwerte und die gleiche Basis hat, kann man einen Streit auch gut überleben.

Hans-Jürgen Abt (54): Wenn man immer ehrlich ist, dann hat man eine Chance, dass man miteinander auskommt. Auch wenn er langsam alt wird: Man findet keinen besseren Fahrer als ihn.

War es Liebe auf den ersten Blick?

Abt: 1999 wurde er mir empfohlen: „Ein super Mann, der mitten aus dem Wald kommt, aber sauschnell ist.“ Er hat mich auf Anhieb beeindruckt, aber es hat bis 2001 gedauert, bis ich ihm ein Cockpit besorgen konnte.

17 Jahre arbeitet Abt schon mit Ekström in der DTM zusammen

Ekström: Ich hatte von Anfang an Spaß, auch wenn ich nicht viel verstanden habe. Sein Bayerisch ist ja kein Deutsch, und mein Deutsch war damals noch nicht so gut. Was mich beeindruckt hat, war der Abt-Ehrgeiz, immer gewinnen zu wollen. Das Kämpfen bis zum Schluss. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Es war direkt Gas geben angesagt.

Was schätzen Sie jeweils am anderen?

Ekström: Den Humor. Und: Man kann Emotionen zeigen. Deshalb wird es mit ihm auch nie langweilig.

Abt: Ich bin ein schlechter Verlierer, genauso wie Mattias. Wir haben uns gegenseitig gepusht, wir hängen an ihm, aber er hing auch immer an uns.

Was nervt?

Ekström: Wenn es schlecht läuft, dann nervt er. Aber dann nervt sowieso alles.

Abt : Wenn er im Qualifying zweistellige Zahlen nach Hause bringt. Eki sagt, er ist Rennfahrer, ich sage aber, dass er auch im Qualifying gut sein muss. Das haben wir in all den Jahren nicht so gut hinbekommen.

Was war das Highlight in all den Jahren?

Abt:  Der Titelgewinn 2004, als  wir als offizielles Audi-Werksteam mit dem Ekström aus dem Wald auf Anhieb die großen Namen in Grund und Boden fuhren, bis sie geweint haben.

Es sieht nach dem dritten Ekström-Titel aus

Ekström: Die Kultur hat sich aber leider verändert. Die Wertigkeit eines Rennsieges ist weniger geworden, und die Partys auch. Die legendären Partys in den Highlight-Jahren habe ich leider verpasst, denn da war ich nur aufs Rennenfahren konzentriert.

Abt ist mit allen Wassern gewaschen, die Abt-Schule berüchtigt. Wie hart ist sie?

Ekström: Wir sagen nicht täglich 25-mal Entschuldigung, die Wahrheit kommt schnell auf den Tisch. Ich lebe diese Art selbst jetzt noch extremer.

Abt: Respekt muss man sich erarbeiten, und das kann man nur durch eine klare Struktur und durch Ergebnisse.

Herr Ekström, Sie sind selbst Teamchef. Wie muss ein Teamchef sein?

Ekström: Ehrlich, kritisch und auch lobend, dazu schnell im Kopf. Die Leute wollen schnelle Antworten.

Abt: Man muss ein Menschenfänger sein, den Leuten das Gefühl geben, dass sie gut aufgehoben und wir eine große Familie sind. So leben wir das bei Abt.

Mattias geht als Tabellenführer zum Finale nach Hockenheim: Was hat er seinen Konkurrenten voraus?

Abt: Mattias hat brutal viel Erfahrung. Fahrer wie ihn gibt es nicht mehr viele, mit dem Technik­verständnis und der Schnelligkeit. Er war der konstanteste Rennfahrer über all die vergangenen Jahre. Wir haben jetzt die Chance, wieder zu gewinnen. Und das nach fast auf den Tag genau zehn Jahren.